Herrenfasnacht

Fasnachtsumzug von Breitenbach: Klimatisch ist es fast wie am Karneval von Rio

Aus der ganzen Region waren Guggen und Wagencliquen zusammengeströmt, um am Breitenbacher Fasnachtsumzug teilzunehmen. Und dasselbe galt für die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer, die aus nah und fern in den Thiersteiner Bezirkshauptort gekommen waren. Manche von ihnen hängten ihre Mäntel, Jacken und Pullover über die kahlen Bäume im Dorfzentrum, weil es ihnen bei den frühlingshaften Bedingungen zu warm war. Zumal auch die Guggen musikalisch kräftig einheizten. Es herrschten klimatische Bedingungen fast wie am Karneval von Rio.

Den Umzug führten die Heimatwaggis aus Brislach an. Ihnen folgten die einheimischen Hirzefäger, welche dieses Jahr auf 40 Jahre zurückblicken können. Viel Fantasie und Liebe zum Detail haben auch heuer die Mitglieder der Wagencliquen aufgewendet, um für die schönsten Tage auch tolle Wagen präsentieren zu können.

Der Trend geht offenbar vermehrt in Richtung Gesichtsbemalung

Insgesamt defilierten 38 Formationen durchs Dorf und sorgten für einen vielfältigen und bunten Umzug. Der Trend geht offenbar vermehrt in Richtung Gesichtsbemalung, die da und dort die Larve ersetzt. Einige gingen sogar so weit, den Namen oder die Nummer ihrer Clique auf die Wange zu schreiben. Kühn waren manche Wagenbauten.

Haushoch bewegte sich das Schloss Gilgenberg der Schloss-Spalter aus Zullwil entlang des Publikum-Spaliers. Die Sujets waren vielfältig und aktuell, lokal wie auch überregional. Dass im Boden der alten Papiri in Zwingen Quecksilber entdeckt wurde, bereitete den Minimalistä aus Büsserach Sorgen. Solche ganz anderer Art trieben die Riedberg-Hüng aus Nunningen um; am Wagen, der einen riesigen Wal mit weit aufgerissenem Mund zeigte, war zu lesen:

Ä Meeresfisch het um Himmelswille
die glichi Würkig wie d‘Antibabypille.

Dies in Anspielung auf die Medikamentenrückstände im Trinkwasser.

Selbstironisch waren die Räckholder-Waggis aus Himmelried unterwegs, die verkündeten, dass in ihrem Dorf nicht viel los sei; immerhin gebe es aber noch sie – und dies seit nunmehr fünf Jahren. Und die Litzler Chnertsch aus Kleinlützel hatten sich dubiose Vorkommnisse bei der Raiffeisenbank-Spitze vorgenommen und nahmen als Panzerknacker-Bande am Umzug teil.

Die Me-Too-Debatte beschäftigte offenbar die Schwanezunft Liesberg, prangten doch auf ihren Kostümen an diversen Stellen bunte Handabdrücke. «Matterhorn statt Lauberhorn» lautete das Motto der Dorfschützä aus dem gleichen Dorf. Dabei waren tatsächlich einige Cliquen-Mitglieder mit Skiern dabei; sie hätten sich wohl lieber Schnee denn Konfetti als Unterlage gewünscht.

Was wären Umzüge ohne die schränzenden und fätzenden Guggen. Auch sie sorgten dafür, dass der Stimmungs- und Lärmpegel nie Friedhofsruhe erreichte. Ausserdem zeigten sie, dass sie die aktuelle Hitparade aus Spotify und Radio durchaus kennen. Angeführt wurden die Guggen von Tambourmajoren. Die Tambourmajorin der Ladykiller aus Laufen dürfte nach dem Umzug ziemlich erschöpft gewesen sein. Denn sie tanzte wild und unablässig zur Freude des Publikums.

Das Publikum seinerseits verfolgte aufmerksam den Darbietungen der Guggen und Wagencliquen. Aufmerksam achteten vor allem die Frauen im Publikum darauf, dass sich ihnen kein larvengeschützter Waggis näherte, um sie mit Konfetti kräftig einzuseifen. Begehrter waren dagegen die diversen Bhaltis, Süssigkeiten und Getränke, die grosszügig an die Zaungäste am Strassenrand verteilt wurden. Damit auch ja niemand das passende Fotosujet verpasste, zog der Tross der Cliquen und Guggen zweimal durch die Dorfstrassen.

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