«Das kann man ja gerade so gut nach Liestal laufen», findet der Bubendörfer Gemeindepräsident Erwin Müller. Denn wer nach dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember aus Bubendorf, Ziefen oder Reigoldswil nach Zürich pendeln will – und das sind gemäss Erhebungen der Busbetreiberin AAGL immerhin sieben Prozent der Passagiere der Buslinie 70, muss am Bahnhof in Liestal künftig bis zu einer halben Stunde warten. Denn der Schnellzug nach Zürich wird künftig knapp verpasst, genau wie der Interregio nach Luzern.

Dies, weil der 70er künftig drei Minuten später von Reigoldswil Richtung Liestal losfahren wird. Und auch auf dem Heimweg haben es die Pendler aus Zürich oder Luzern schwierig: Der 70er verlässt den Bahnhof künftig vier Minuten früher, weshalb sie ihn wohl knapp verpassen werden und somit erneut eine halbe Stunde warten müssen. «Das läppert sich zusammen», sagt Müller. Für Pendler sei dies kaum zumutbar. Entsprechend seien diverse Reaktionen aus der Bevölkerung bei ihm eingegangen. Und auch die bz wurde von verärgerten Passagieren angeschrieben.

Restwendezeit zu kurz

Bei der AAGL und beim Kanton zeigt man Verständnis für den Ärger. «Die AAGL bedauert auch, dass durch die notwendigen Anpassungen nicht mehr alle Verbindungen in gleicher Qualität wie vorher angeboten werden können», sagt etwa AAGL-Sprecher Simon Dürrenberger. Aber beim Austüfteln des neuen Fahrplans hätten sich gleich mehrere Probleme gestellt, allen voran eines: Dem 70er bleiben an seiner Endhaltestelle in Reigoldswil nach aktuellem Fahrplan gerade einmal zwei Minuten Zeit zum Wenden.

Diese kurze Zeit reicht nicht. Das musste auch die AAGL immer wieder erfahren: «Die Busse sind zwischen Liestal und Bubendorf staubedingt regelmässig verspätet. Im November 2016 traf die Linie 70 in der Abendspitze mit durchschnittlich mehr als sechs Minuten Verspätung in Reigoldswil ein. Das bedeutet, dass der Bus in Reigoldswil bereits wieder mit durchschnittlich vier Minuten Verspätung Richtung Liestal abfährt und so die Anschlüsse in Liestal verpasst.»

Um für mehr Fahrplanstabilität zu sorgen, habe man sich deshalb dazu entschlossen, die Restwendezeit in Reigoldswil zu erhöhen. Oder wie es Dominic Wyler, Verkehrsplaner beim Kanton, ausdrückt: «Wir bilden lieber einen realistischen Fahrplan ab und verzichten dabei auf gewisse Anschlüsse, als Verbindungen zu versprechen, die wir dann nicht einhalten können.»Im November 2016 seien in der Abendspitze nur gerade 24 Prozent der Kurse pünktlich in Reigoldswil und nur 60 Prozent der Kurse pünktlich in Liestal eingetroffen, «was per Definition einer völlig ungenügenden Qualität entspricht». Angestrebt werde ein Wert von mindestens 85 Prozent Pünktlichkeit.

Kleinen Erfolg erzielt

In den Gemeinden entlang der Buslinie 70 sorgt der neue Fahrplan für alles andere als Begeisterung. Entsprechend hatten sie sich in der Vernehmlassung zum Fahrplanentwurf geäussert, womit sie immerhin einen kleinen Erfolg erzielten. Kanton und AAGL haben im Vergleich zum Entwurf zwei zusätzliche Verbindungen auf der Linie 70 sowie zwei Verbindungen auf der Linie 71 für Pendler aus dem Föiflibertal geschaffen, welche den Anschluss an die Interregio-Züge von und nach Zürich sowie von und nach Luzern sicherstellen sollen.

Trotzdem sagt Erwin Müller: «Wir sind nicht zufrieden.» Es störe ihn, dass die Vernehmlassungsantworten der Gemeinden an der 70er-Linie – der mit jährlich 1,3 Millionen Fahrgästen beliebtesten Buslinie des Kantons – «einfach verpuffen».

Immerhin: Wer vom Föiflibertal mit dem 70er Richtung Basel pendelt – gemäss AAGL 36 Prozent der Passagiere –, ist mit dem neuen Fahrplan schneller am Ziel.