Lehrerausbildung

Fachhochschule relativiert schlechte Noten – Politiker nehmen Leitung in Pflicht

Die Lehrerverbände sind aufgrund der Umfrage besorgt über die Qualität Lehrerausbildung – im Bild der PH-Standort in Liestal.

Die Lehrerverbände sind aufgrund der Umfrage besorgt über die Qualität Lehrerausbildung – im Bild der PH-Standort in Liestal.

Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule kritisieren die Lehrerausbildung: An der Fachhochschule Nordwestschweiz verdränge die Forschung die Lehre. Nun relativiert die FHNW die Unzufriedenheit unter Dozierenden. Politiker und Verbände sind besorgt.

Die Dozierenden der Pädagogischen Hochschule (PH) der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sind unzufrieden, stehen nicht hinter der Strategie der PH, bemängeln die Akademisierung, die Organisations- und Führungsstrukturen sowie die mangelhafte Kommunikations- und Mitwirkungskultur. Die Kritik geht so weit, dass 55 Prozent der Dozierenden die PH verlassen würden, böte sich ihnen die Gelegenheit dazu. Das hat eine Umfrage des Verbands der Dozierenden (VDNW) mit Unterstützung der Gewerkschaft VPOD ergeben. In einer Resolution fordern VDNW, Lehrerverbände und Gewerkschaft einen grundsätzlichen Kurs- und Kulturwechsel.

FHNW bestätigt hohe Belastung

Die PH verwahrt sich gegen das vernichtende Resultat und relativiert: «Die Zahlen, aus denen die Umfrage ihre Schlüsse zieht, sind nicht transparent genug», sagt PH-Sprecher Christian Irgl. So sei der Praxisanteil in der Ausbildung im letzten Jahrzehnt gegenüber den Seminaren sogar stark gestiegen. Die Umfrage ignoriere, dass heute diverse wissenschaftliche Mitarbeiter in die Lehre eingebunden sind. Stattdessen vertraut die PH auf die eigenen Umfragen, die sie alle drei Jahre, zuletzt 2011, durchführt. Dort sei ebenfalls eine sehr hohe Arbeitsbelastung festgestellt worden. Dennoch hätten die Mitarbeitenden die hohe Wertschätzung gelobt, die sie durch die PH-Leitung erfuhren.

Irgls Fazit: Man nehme die Kritik ernst und werde weiter den Dialog suchen. Gerade in Sachen Arbeitsbelastung habe die PH bereits Massnahmen umgesetzt: Die Ressourcen des administrativen Personals wurden erhöht und die Förderung des wissenschaftlichen Personals beschlossen. Dazu passt, dass die offizielle Mitarbeitendenvertretung sich ebenfalls «ausdrücklich vom Vorgehen der VDNW distanziert».

Besorgt über das Arbeitsklima an der PH FHNW sind die Lehrerverbände der Kantone Basel-Stadt, Aargau und Solothurn. Sie fordern die Führungsorgane auf, rasch zu handeln.

Überrascht von dem harten Studien-Verdikt zeigt sich Ursula Renold, seit April Präsidentin des Fachhochschulrats der FHNW: «Solche Kritik muss und will ich als Präsidentin ernst nehmen.» Sie hat die Urheber der Umfrage an die nächste Sitzung des Fachhochschulrates einladen, gemeinsam mit Mitgliedern der Schulleitung. «Die Hochschule wird erläutern, wie sie die Ergebnisse aufarbeiten will.» Damit ist der Leiter der Pädagogischen Hochschule angesprochen, Hermann Forneck.

Leistungsauftrag unter der Lupe

Der Baselbieter Erziehungsdirektor Urs Wüthrich ist Vorsitzender des Regierungsrats-Ausschusses der FHNW (RRA). Vereinzelt seien dem RRA Bedenken und Kritik an der Ausrichtung der PH zugetragen worden, aber das Ausmass der Unzufriedenheit komme überraschend, schreibt Wüthrich auf Anfrage. Er wolle die Umfrage im RRA diskutieren und analysieren, ehe daraus konkrete Schlüsse gezogen werden könnten.

SP-Landrat Marc Joset, der Präsident der Interparlamentarischen Kommission der FHNW (IPK), ist ebenso überrascht und hält fest: «Korrekturen sind nötig.» Positiv sei, dass genügend Zeit bleibe, bis der nächste Leistungsauftrag der FHNW 2015 in Kraft trete. Der Zufall will es, dass die IPK am 18. November eine Sitzung zum Thema Praxisausbildung mit PH-Leiter Forneck durchführt. Joset: «Da erwarten wir von ihm natürlich Antworten.»

Hoffen auf kulturellen Wandel

Sorgen bereiten die unzufriedenen Dozierenden auch Oswald Inglin, CVP-Grossrat und Präsident der Basler Bildungs- und Kulturkommission (BBK). «Was mich überrascht ist, dass es seit der letzten Umfrage 2007 praktisch keine Änderung, eher eine Verschlechterung gab.» (siehe Kasten). Dass die FHNW die Ergebnisse der Umfrage relativiert, ist aus seiner Sicht logisch: «Kein Arbeitgeber ist glücklich, wenn die Gewerkschaft unter ihren Angestellten eine Umfrage durchführt.» Inglin geht davon aus, dass ein Wandel in der Führungskultur die Stimmung verbessern könnte.

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