Basellandschaftliche Kantonalbank

Expansion ins Fricktal: Die Offensive der BLKB ärgert die Konkurrenz

Wie nach Basel will die BLKB auch ausserkantonal ins Fricktal expandieren.

Wie nach Basel will die BLKB auch ausserkantonal ins Fricktal expandieren.

Die Basellandschaftliche Kantonalbank eröffnet 2021 zwei Filialen im Fricktal. Das sorgt bei den dortigen Platzhirschen für Irritationen.

Die Meldung hat in der regionalen Bankenszene eingeschlagen wie eine Bombe: Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) will im Februar 2021 in Rheinfelden und Frick eine Filiale eröffnen. Seit Anfang Jahr ist die Bank bereits am Basler Barfüsserplatz mit einer ausserkantonalen Niederlassung vertreten. Die Staatsbank des Landkantons begründet den weiteren Ausbauschritt mit Veränderungen der Bankenlandschaft im Fricktal. Damit sei eine neue Dynamik entstanden, sagt BLKB- Sprecherin Monika Dunant.

Die verklausuliert formulierten «Veränderungen» meinen Folgendes: Per 1. Dezember wird die Neue Aargauer Bank (NAB) – bisher eine der grössten Regionalbanken der Schweiz – mit dem Mutterunternehmen, der Credit Suisse Schweiz AG, zusammengeführt. Damit verschwindet der Name NAB. Das hat Auswirkungen auf das Fricktal. Per 22. November schliesst die bisherige NAB-Geschäftsstelle in Möhlin. Die Credit Suisse in Rheinfelden wird zum gleichen Zeitpunkt in die NAB Rheinfelden integriert. In Frick wird der bisherige NAB-Standort unter der Marke Credit Suisse weitergeführt.

BLKB hat Mitarbeitende bei der NAB abgeworben

Per 1. Dezember wird demnach die CS an den beiden Standorten Rheinfelden und Frick mit über 25 Mitarbeitenden und Schalter ihre Bankdienstleistungen für die Fricktaler Privat- und Firmenkunden anbieten. Demgegenüber sind 15 bis 20 bisherige Mitarbeitende der NAB künftig für die BLKB tätig, wie Dunant verrät. Die Baselbieter haben also für ihre Expansion ins Fricktal beim Mitbewerber Personal abgeworben.

Die Expansionsgelüste der BLKB haben bei der NAB und dem Mutterhaus CS hinter den Kulissen grösseren Wirbel verursacht. Offiziell ist man bemüht, den Ball flach zu halten. In der Bankenbranche werden die Aktivitäten der Konkurrenz in der Regel nicht kommentiert. Christoph Roduner, der seit über zehn Jahren bei der NAB das Private Banking leitet und künftig im selben Segment fürs Fricktal verantwortlich ist, sagt dennoch: «Die neue Mitbewerberin ist kein aargauisches Unternehmen und hat noch keine langjährige Fricktaler DNA wie wir.»

«Wir sind bei den Finanzierungen führend und das soll so bleiben»

Die drei Fricktaler CS-und NAB-Leiter der Segmente streichen aber lieber ihre eigenen Stärken hervor: Die NAB war bisher im Private Banking die stärkste Bank im Fricktal. Das zusammengeführte Unternehmen wird zudem in den Bezirken Rheinfelden und Laufenburg jede vierte Hypothek finanzieren. «Wir sind bei den Finanzierungen führend und das soll so bleiben», sagt Marco Hürbin, Leiter des Privatkundengeschäfts im Fricktal.

Der Leiter Firmenkunden, Matthias Frey, ergänzt: «Bei sehr vielen Projekten in der Region sind die CS und NAB als Kreditgeber involviert.» Die drei Exponenten wohnen alle im Fricktal, was Nähe zur Kundschaft schaffe. CS und NAB erzielten bisher in den drei Segmenten Private Banking, Privat- sowie Firmenkunden ein Marktvolumen von mehreren Milliarden Franken; detaillierte Kennzahlen gibt die Bank nicht bekannt.

Auch die Kantonalbank zeigt sich erstaunt

Auch der zweite grosse Banken-Player im Fricktal, die Aargauische Kantonalbank (AKB) nimmt den Schritt der BLKB mit «etwas Erstaunen zur Kenntnis», wie Kommunikationsleiterin Christine Honegger auf Anfrage schreibt. Die AKB betreibt ihrerseits fünf Filialen im Fricktal – so in Rheinfelden, Magden, Möhlin, Frick und Laufenburg.

Zumindest gegen aussen wirkt der Kommentar der AKB zu den Plänen der Baselbieter aber gelassen: Die AKB operiere aus einer Position der Stärke, die 40 Fricktaler Mitarbeitenden der Kantonalbank wohnten im Marktgebiet und seien bestens vernetzt. Im Fricktal seien bereits mehrere Banken aktiv. «Das erschwert einen Neueintritt», argumentiert Honegger.

Bereits heute 7'000 Fricktaler Kunden

Sämtliche involvierten Häuser betonen aber, dass das Fricktal als wirtschaftsstarke Region ein interessantes Marktgebiet für Banken sei. Bei der BLKB weist man den Vorwurf, die Aktivitäten exterritorial auszuweiten, zurück: «Das Fricktal mit den Bezirken Rheinfelden und Laufenburg gehört seit jeher zum Rayon der BLKB», sagt Dunant. Dieses Rayon leite sich aus dem Kantonalbankengesetz des Kantons ab und umfasse die Wirtschaftsregion Nordwestschweiz.

Im Fricktal zählt die BLKB bereits heute 7'000 Kunden. An den definitiven Standorten in Rheinfelden und Frick will die BLBK eine Beraterbank ohne klassisches Schaltergeschäft betreiben. Allerdings wird es eine 24-Stunden-Selbstbedienungszone mit Bankomaten für Ein- und Auszahlungen geben. Das Fricktal soll «zeitnah zu den wachstumsstärksten Regionen innerhalb der BLKB zählen», betont Dunant.

Weitere Expansion ist vorerst nicht geplant

Mit den zwei neuen Standorten zählt die BLKB künftig 25 Niederlassungen, darunter jene in Basel sowie eine in Breitenbach im solothurnischen Schwarzbubenland. Im Private Banking war die BLKB in der Stadt zwar bereits seit Jahren präsent, seit Februar gibts nun aber an bester Lage am Barfüsserplatz eine Retail-Filiale mit offener Kundenzone und Bankomat. Weitere Expansionsschritte seien derzeit nicht geplant, versichert Dunant.

Meistgesehen

Artboard 1