Kickboxer-Prozess

Fall Dojo: «Schläge auf den Kopf sind das Normalste in diesem Sport»

Der Verteidiger forderte für seinen Mandanten Freisprüche in allen Anklagepunkten – bis auf einen.

Der Verteidiger forderte für seinen Mandanten Freisprüche in allen Anklagepunkten – bis auf einen.

Am Tag zwei des Kickboxer-Prozesses fordert Paulo Balichas Verteidiger Freisprüche in fast allen Punkten – der Fall werde überdramatisiert.

Wenn zwei Profi-Kampfsportler gegeneinander kämpfen, einer der beiden das aber gar nicht will, wovon handelt es sich dann? Nimmt einer der beiden eine schwere Verletzung in Kauf, wenn er mit dem Ellbogen auf die Gurgel des Gegenübers zielt? Und steht ein Opfer tatsächlich unter Schock, wenn es sich nach dem Kampf eine Pizza liefern lässt – noch auf der Notfall-Station? Fragen wie diese beschäftigten das Baselbieter Kantonsgericht. Es behandelt als zweite Instanz nach dem Strafgericht den Kickboxer-Prozess, den Fall «Dojo».

Verteidiger spricht von beinahe normalem Kampf

Am Tag zwei referierte unter anderem der Verteidiger des Hauptangeklagten Paulo Balicha, Nicolas Roulet. Er forderte für seinen Mandanten Freisprüche in allen Anklagepunkten – bis auf einen. Nötigung habe es schon gegeben am 24. Februar 2014, sagte Roulet. An jenem Tag drang Paulo Balicha mit einer Horde Kampfsportler ins Trainingscenter seines Erzfeindes Shemsi Beqiri in Reinach ein, erzwang mit seinem ehemaligen Schüler ein Eins-zu-Eins, das Balicha jedoch verlor.

Das Baselbieter Strafgericht entschied 2018: Die Aggressoren nahmen schwere Körperverletzungen in Kauf. Sie hätten gefährliche Schlagtechniken angewandt und Schläge auf den Kopf ausgeführt. Balichas Mittäter schlugen zudem Anwesende und hinderten sie am Verlassen des Trainingslokals.

Shemsi Beqiri forderte auf dem Zivilweg Schadenersatz. Der Überfall habe ihn traumatisiert und seine Profikarriere ruiniert. Balichas Verteidiger sagte, die Geschehnisse seien von den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft stark dramatisiert worden. «Schläge gegen den Kopf sind das Normalste in dieser Sportart». Beqiri könne sie einstecken. «Das gehört zu seinem Beruf» als Thai- und Kickbox-Profi. Es seien zudem weder lebensbedrohliche Verletzungen festgestellt worden, noch könne man von einem Trauma sprechen. Roulet: «Er wollte auf dem Notfall zuerst eine Pizza essen, bevor er behandelt wird.»

Die Staatsanwaltschaft wie das Strafgericht sahen das anders. Sie verurteilten Balicha 2018 unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu 33 Monaten Freiheitsstrafe, davon 12 unbedingt. Am Mittwoch wird der Prozess fortgeführt.

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