Strafgericht

Ex-Zirkusmitarbeiterin beleidigt Tierschützer: «Ein Vergleich mit Hitler – das geht einfach nicht»

Die 65-Jährige hatte sieben Jahre lang für den Circus Royal gearbeitet und sich dort regelmässig über die Demonstrationen von Tierrechtsaktivisten geärgert. (Symbolbild)

Die 65-Jährige hatte sieben Jahre lang für den Circus Royal gearbeitet und sich dort regelmässig über die Demonstrationen von Tierrechtsaktivisten geärgert. (Symbolbild)

Eine Ex-Zirkusmitarbeiterin beleidigte einen militanten Tierschützer und kriegt für ihr Äusserungen eine Geldstrafe aufgebrummt.

Es war eine jener Facebook-Diskussionen, die ein wenig aus dem Ruder gelaufen sind. «Ist Dein Gehirn in der Irre gefangen, wird von der Polizei flugs was aufgehangen», schrieb die heute 65-jährige Frau mit grosszügigem Versmass im April 2016 im Facebook-Profil des Tierschützers Benjamin Frei. Dieser hatte zuvor ebenfalls gereimt.

Die mehr oder minder ulkigen Anspielungen uferten bald aus. Ein paar Tage später doppelte die Frau nach: Es habe da doch schon einen Vorgänger gegeben, der von der Akademie der Künste zwar abgewiesen worden sei, es aber «zum Herrscher eines fast hundertjährigen Reiches» gebracht habe. «Ich bin zwar auf der Seite der Schweizer Liga gegen trottelhaftes Verhalten (oder so) gesperrt, nicht aber auf der Seite ihres An-‹führers›», schrieb die Frau. Frei ist Vizepräsident der Schweizer Liga gegen Tierversuche und für die Rechte des Tieres und zeigte die Autorin zwei Monate später wegen Beschimpfung an.

Die 65-Jährige ist frisch pensioniert, sie hatte sieben Jahre lang für den Circus Royal gearbeitet und sich dort regelmässig über die Demonstrationen von Tierrechtsaktivisten geärgert. Derzeit wohnt sie in Wien, sie reiste am Montag nach Muttenz, um sich vor dem Baselbieter Strafgericht gegen den Vorwurf der Beschimpfung zu verteidigen.

Der erste Satz sei eine Antwort in Reimform gewesen, weil auch Frei sich in Reimen geäussert habe. Sie habe damit nicht ausdrücken wollen, der Aktivist sei «irre», sondern bloss irregeleitet in seiner Meinung. Gerichtspräsidentin Monika Roth nahm der Frau dies ab und sprach sie vom Vorwurf der Beschimpfung frei.

Extra aus Wien angereist

Hauptpunkt der Verhandlung waren indes die Anspielungen auf Hitler. «Hitlervergleiche sind in der Schweiz nicht strafbar», meinte die Angeklagte. «Das sage ich Ihnen dann, ob das strafbar ist», erwiderte Roth trocken. «Er hat sich uns gegenüber so benommen. Benjamin Frei stand zum Beispiel mit dem Megafon vor der Tür und schrie herum», sagte sie. Das habe sie schon ein wenig an dunkle Zeiten erinnert.

Roth räumte ein, die Frau sei durch ihre Arbeit beim Zirkus emotional betroffen gewesen und zeige aufgrund der Demonstrationen und der Militanz der Gegenseite wohl gewisse Abnutzungserscheinungen. «Aber ein Vergleich mit Hitler, das geht einfach nicht. Das ist selbstverständlich eine Beschimpfung», sagte Roth. Als Strafmass gab es eine bedingte Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 20 Franken sowie eine reduzierte Kostenbeteiligung von knapp 1000 Franken. Die Frau kann den Schuldspruch weiterziehen.

Circus Royal-Direktor Oliver Skreinig begleitete seine ehemalige Mitarbeiterin zum Prozess und betonte gegenüber den Medien, die Tierschützer würden bei ihren Aktionen bereits vierjährige Kinder indoktrinieren und Sponsoren belästigen. Ein Verzicht auf die umstrittenen Raubtiernummern ist für ihn keine Option. «Dann würden sich die Aktivisten auf die restlichen Tiere einschiessen. Sie sind gegen jegliche Tiere im Zirkus, und Benjamin Frei will eine vegane Gesellschaft», sagte Skreinig.

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