Währungsturbulenzen

Euro-Absturz wirkt sich auch auf Baselbieter Strombranche aus

Schweizer Wasserstrom dürfte durch den Eurokurs weiter unter Preisdruck geraten. Photovoltaik, hier in der ARA Birsfelden, wird dagegen günstiger.

Schweizer Wasserstrom dürfte durch den Eurokurs weiter unter Preisdruck geraten. Photovoltaik, hier in der ARA Birsfelden, wird dagegen günstiger.

Wem die Energiewende bereits anhin ein Dorn im Auge war, der findet durch den Absturz des Euro-Kurses nun zusätzliche Gründe, sie abzulehnen. Geraten die beiden Baselbieter Elektras wegen des noch billigeren Eurostroms zusätzlich in Schwierigkeiten?

Als «gefundenes Fressen für die Gegner der Energiewende» bezeichnet ein Vertreter der Strombranche den Absturz des Eurokurses um ein Sechstel. Er möchte zwar nicht zitiert werden – doch was er meint, ist klar: Wem die Energiewende bereits anhin ein Dorn im Auge war, der findet nun zusätzliche Gründe, sie abzulehnen. Doch wie sieht es bei den Baselbieter Energieversorgungsunternehmen und deren Lieferanten aus?

Sowohl die Elektra Birseck (EBM), als auch die Elektra Baselland (EBL) sind an der Alpiq beteiligt und beziehen den grössten Teil ihres Stroms durch langfristige Lieferverträge vom Schweizer Energiekonzern. Dieser steht als inländischer Stromproduzent durch die tiefen europäischen Strompreise unter Druck und musste deswegen wiederholt den Wert seiner Kraftwerke in Milliardenhöhe nach unten korrigieren. Gerät die Alpiq nun – und mit ihr die beiden Baselbieter Elektras – wegen des noch billigeren Eurostroms zusätzlich in Schwierigkeiten?

Kohlestrompreis sinkt weiter

«Kurzfristig sind die Folgen verkraftbar, da Alpiq ihre Geschäftsrisiken konsequent absichert», erklärt Alpiq-Sprecher Andreas Meier. Die langfristigen Folgen würden derzeit geprüft, dazu könne er noch nichts sagen. Auch EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner sieht kurzfristig keine Probleme für die Strombeschaffung. «Mittelfristig dürfte aber wegen des zusätzlich verbilligten Kohlestroms aus Deutschland die Inlandproduktion weiter unter Druck kommen.»

Werden Grosskunden vermehrt zu ausländischen Anbietern abwandern? Dazu EBM-Sprecher Jo Krebs: «Die EBM bietet ihren Kunden Marktpreise an und der europäische Marktpreis für Strom ist in Euro gehalten. Folglich ergeben sich aus der aktuellen Situation für uns keine Kundenverluste.»

EBL und EBM betreiben im Euroraum Wind- und Solarkraftwerke. Dazu heisst es unisono, der Eurokurs bringe da weder Vor- noch Nachteile, weil sowohl die Zinsen als auch der lokale Stromverkauf in Euro abgewickelt werden. Und falls ein Energieversorger über die nötigen Mittel verfügt, kann er nun im Euroraum billiger Kraftwerke einkaufen. «Die dafür zur Verfügung stehende Substanz hat aber in den letzten Jahren abgenommen», stellt Steiner fest.

Auch Photovoltaik wird billiger

Nicht Kraftwerke, aber Kraftwerkskomponenten kaufen die Solarinstallateure ein. Zwar werden Solarpanels in Dollar gehandelt, doch auch gegenüber diesem wurde der Franken stärker. Tritec-CEO Giorgio Hefti rechnet mit einer Preissenkung von 2,5 bis 7 Prozent für fertige Anlagen. Da Kosten wie Gerüst, Montage etc. im Inland anfallen, schlage der Preisnachlass auf den technischen Komponenten nicht voll durch.

Solvatec-CEO Dominik Müller weist darauf hin, dass man nach dem Konkurs des Schweizer Herstellers Sputnik Engineering nun auch die Wechselrichter im Ausland einkaufen muss. Er rechnet damit, dass durch die Frankenaufwertung Solaranlagen zwischen 5 und 10 Prozent günstiger werden. «Dies gleicht in etwa die anstehenden KEV-Senkungen aus.» Die Einmalzuschüsse für Kleinanlagen sollen nämlich im April und Oktober je um 10 bis 12 Prozent sinken, die Einspeisevergütung für Grossanlagen um 5 bis 6 Prozent. Indem der Frankenanstieg die Absenkung der Fördermittel ausgleicht, bewirkt er in der Solarbranche einen Schub für die Energiewende. «Jede Preisreduktion fördert die Preisparität», erklärt Hefti und fügt hinzu, dass diese für private Nutzer von Solarstrom schon seit zwei Jahren gelte: Ihr Strom kommt sie nicht teurer und teilweise sogar günstiger als der eingekaufte.

Müller erwartet zudem mittelfristig einen Anstieg der Strompreise: «Dagegen ist die eigene Anlage eine Absicherung, sozusagen ein Hedgefonds auf dem Dach.» Da man für Erspartes auf der Bank nichts mehr bekommt, würden sich viele für solche Investitionen entscheiden: «Unsere Auftragsbücher sind – ungewöhnlich für diese Jahreszeit – bis April voll.» Auf der anderen Seite schätzt Alpiq-Sprecher Meier: «Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 könnte sich tendenziell verlangsamen.» Auch bei der EBL fürchtet Steiner, die Energiewende könnte «vorübergehend ins Stocken geraten», wenn die Wasserkraft weiter unter der Kohlestromkonkurrenz aus dem Ausland leidet.

Von einem Abbruch der Energiewende spricht aber niemand. «Kurzfristig kostet sie und die Firmen müssen nun nach weiteren Kosteneinsparungen suchen. Dafür habe ich volles Verständnis», erklärt Steiner. «Doch darf man nicht aus kurzfristigen Überlegungen heraus auf eine Strategie verzichten, die man aus langfristigen Gründen als richtig erkannt hat.»

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