Orahou

Experte zum umstrittenen Gesundheits-Vergleichsdienst: «Konsumenten richten über das Portal»

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Felix Schneuwly vom Vergleichsdienst Comparis.

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Gesundheitsexperte Felix Schneuwly hält das von Verbänden kritisierte Vergleichsportal Orahou für eine gute Sache. Er glaubt, dass sich schwächer bewertete Altersheime deshalb verbessern wollen.

Was halten Sie vom neuen Internetportal Orahou, das die Leistungen und Kosten der über 1500 Altersheime in der Schweiz vergleicht?

Felix Schneuwly: Grundsätzlich ist das eine gute Sache. Es entspricht einem Bedürfnis der Bevölkerung, Dienstleistungen und Anbieter in verschiedensten Bereichen vergleichen zu können. Wir von Comparis bieten so etwas ja für Spitäler. Jetzt sind also Alters- und Pflegeheime an der Reihe.

Was versprechen Sie sich davon?

Mehr Transparenz. Gerade weil es um mehr geht als ein Hotelzimmer zu buchen, ist Transparenz besonders wichtig. Die Frage ist halt, wie gut Orahou hierbei hilft.

Die nationalen Dachverbände der Altersheime, Curaviva und Senesuisse, kritisieren das Portal scharf und rufen ihre Mitglieder auf, es zu boykottieren.

Dieser Widerstand war zu erwarten. Anbieter aller Branchen wehren sich immer, wenn ihre Leistungen plötzlich öffentlich verglichen werden. Ich begreife allerdings die Aufregung bei Curaviva Schweiz nicht. Am Ende richten die Konsumenten über das Portal. Wenn die Informationen schlecht aufbereitet sind und es viele Fehler hat, wird die Webseite bald nicht mehr genutzt werden und eingehen. Überzeugt die Seite hingegen, sollten die Verbände sie nicht bekämpfen.

Die Hauptkritik richtet sich gegen die Verknüpfung mit dem kostenpflichtigen Angebot der Orahou-Gründer Helvetic Care, die eine Betriebsanalyse machen und dann die eigenen Swiss Healthcare Awards vergeben.

Tatsächlich ist dieser Bereich etwas heikler. Wichtig ist, dass der Kriterienkatalog des Awards transparent ist. Dann ist das Resultat für jeden Betrieb nachvollziehbar. Klar ist: Dass ein Altersheim dafür Geld in die Hand nimmt, darf weder den Award selbst noch die Platzierung auf der Orahou-Webseite oder das kostenlose Rating beeinflussen. Das scheinen die Macher einzuhalten.

Ins Auge sticht das Sterne-Rating. Ist es problematisch, da nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, dass es sich nicht um eine Bewertung der Pflege-Qualität handelt?

Es ist legitim, dass die Firma öffentlich zugängliche Daten sammelt und aufbereitet. Man muss sich einfach bewusst sein, dass bei Altersheimen viel mehr Faktoren eine Rolle spielen als bei Hotels und auch viele Heime spezialisiert sind und darum gewisse Leistungen nicht anbieten. Aber ich finde es immer noch besser, dass es nun überhaupt eine Vergleichsmöglichkeit gibt, als gar kein Angebot zu haben. Der Vorteil einer Internetplattform ist ja, dass man sie laufend anpassen und auch Fehler korrigieren kann.

Was halten Sie vom Vergleich der Pensions- und Betreuungstaxen?

Das finde ich sehr gut. Heute wissen die meisten angehenden Heimbewohner überhaupt nicht, wie viel ein Tag im Altersheim sie kostet. Und der Vergleich zeigt, dass teils grosse Unterschiede bestehen.

Glauben Sie, dass Orahou dadurch sogar einen Beitrag zur Senkung der Gesundheitskosten leisten kann?

Das vielleicht nicht gerade, denn der grösste Kostenblock ist das Personal. Aber es ist grundsätzlich nachgewiesen, dass Rankings oft die schlechter bewerteten Anbieter motivieren, sich zu verbessern. So sinken nicht die Kosten, aber die Qualität steigt.

Heute wählt ein Grossteil der Senioren ein Heim in ihrem Wohnort aus. Kann das Portal dazu führen, dass künftig viel freier gewählt wird?

Die Internetseite baut ja zum Einen auf das zunehmende Bedürfnis, zu vergleichen, zum Anderen aber auch darauf, dass die Mobilität auch bei der älteren Bevölkerung zunimmt. Diese Entwicklungen unterstützt Orahou natürlich.

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