Fall Dojo

Fehde zwischen Kickboxern Paulo Balicha und Shemsi Beqiri: Anklage gegen über 20 Personen

Der Kampf zwischen Shemsi Beqiri (l.) und Paulo Balicha (r.) unter den Augen der maskierten Schlägern Screenshot Telebasel

Der Kampf zwischen Shemsi Beqiri (l.) und Paulo Balicha (r.) unter den Augen der maskierten Schlägern Screenshot Telebasel

Das Mammutverfahren rund um den Überfall des Profi-Kampfsportlers Paulo Balicha auf das Trainingscenter seines Rivalen Shemsi Beqiri steht kurz vor vor dem Abschluss – doch die Fehde zwischen den beiden Kontrahenten geht weiter.

Der Fall Dojo ist in vielerlei Hinsicht mehr als aussergewöhnlich. Mit rund 20 maskierten und teilweise bewaffneten Männern stürmte der ehemalige Thaibox-Weltmeister Paulo Balicha am 24. Februar 2014 das Trainingscenter seines ehemaligen Schülers und jetzigen Erzrivalen Shemsi Beqiri in Reinach. Die maskierten Männer drängten die Trainierenden – darunter viele Minderjährige – an den Rand, laut Zeugenaussagen teils unter massiver Gewaltandrohung und -anwendung.

Das eigentliche Ziel der Angreifer war Kickboxer Shemsi Beqiri. Eingekreist von maskierten und mit Schlagstöcken bewaffneten Männern kam es zum Mann-gegen-Mann-Duell der ehemaligen Weggenossen. Ein Mitglied des Schlägertrupps filmte den Kampf, vermutlich um den erwarteten Triumph über den Erzrivalen festzuhalten.

Mehrjährige Haftstrafe droht

Fast sieben Minuten dauerte der erbitterte Schlagabtausch. Als Beqiri letztlich die Oberhand über den Angreifer gewann und dieser kurz vor dem Knock-Out stand, eskalierte die Situation vollends. Auf dem Video ist zu sehen, wie einer der Maskierten Beqiri von hinten vom Gegner wegreisst. Weitere Männer aus dem Schlägertrupp schlagen auf Beqiris Familie und Kollegen ein, welche ebenfalls einzugreifen versuchen. Zu diesem Zeitpunkt bricht der Film, eines der wichtigsten Beweismittel für die Ermittlungsbehörden, ab. Für mehrere Personen endete der Abend auf dem Notfall, darunter auch für die beiden Hauptbeteiligten Beqiri und Balicha. Dieser stellte sich noch am gleichen Abend und sass danach drei Monate lang in Untersuchungshaft.

Es folgte ein Mammutverfahren, wie es die Baselbieter Staatsanwaltschaft wohl noch selten erlebt hat. Über 70 Personen sind in das Verfahren involviert, mehr als 20 dürften demnächst angeklagt werden. Denn nach dreieinhalb Jahren Ermittlungen steht der Fall Dojo nun kurz vor dem Abschluss: Der zuständige Staatsanwalt hat die verschiedenen Parteien kürzlich per Brief informiert, dass die Untersuchungen abgeschlossen sind. «Aktuell sind die Involvierten daran, Akteneinsicht zu nehmen», bestätigt Sprecher Michael Lutz. Aktuell gehe man bei der Staatsanwaltschaft davon aus, dass im August beim Strafgericht Anklage erhoben werden kann, «unter dem Vorbehalt, dass nicht weitere Beweisanträge eingehen», betont Lutz.

Aus dem Schreiben geht auch hervor, welche Tatbestände die Staatsanwaltschaft vermutlich anklagen wird: Paulo Balicha wird sich als Haupttäter unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung, einfacher Körperverletzung, Angriff, Freiheitsberaubung und Nötigung zu verantworten haben. Bei einem Schuldspruch droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Zumal der Kickboxer einschlägig vorbestraft ist, auch wenn die Fälle bereits älteren Datums sind. Dem Portugiesen droht bei einem Schuldspruch ausserdem die Ausschaffung. Auch Balichas Diamond Gym auf dem Dreispitz musste mittlerweile seine Türen schliessen. Sein Kickbox-Training findet nun im Park statt. Pikant: Wenige hundert Meter von Balichas alter Wirkungsstätte hat vor kurzem Beqiri ein neues Kampfsportzentrum eröffnet.

Streit schwelt weiter

Mit der Anklageerhebung ist der Fall allerdings noch längst nicht abgeschlossen. Schon jetzt ist klar, dass der Prozess das Strafgericht vor grössere Herausforderungen stellen wird. Die Infrastruktur am Strafjustizzentrum in Muttenz reicht dafür bei weiten nicht aus.

Und der Streit der beiden Kontrahenten schwelt weiter. Neustes Kapitel: Das Umfeld von Beqiri hatte diesen Frühling von Gerüchten erfahren, dass Balicha plane, einen Auftragskiller anzuheuern. Nachdem Abklärungen der Ermittler ergaben, dass die Aussagen des Informanten widersprüchlich sind, verzichtete die Baselbieter Staatsanwaltschaft darauf, ein Verfahren zu eröffnen. Eine Beschwerde von Beqiri gegen diesen Entscheid hat das Kantonsgericht nun aber teilweise gutgeheissen und von der Staatsanwaltschaft zusätzliche Abklärungen verlangt.

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