Herr Fartek, wie ist Ihr Befinden gut einen Monat nach der Abwahl?

Ewald Fartek: Zu Beginn war ich enttäuscht über das Ergebnis. Aber das ist direkte Demokratie, die ich immer hochhalte. Nun habe ich mich damit abgefunden.

Waren Sie auch wütend?

Nein. Eigentlich wollte ich aufhören, aber aufgrund der Gespräche im Gemeinderat hätte ich noch eine Amtsperiode angehängt.

Wie erklären Sie sich Ihre Wahlschlappe?

Meine Abwahl war von langer Hand vorbereitet. Salman Fistik trat als Sprengkandidat der SP an, nachdem er vier Jahre zuvor noch ohne Unterstützung der SP-Sektion Oberdorf kandidiert hatte. Die SP wollte eine stille Wahl des Gesamtgemeinderats verhindern, was ihr gutes Recht ist.

Die SP-Kandidatur war gegen Sie persönlich gerichtet.

Genau.

Spürten Sie das im Vorfeld der Wahl?

Ich habe ein Schreiben eines SP-Mitglieds, das zweifelsfrei darauf hindeutet. Mir wurde zur Last gelegt, ich hätte die Abwahl des Präsidenten der Sozialhilfebehörde beantragt, was nachweislich nicht stimmt. Die Fehlzahlung Land Breite wurde ebenfalls falsch dargelegt. Auch Vetternwirtschaft im Zusammenhang mit Küchen in der Schule wurde mir vorgeworfen, was ich weit von mir weise. Die Küchen wurden genau nach Vorgaben der Lehrpersonen und der Gemeinde angefertigt und durch meinen Schwiegersohn geliefert. Bei diesem Geschäft trat ich immer in den Ausstand. Diese Vorwürfe sind völlig haltlos und aus der Luft gegriffen.

Was war aus Ihrer Sicht ausschlaggebend für Ihre Abwahl?

Die Unwahrheiten, die im Wahlkampf über mich verbreitet wurden. Es wurde gezielt gegen mich gearbeitet. Nach dem Wahltag erhielt ich aber einige Reaktionen aus der Bevölkerung, die meine Abwahl sehr bedauerten.

Weshalb haben Sie während des Wahlkampfs nicht Gegensteuer gegeben?

Ich habe genug gemacht: Ich schaltete Inserate, verbreitete Flugblätter und verschickte mehrere E-Mails. Mehr wollte ich gar nicht. Ich muss nicht zu den Leuten nach Hause, um ihnen zu sagen, sie sollen mich wählen. Oder den Leuten im Dorf hinterherlaufen und mit Kaffeegutscheinen Wahlpropaganda machen. So weit lasse ich mich nicht herab.

Haben Sie ein Problem mit Salman Fistik?

Er ist nicht mein Freund.

Haben Sie ihm zur Wahl gratuliert?

Nein, sicher nicht.

Angenommen, Sie und Fistik wären gewählt worden: Hätten Sie sich eine Zusammenarbeit mit ihm im Gemeinderat vorstellen können?

Nein. Dann hätte ich vermutlich meine Wahl ausgeschlagen.

Schon vor vier Jahren belegten Sie nur den fünften Platz, damals noch gut 60 Stimmen vor Salman Fistik. Hätten bei Ihnen nicht dann schon die Alarmglocken schrillen sollen?

Damals war die Ausgangslage anders. Die Anschuldigungen gegen mich wurden erst vor den diesjährigen Wahlen erhoben. Dazu kam noch die falsche Darstellung der Fehlzahlung für Land, welche die Gemeinde Oberdorf getätigt hatte und die auch eine Beschwerde eines Stimmbürgers nach sich zog. Diese wurde jedoch von der Regierung abgewiesen. Wir handelten nach bestem Wissen und Gewissen. Heute sind über eine Million von den insgesamt 1,9 Millionen Franken wieder eingegangen. Da ist gegen mich Stimmung gemacht worden, was ich nicht akzeptiere. Mir wurde vorgeworfen, ich hätte die Gemeinde finanziell geschädigt, was schlicht falsch ist.

Konnten Sie der Bevölkerung nicht klarmachen, dass Sie richtig gehandelt hatten?

Das haben wir kommuniziert an den Gemeindeversammlungen, aber an Versammlungen nimmt leider nur ein kleiner Teil der Stimmenden teil.

Sie sind Mitglied der FDP. Ist Ihre Partei zu wenig hinter Ihnen gestanden?

Ich habe mit den bürgerlichen Parteien diskutiert. Sie haben mir zugesichert, mich und auch die anderen Gemeinderäte zu unterstützen. Aber vermutlich war das zu wenig. Wir hätten mehr machen sollen.

Welches Fazit ziehen sie nach 14 Jahren im Gemeinderat, davon acht Jahre als Präsident?

Ich werde Ende Juni erhobenen Hauptes abtreten. Ich bin stolz auf das Erreichte und kann als Verantwortlicher für die Finanzen eine gesunde Gemeinde übergeben. Dank umsichtigem Handeln ist Oberdorf heute schuldenfrei mit ansehnlichem Eigenkapital. Bei meinem Antritt als Gemeinderat waren wir hoch verschuldet, mit Bilanzdefizit. Höhepunkte meiner Amtszeit waren die Sanierung der Haupt- und Schulstrasse, Einführung der Tempo-30-Zone, diverse Schulbauten, Umstrukturierungen auf der Verwaltung und im Gemeinderat, die sich bezahlt machten. Unerfreulich war die rückwirkende Sitzverlegung von Synthes in den Kanton Solothurn, was den Gemeindehaushalt äusserst negativ beeinflusste.

Werden Sie auch ab 1. Juli Gemeindeversammlungen besuchen?

Nein, ich ziehe mich vollständig aus dem politischen Leben zurück. Ich weiss zu viel über die Gemeinde und möchte mich nicht mehr einmischen. Ich gehöre verschiedenen Vorständen an, bin neu Weinbauer und habe noch andere Hobbys. Ich bin auch künftig genug beschäftigt.