Baselbieterinnen und Baselbieter, die zwischen 5 und 8 Zimmer bewohnen, bringen gemeinsam am allermeisten Autos auf die Strassen: rund 53 000 Fahrzeuge. Ziemlich genau ein Fahrzeug pro Wohnung geht zulasten der 4-Zimmer-Bewohner, in absoluten Zahlen 43 500. Mit total 960 Autos belasten Bewohnerinnen und Bewohner von Villen mit 9 bis 20 Zimmern die hiesigen Strassen am wenigsten.

Allerdings weisen «die Reichen» mit fast 1,7 Fahrzeugen pro Haushalt die mit Abstand höchste Schnittmenge aus Wohnungsgrösse und Autobesitz auf. Am anderen Ende der Durchschnittsskala bewegt sich der typische Ein-Zimmer-Bewohner mit 0,6 Autos, total rund 2500 Fahrzeuge.

Doch das Baselbieter Amt für Raumplanung hat diese Zahlen nicht erhoben, um den Sozialneid zu befeuern. Vielmehr ging es darum, die emotional aufgeladene Parkplatzdebatte zu objektivieren. Dies schreibt Martin Huber vom Baselbieter Amt für Raumplanung in der jüngsten Ausgabe der «Bau- und Umweltzeitung», dem Hausblatt der Baselbieter Baudirektion. «Wie viele Parkplätze braucht der Mensch an seinem Wohnort?», betitelt Huber seinen Aufsatz und liefert die Antwort gleich mit: weniger als heute vom Gesetz gefordert – dies aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Nach oben begrenzt

Während in Basel-Stadt die Anzahl Parkplätze nach oben begrenzt ist, gilt für Wohnimmobilien im Baselbiet eine Mindestanzahl an Parkfläche, welche die Eigentümerschaft erstellen muss. Pro Wohnung fordert Baselland 1 Parkplatz und 0,3 Besucherparkplätze.

Von vornherein stellt das Amt für Raumplanung klar, dass es unmöglich zu erfassen sei, wie viele der Anwohner- und Besucher-Parkplätze tatsächlich genutzt werden. So könne die Untersuchung auch keinen Beleg dafür liefern, dass, wie oft kolportiert, die Tiefgaragen in den stadtnahen Gemeinden halb leer stehen und somit am Bedarf vorbei gebaut wird.

Vielmehr bediente sich das Amt bei den Daten der Motorfahrzeugkontrolle (MFK). Dort ist die Anzahl an privaten Fahrzeugen nach Adresse erfasst. Abgeglichen mit zusätzlichen Geodaten, ziehen die Baselbieter Raumplaner folgende Schlüsse: Kantonal sind rund 1,04 Fahrzeuge pro Wohnung oder Haushalt gemeldet. In absoluten Zahlen kommen auf 140 000 Wohnungen (davon 3500 leer) 148 000 Fahrzeuge (davon 6500 nicht privat).

Je besser ein Wohngebiet durch den öffentlichen Verkehr erschlossen ist, desto weniger Fahrzeuge sind pro Wohnung bei der MFK gemeldet. Darum kommen im ländlichen Raum auf jede Wohnung 1,3 Fahrzeuge.

Zusammengerechnet mit dem durchschnittlichen Fahrzeugbestand pro Zimmerzahl ergibt sich das Bild, dass bei guter öV-Erschliessung und Gebäuden mit einem hohen Anteil an kleinen Wohnungen die Anzahl Fahrzeuge im Durchschnitt auf 0,7 pro Wohnung sinkt. «Im optimalen Fall» und «ohne grössere flankierende Massnahmen» könnten laut Huber gewisse Gemeinden im Durchschnitt mit 0,7 Parkplätzen und 0,3 Besucherparkplätzen auskommen.

Von grüner Seite wurde im Landrat mehrfach eine Reduktion oder sogar die vollständige Befreiung von der Parkplatzpflicht gefordert. Dank neuer Verordnungen im Raumplanungsgesetz können die Gemeinden inzwischen unter gewissen Voraussetzungen die Mindestzahl der Parkplätze für Wohneinheiten autonom reduzieren. Die vollständige Übertragung der Kompetenz über den Mindestparkplatzbedarf an die Gemeinden befindet sich dagegen noch im politischen Prozess.