Vernissage

Faszination Japan – verloren im Dschungel

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Japan, Land der Kontraste: futuristische Grossstädte treffen auf uralte Tradition. Der Basler Fotograf Kostas Maros hält die Parallelen dieser scheinbaren Gegensätze fest – und zeigt, weshalb man auch in der bevölkerungsreichsten Stadt der Welt einsam sein kann.

Japan: das Land der Kontraste. Es vereint hochmoderne Technik mit uralter Tradition und trägt beides gleichermassen im Herzen. Historische Tempel und in Nebel gehüllte Hügel halten sich mit neonfarbenen Grossstädten die Waage. Dass zwischen den beiden Enden des Spektrums aber durchaus Parallelen bestehen, zeigt der Basler Fotokünstler Kostas Maros in seiner aktuellen Ausstellung Janguru in der Galerie Monika Wertheimer in Oberwil.

Eigentlich ist Maros Quereinsteiger. «Ich war ursprünglich juristisch tätig und bin 2012 zur Fotografie gekommen», sagt der 38-Jährige. Nachdem er realisiert hat, dass ein Leben zwischen Gesetzesartikeln und Schwerverbrechern nichts für ihn ist, entschliesst er sich, zu neuen Ufern aufzubrechen. Ein Jahr lang reist er quer durch Asien.

Das Land Japan und seine Kultur faszinieren ihn. So sehr, dass es ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückzieht ins Land der Gegensätze. «Bei dieser Gelegenheit hat mir meine Galeristin Monika Wertheimer Kontakte zu einer Galerie in Tokio vermittelt», sagt Maros.

Baummeer trifft Beton

Janguru ist das japanische Wort für Dschungel. Den macht der Künstler auch zum Thema seiner Ausstellung – auf zwei verschiedenen Ebenen. Seinen Anfang nimmt das Projekt im Aokigahara Forest, einem sehr dichten Wald unter dem berühmtesten Vulkan Japans, dem heiligen Berg Fuji-San. «Die Region rund um den Berg ist extrem faszinierend, die Natur überwältigend», sagt Maros.

Nach mehreren Besuchen entscheidet er sich, dort zu fotografieren. «Zu diesem Zeitpunkt war aber noch nicht klar, wo das Projekt hinführen soll.» Nachdem er die Bilder aussortiert und sich mit seiner Galeristin abgesprochen hat, entscheidet er sich, den Bildern des Aokigahara-Waldes noch solche aus dem Grossstadtdschungel Tokio als Pendant gegenüberzustellen. «Den Kontrast zwischen urbaner Betonlandschaft auf der einen Seite und wuchernder Natur auf der anderen Seite darzustellen und dabei Parallelen aufzuzeigen, war für mich ein zentraler Bestandteil des Projektes», sagt Maros.

Mitten in der Einsamkeit

Die Verbindung der beiden Welten bestehe jedoch nicht nur im Element des Dschungels. «Die Arbeitsmoral wird in Japan sehr schwer gewichtet. Die Japaner sind Arbeitstiere, arbeiten quasi rund um die Uhr», sagt der Fotograf. In der japanischen Gesellschaft bestehe nur eine geringe Akzeptanz für Aussteiger und Arbeitslosigkeit. Persönliche Distanz werde stets gewahrt, Emotionen nur in den seltensten Fällen gezeigt. «Dadurch entstehen Einsamkeit und ein grosser Druck, dem gewisse Menschen einfach nicht standhalten», so Maros.

Japan habe eine entsprechend hohe Suizidrate. Viele Japaner, die der Gesellschaft nicht zur Last fallen wollen, finden den Weg aus dem Dschungel der Grossstadt hinaus in den Aokigahara-Wald. Das Baummeer ist dort so dicht, dass man sich darin schnell verliert. Der Boden aus Lavagestein absorbiert jedes Geräusch, es herrscht eine gespenstische Stille. Ein Platz der Einsamkeit, für viele Japaner der perfekte Ort zum Sterben. «Mein Projekt ist eine visuelle Impressionsarbeit. Ich möchte keine Behauptungen über richtig oder falsch anstellen», sagt Maros. Dafür verstehe er die japanische Kultur zu wenig.

Um das Gefühl der Einsamkeit auch in der Grossstadt einzufangen, seien mit einer Ausnahme alle Fotografien nachts entstanden. Die Bilder sind kühl, die Stimmung ist melancholisch. «Ich habe immer aus mittlerer Höhe fotografiert. Der Betrachter schaut nicht aus grosser Distanz auf die Stadt, sondern befindet sich mittendrin.» Ein bisschen so, als würde man vom eigenen Balkon aus in die Stadt eintauchen. Und in ihre Einsamkeit.

   

Vernissage Galerie Monika Wertheimer, Hohestrasse 134, Oberwil; Freitag,
22. März, 17 Uhr.

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Autor

Chloé Oberholzer

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