Exklusive Wahlumfrage Nationalrat

FDP findet sich überraschend auf der Verliererstrasse wieder

Eine exklusive Wahlumfrage zu den Nationalratswahlen Baselland zeigt, dass die FDP nur auf dem 4. Platz steht. (zvg / sotomo)

Eine exklusive Wahlumfrage zu den Nationalratswahlen Baselland zeigt, dass die FDP nur auf dem 4. Platz steht. (zvg / sotomo)

Klima-Kurs der nationalen Mutterpartei schreckt Teil der FDP-Wähler ab. Grüne und GLP könnten am 20. Oktober hingegen stark zulegen.

Das ist eine dicke Überraschung: Fallen die Nationalratswahlen am 20. Oktober aus wie von der Forschungsstelle Sotomo publiziert, dann wird die FDP im Baselbiet zur grossen Wahlverliererin. Laut Prognose kämen die Freisinnigen auf einen Wähleranteil von nur noch 12,8 Prozent. Dies entspricht einem Minus von 3 Prozentpunkten. Die Partei musste bereits bei den kantonalen Wahlen am 31. März ein Minus von 2 Prozentpunkten hinnehmen. Nationale Umfragen sahen die Freisinnigen jüngst allerdings wieder stabil oder gar mit leichten Zugewinnen.

Dennoch sieht Sotomo keine Baselbiet-spezifischen Gründe für den Negativtrend: Vielmehr seien die Freisinnigen mit zunehmender Dauer des Wahlkampfs in die Defensive geraten, sagt Sotomo-Politwissenschafter Bruno Wüest. Grund ist nicht zuletzt der Kurswechsel der FDP-Spitze hin zu ökologischen Themen. «Die Klimafrage mobilisiert in der FDP nicht alle – im Gegenteil. Die Partei droht einen Teil ihrer Wähler an die SVP zu verlieren», sagt Wüest. Umgekehrt wird die FDP von links von der GLP bedrängt, die klassischerweise grüne mit wirtschaftsliberalen Anliegen verbindet. Als einzige grössere Partei stellt sich die SVP dezidiert dem Klima-Hype, wie sie es nennt, entgegen. Jüngst sind SVP-Exponenten zudem mit einer pointierten Anti-FDP-Kampagne («Islamistenschützer») aufgetreten.

SVP verliert viel weniger als bei den kantonalen Wahlen

Der angriffige Wahlkampf scheint der SVP kaum zu schaden: Laut Prognosen bleibt sie im Baselbiet mit 27,7 Prozent die klar stärkste Partei. Der Verlust von 2 Prozentpunkten fällt deutlich geringer aus als bei den Landratswahlen im Frühling (-4,1 %); bei nationalen Urnengängen schneiden die Rechtsbürgerlichen im Baselbiet traditionell stärker ab als bei kantonalen. Wähler verlieren würde zudem die BDP, die im Landkanton in die Bedeutungslosigkeit zu versinken droht. Stabil halten können sich SP und EVP, ebenso (mit leichtem Plus) die CVP.

Umgekehrt sieht die Sotomo-Prognose Grüne und Grünliberale als Wahlsieger. Ein sattes Plus von 4,7 Prozentpunkten wird den Grünen vorausgesagt. Dies scheint nicht unrealistisch: Kantonal gewannen sie am 31. März 5,6 Prozentpunkte hinzu; dies allerdings von deutlich tieferem Niveau aus. Sollten die Grünen am 20. Oktober tatsächlich derart stark zulegen, würden sie mit einem Anteil von 18,9 Prozent zur drittstärksten Kraft im Kanton – mit grossem Abstand zur FDP. Der prognostizierte Zuwachs der GLP um 2 Punkte auf 4,7 Prozent kommt da eher etwas überraschend: Bei den kantonalen Wahlen stagnierte die Partei – trotz bereits damals virulenter Klimadebatte. Für Rüegg ist es erstaunlich, dass sich die Klimapolitik so lange und so prominent als Wahlkampfthema halten konnte.

 

Das Dossier zu den Wahlen mit vielen Grafiken finden Sie unter www.bzbasel.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1