Der Liestaler Tätowierer Fabio Colombo stach gerade einer Kundin einen Traumfänger auf den Rücken, da musste er die Tattoo-Maschine zur Seite legen. Vor seinem Studio am Wasserturmplatz erblickte er eine Situation, die ihm bekannt vorkam. «Ich schaute nach draussen und dachte mir: Nicht schon wieder», erinnert sich der 30-Jährige an den Dienstagnachmittag.

Innerhalb weniger Monate fuhr zum zweiten Mal ein Bus der Autobus AG Liestal in die Markise des Geschäfts. Bei der ersten Kollision Ende März ging die Sonnenstore zu Bruch und fiel daraufhin runter. Der Bus wurde beim Unfall ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. An der Vordertüre und am Fenster dahinter barsten die Scheiben.

Das belegen Fotos, die Colombo damals für die Versicherung geschossen hat. «Ich musste die Markise ersetzen lassen», sagt der Tattoo-Künstler, der seit 2012 in Liestal ein eigenes Studio betreibt.

«Es ist mir ein Rätsel»

Die Autobus AG Liestal ist damals für den Schaden aufgekommen, den sie verursacht hat. Vor dem Geschäft wurde eine neue Store montiert und der Tätowierer konnte sich wieder seiner Leidenschaft – der Körperkunst – zuwenden.

Am Dienstag wiederholte sich die Geschichte, mit der Fabio Colombo eigentlich schon abgeschlossen hatte. «Dieses Mal ist der Schaden weniger ersichtlich als beim ersten Mal», erzählt er. «Die Markise wurde verbogen und der Stoff ist gerissen.» Die Fahrerin des Busses habe ihm nicht erklären können, weshalb es zur Kollision gekommen sei. «Es ist mir ein Rätsel, wieso schon wieder ein Bus meine Store demoliert hat», sagt der Betroffene.

Er könne nur Mutmassungen über die Gründe anstellen, welche sein Geschäft besonders anfällig machen. Den erlaubten Abstand der Markise zur Strasse habe er eingehalten, sagt Colombo. Tatsächlich zeigt ein Augenschein vor Ort, dass zwischen der Store und der Strasse noch ein Stück Trottoir sowie eine Strassenrinne liegt.

Linkskurve begünstigt einen Unfall

Eigentlich sollte es ein Leichtes sein, einen Bus vorbeizumanövrieren. « Möglicherweise liegt es an der eher unauffälligen Farbe der Store», sagt der Tätowierer. Früher habe vor seinem Geschäft eine blau-rote Markise gehangen und es sei nie etwas passiert.

Die Autobus AG Liestal kann zumindest beim ersten Unfall vom März Licht ins Dunkel bringen. «Die Busfahrerin musste einem Auto ausweichen und hängte daraufhin an der Store an», erklärt Simon Dürrenberger, Leiter Markt.

Das Tattoo-Studio liege in einer leichten Linkskurve, was den Unfall begünstigte. Die zweite Kollision sei noch zu frisch, weshalb er über den Grund noch nicht Bescheid wisse. Man werde dies jedoch in den nächsten Tagen abklären.

Fahrpersonal wird auf die Sonnenstore sensibilisiert

Nach dem erneuten Unfall werde er das Fahrpersonal darauf sensibilisieren, in der Kurve achtsam zu sein. «Zudem suchen wir das Gespräch mit dem Liegenschaftsbesitzer und dem Mieter», sagt Dürrenberger. Der aktuelle Fall sei der Versicherung der Autobus AG Liestal gemeldet worden.

Fabio Colombo hat vor, die demolierte Markise erneut ersetzen zu lassen. «Eine verbogene Sonnenstore macht einen schlechten Eindruck.» Bei der Farbe ist er noch unentschlossen: «Vielleicht entscheide ich mich besser wieder für eine bunte Store.»