Klatsche für Staatsanwaltschaft

Fall Fame: Angeschossener doch nicht wegen falscher Anschuldigung verurteilt

(Symbolbild)

Ein Teilhaber des geschlossenen Partylokals Fame wurde im September 2014 angeschossen.

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Nach einer Schiesserei in Muttenz wurde dem Opfer falsche Anschuldigung vorgeworfen. Dessen Beschwerde fand nun gleich mehrfach Gehör. Das Baselbieter Strafgericht wirft den Ermittlern vor, Parteirechte des Beklagten missachtet zu haben.

Der Vorfall ist an sich besonders. Cemil Sakar, Teilhaber der geschlossenen Partylokals Fame, wurde im September 2014 aus nächster Nähe angeschossen, als er mitten in der Nacht vor der Haustür seiner Schwester in Muttenz aus dem Auto stieg. Zehn Schüsse fielen, acht trafen ihn unterhalb der Gürtellinie. Es wäre für den Schützen einfacher gewesen, sein Opfer zu töten, als es so zu verletzen.

Vom Täter fehlt nach Angaben der Baselbieter Staatsanwaltschaft jede Spur. Der Angeschossene ist überzeugt, ein Mitglied einer verfeindeten Gang als Täter erkannt zu haben. Die Ermittler hatten diesen Mann in Untersuchungshaft genommen, konnten ihm den Anschlag jedoch nicht nachweisen. Eine zur Tatzeit abgesendete SMS sollte seine Unschuld beweisen.

Die Staatsanwaltschaft stellte die Schussabgaben nach und kam zum Schluss, bei den herrschenden Sicht- und Lichtverhältnissen habe das Opfer den Täter gar nicht erkennen können. Er habe ihn deshalb bewusst fälschlicherweise bezichtigt, was strafbar sei.

Den Strafbefehl wegen falscher Anschuldigung hat Sakars Anwalt angefochten, am Dienstag kam es zur Verhandlung vor dem Baselbieter Strafgericht. Sein Mandant sei am Tag nach dem Anschlag im Spital gefragt worden, ob er den Täter kenne. Da Sakar mit dem Angeschuldigten während Jahren zusammengearbeitet habe, sei er sich sicher gewesen, ihn in den Bewegungen, den Äusserungen und mit der Kleidung erkannt zu haben. Und dies sei durchaus in der Dunkelheit möglich gewesen. Schliesslich habe der Täter auch das Opfer erkannt, sagt der Anwalt.

Die Beschwerde fand bei der Einzelrichterin gleich mehrfach Gehör. Es sei fraglich, was ein Opfer in einem Verfahren über einen möglichen Täter überhaupt noch sagen, dürfe, wenn es, wie im vorliegenden Fall gegenwärtigen müsse, dafür strafrechtlich belangt zu werden. Aber noch gravierender: Die Staatsanwaltschaft habe sämtliche Parteirechte des Beklagten verletzt.

Er sei weder zur Tatort-Rekonstruktion vorgeladen worden, noch habe er danach rechtliches Gehör erhalten. Aus juristischer Sicht sei deshalb der ganze Aufwand als nichtig zu betrachten.

Der Waffenfund im Kleinbasel

Sakar, der derzeit in Spanien wegen anderer Delikte in Haft sitzt, ging auch vor dem Baselbieter Gericht nicht straffrei aus. Dies, weil er im Sommer 2016 in Kleinhüningen mit einem geladenen Revolver erwischt wurde. Diesen Fahndungserfolg verbuchte allerdings Kommissar Zufall. Denn Sakar geriet nach einem Überfall auf einen Coiffeursalon in eine Polizeikontrolle. Dabei fand sich «Taurus», Kaliber 38, mit fünf Schuss. Sakar wurde in Haft genommen, bis sich herausstellte, dass er mit diesem Überfall nichts zu tun hatte. Die Waffe wurde überprüft, ob sie schon bei anderen Delikten zum Einsatz kam, was offenkundig nicht der Fall war.

Für die Baselbieter Staatsanwaltschaft wird das Dossier Fame allmählich zum Problem: Zur Schiesserei, die nur ein Delikt in einer Reihe von Gewaltdelikten um die «Fame»-Vorherrschaft darstellt, fehlt jede Täterspur. Und beim ersten Versuch, zumindest einen Teilaspekt zu bereinigen, scheiterte sie krachend. Fein raus ist die Stadtbasler Staatsanwaltschaft. Obwohl die Mehrzahl der Delikte mittlerweile auf Stadtboden begangen wurden, überlassen sie die Ermittlungen vollständig ihren Baselbieter Kollegen.

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