Baselbieter Ständeratssitz

Exklusive Wahlumfrage zeigt: FDP-Schneeberger im Ständeratsrennen vorn – aber nur leicht

Eine exklusive Wahlumfrage zeigt, wer im Baselbieter Ständeratsrennen momentan die Nase vorn hat.

Eine exklusive Wahlumfrage zeigt, wer im Baselbieter Ständeratsrennen momentan die Nase vorn hat.

Laut einer Wählerbefragung führt die FDP-Kandidatin. Dahinter liefern sich Maya Graf und Eric Nussbaumer ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die Ausmarchung um den einzigen Baselbieter Ständeratssitz wird gut zwei Wochen vor dem Wahltermin zu einem Krimi. Dies zeigt eine exklusive Wahlbefragung der Forschungsstelle Sotomo für die «Schweiz am Wochenende». Demnach wollen am 20. Oktober 37 Prozent der Baselbieter Wählerinnen und Wähler FDP-Kandidatin Daniela Schneeberger die Stimme geben. Maya Graf (Grüne) und Eric Nussbaumer (SP) liefern sich mit 29 respektive 28 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ohne Wahlchance ist Elisabeth Augstburger (EVP) mit 6 Prozent. Da kein Kandidierender das Absolute Mehr erzielt, kommt es wie erwartet zum zweiten Wahlgang.

Für FDP-Nationalrätin Schneeberger ist das Ergebnis zwiespältig. Positiv aus ihrer Sicht: Sie mobilisiert im eigenen Lager hervorragend. 82 Prozent der FDP- und sogar 87 Prozent der SVP-Wähler wollen der stramm bürgerlich politisierenden Oberbaselbieterin die Stimme geben. Das sind Spitzenwerte, die manch freisinnigen Stöckli-Kandidaten anderswo neidisch machen dürfte. Schneebergers Problem: Aus dem rot-grünen Lager erhält sie null Support. Von GLP-Wählern erhält sie zwar immerhin 33 Prozent der Stimmen, nur 25 Prozent sind es demgegenüber bei der CVP. «Schneeberger kommt nicht über die politische Mitte hinaus», analysiert Sotomo-Politwissenschafter Bruno Rüegg. Soll die Freisinnige ins Stöckli gewählt werden, müsste sie just in der Mitte noch stärker punkten können.

FDP: «Im zweiten Wahlgang werden Karten neu gemischt»

Im zweiten Wahlgang hätten Graf oder Nussbaumer die besseren Karten gegenüber Schneeberger – trotz des Rückstands in der Prognose. Davon ist jedenfalls Wüest überzeugt: «Wenn sich vor dem zweiten Wahlgang das rot-grüne Lager auf einen Kandidierenden einigen kann, dann würde dieser wohl gewinnen.» Mit dieser Sichtweise nicht einverstanden ist FDP-Präsidentin Saskia Schenker: Sie wertet die 37 Prozent «ihrer» Kandidatin als gutes Resultat.

«Im zweiten Wahlgang werden die Karten neu gemischt. Ich bin überzeugt, dass Daniela Schneeberger noch zulegen kann – gerade bei Mitte-Wählern.» Schneeberger vertrete in vielen Dossiers, etwa der Europa- oder der Familienpolitik, Positionen, die bis ins Mitte-Links-Lager mehrheitsfähig seien. Auch Grünen-Präsident Bálint Csontos will das Ergebnis der Wählerbefragung nicht als klaren Vorteil für Rot-Grün deuten: «Schliesslich ist der Weg, den unsere Kandidatin Maya Graf im zweiten Wahlgang zu gehen haben wird, weiter als der von Daniela Schneeberger.»

Aufschlussreich ist der Direktvergleich Graf vs. Nussbaumer. Vorteil Graf: Sie kann die eigene Basis besser mobilisieren. 86 Prozent der Grünen-Wähler wollen Graf wählen, Nussbaumer bringt es bei der SP «nur» auf 72 Prozent. Immerhin 28 Prozent der Genossen favorisieren die Nationalrätin aus Sissach. Die Debatte um eine linke Frauenkandidatur spielt nachweislich Graf in die Hände. Vorteil Nussbaumer: Er punktet stärker in der Mitte. Bei CVP-Wählern kommt der ausgleichende Sozialdemokrat auf 34 Prozent, Graf fällt mit 4 Prozent erstaunlich ab. Bei den Christdemokraten darf sich zudem Aussenseiterkandidatin Augstburger ein grosses Stück vom Wählerkuchen abschneiden.

SP: «Es ist eine Aufholjagd Nussbaumers in Gang»

Bei GLP-Wählern sind Graf (34 %), Nussbaumer (32 %) und Schneeberger (wie erwähnt 33 %) ähnlich beliebt. Unter FDP-Wählern bringen es Graf und Nussbaumer immerhin auf Werte im hohen einstelligen Prozentbereich. Tiefer, aber noch vorhanden ist der Zuspruch von SVP-Wählern. Der These, wonach die Oberbaselbieter Bio-Bäuerin Graf in der SVP breite Sympathien geniesst, muss aber widersprochen werden. Der Support für Nussbaumer in der Mitte freut SP-Chef Adil Koller. Im zweiten Wahlgang sei dieser womöglich entscheidend. «Es ist offensichtlich eine Aufholjagd Nussbaumers in Gang. Vor einem halben Jahr betrachteten ihn die Polit-Beobachter noch als chancenlos.»

Für Koller gilt nun erst recht seine frühere Aussage: «Erzielt Eric Nussbaumer im ersten Wahlgang mehr Stimmen als Maya Graf, so werden wir im zweiten Wahlgang gegen Daniela Schneeberger antreten.» Ein Versprechen der Grünen, dann Graf in jedem Fall zurückzuziehen, gibt es allerdings nicht. Grünen-Chef Csontos mag sich auch nicht auf die Diskussion einlassen, ob nun Graf oder Nussbaumer in der Mitte mehr Stimmen holen kann. Doch Csontos sagt: «Sollten am 20. Oktober wieder nur wenige Frauen ins Stöckli gewählt werden, dann hat Maya Graf das entscheidende Argument für den zweiten Wahlgang auf ihrer Seite.»

Sotomo hat vom 9. September bis 1. Oktober knapp 1000 Baselbieter Wähler befragt. Der Strichprobenfehler liegt bei 2,4 Prozentpunkten.

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