Nicht viele können von sich behaupten, selbst im Sommer mit Weihnachtsbäumen zu tun zu haben. Und schon gar nicht, von ihnen umzingelt zu sein. Doch Anita und Beat Hugi-Schneider sind genau das. Die Landwirte, die in Eptingen daheim sind und dort ihre eigene Rinderzucht betreiben, haben Anfang Jahr die Weihnachtsbaumplantage von Anita Hugis Vater übernommen. Dieser heisst Albert Schneider und ist eine Kapazität auf dem Gebiet. Schneider-Bäume sind ein Begriff im Oberbaselbiet.

Nun bewirtschaften die Hugis die fünf Hektaren rund um den Hardhof ob Zunzgen. 5000 Bäume könnten hier statistisch pro Weihnacht geerntet werden. Doch Weihnachtsbäumchen mögen etwa die Trockenheit nicht, wie sie vergangenen Frühling herrschte. «Leider gingen viele ein», erklärt Beat Hugi, ohne ein Klagelied anzustimmen.

Denn der Weihnachtsbaumverkauf dieses Jahr läuft gut, bis zur Weihnacht werden die Hugis rund 2000 Bäume verkauft haben. Die Bäume gehen vor allem an Wiederverkäufer. Doch auch Private gehören zu den Kunden. Die ersten kommen bereits im Oktober auf den Hof. Dann liegen Bändel bereit, mit denen jeder seinen Baum im Feld reservieren kann. Kurz vor Weihnachten ist dann Abholzeit.

Tags bei Bäumen, nachts im Stall

«Wir beobachten manch einen, der stundenlang durch die Plantage schlendert», erzählt Anita Hugi. Manchmal stapfen auch Kinder mit Fuchsschwänzen bewaffnet zwischen den Bäumchen umher. Geflissentlich suchen sie sich dann eines aus, mustern es aus allen Windrichtungen, fällen es. Ernte-Event auf dem Hardhof. Vielleicht ein Angebot mit Zukunft.

Morgen wird der hektischste Tag im Jahr der Hugis sein. Bereits in den vergangenen Wochen kümmerten sie sich tagsüber um den Baumverkauf. «Unseren eigenen Hof versorgen wir dann frühmorgens und spätabends», sagt Anita. Hinzu kommen zahlreiche Nachteinsätze, um alles unter einen Hut zu bringen. «Trotzdem: Ohne die Hilfe der Familie würde es nicht hinhauen.»

Das Weihnachtsbaumgeschäft ist ein nadeliges Business. Importe aus dem Ausland ergänzten einst die heimische Baumproduktion. Vor rund zehn Jahren konstituierte sich die IG Suisse Christbaum – mit Erfolg. Sie konnte Landwirte motivieren, eigene Bäume zu verkaufen, was die hiesige Produktion gehörig vorantrieb. Heute ist der Markt gesättigt mit einer wachsenden Zahl einheimischer Bäume und einer konstanten Zahl importierter.

Von der Baumschule kommen die zweijährigen Setzlinge, rund 20 Zentimeter hoch sind sie dann. Weitere sechs Jahre braucht eine Rottanne bis zur Reife, bis zu zehn Jahren eine Nordmanntanne, die edle unter den Weihnachtsbäumen. Die perfekte Form haben längst nicht alle. «Das ist auch gut so, denn viele Kunden suchen naturgeküsste Bäume», sagt Beat Hugi.

So nennt er einen Baum, der nicht in perfekter Gleichmässigkeit gediehen ist, wenn ein Ast etwas absteht, auf einer Seite eine Lücke klafft. Und dann gibt es noch die besonders Naturgeküssten. Von ihnen benutzen die Hugis lediglich die Äste, denn die Nachfrage nach Deckästen erfreut sich steigender Beliebtheit. «Das wiederum erhöht den Anteil ein Qualitätsbäumen», macht Hugi den Umkehrschluss.

Saftige Bäume sind «sicherer»

Neuerdings schlägt Beat Hugi seine Weihnachtsbäume nach den Mondphasen, sofern dies möglich ist. Der Baum bleibe so saftiger, halte den Duft und auch seine grüne Farbe besser. Besonders punkto Saft habe das dann nicht nur ästhetische Gründe, sondern auch feuerpolizeiliche, erklärt der Baum-Experte. Je saftiger der Baum, desto gemächlicher fängt er Feuer.

Wer noch mehr für die Saftigkeit seines Baumes tun will, für den hält die Familie Hugi einen weiteren Tipp parat: Heute spitzt man den Weihnachtsbaum nicht mehr an. Damit sich der Baum optimal mit Wasser versorgt, muss die Rinde bis ins Wasser reichen. Das erzählt einem Beat Hugi gern bei einem Kaffee. Den gibt es beim Kauf eines Baums auf dem Hardhof bei Zunzgen gratis dazu. «Schliesslich wollen wir auch etwas weihnachtliche Stimmung verbreiten.»