Der Sommer ist da! Die Zeit, in der wir uns mit dem Wunsch nach einem Brathähnchen-Teint der krebserregenden UV-Strahlung aussetzen und uns von ihr in die verschiedensten Rottöne rösten lassen. Die Zeit, in der wir zu Hunderten ins Freibad fahren, wo wir, ganz gewitzt, unsere Wertsachen absolut unsichtbar unterm Handtuch mitten auf der Liegewiese verstecken.Die Zeit, in der wir nur noch das Nötigste an Kleidung tragen, Stadtbrunnen zum Planschbecken für Jung und Alt umfunktionieren und nachts die nach Blut lechzenden Moskitos im Schlafzimmer um Gnade anflehen.

Nur etwas ist dieses Jahr anders als sonst. Es ist nicht nur Sommer, sondern auch noch warm. In unserer Region, wo man ja schon zufrieden ist, wenn man im Juli morgens keinen Frost mehr von der Windschutzscheibe kratzen muss, überfordern Temperaturen von über 30 Grad dann doch ein wenig. Die Ventilatoren laufen auf Hochtouren, Wassereis hat Hochkonjunktur, und die Hitze setzt das Gemüt der Bevölkerung unter Hochspannung. Die Sommergewitter drohen dieses Jahr eher zwischenmenschlich als am Firmament.

Um diese explosiven Energieentladungen zu umgehen, halten wir uns am besten an Juvenals «panem et circenses», an Brot und Spiele. Auf die momentane Wetterlage bezogen, heisst das: Geht raus, geht zusammen essen und feiert diesen Sommer. Egal, ob Picknick im Park, Sekt-Soirée auf der Dachterrasse, Grillieren im Garten oder ganz einfach nur Party machen.

Die Anhängerinnen letzterer Methode sind die Nachtaktiven, die gerade überall ausschwärmen. Die einen gehen zum Clubben in die Stadt. In alte Gewölbekeller, wo massenweise gleich angezogene Gäste, verspiegelte Wände und blinkendes Buntlicht den Orientierungssinn herausfordern. Dort sind die professionellen DJs am Werk, Kommunikation funktioniert dezibelbedingt nur per Zeichensprache, man bekommt ohne verwirrte Gegenfragen Daiquiri und Cosmopolitan und droht alle zwanzig Minuten im Dunststoss der Nebelmaschine zu ersticken.

Auf dem Land feiert es sich dagegen meist in Mehrzweckhallen, wo aus bautechnischen Gründen sprichwörtlich mehr Luft nach oben ist, und das Problem Sauerstoffmangel entsprechend umgangen werden kann. Auf einer klassischen Bauernparty spielt ein Hobby-DJ Schlager und alte Partyheuler. Da kann man Discofox dazu tanzen. Oder Pogo.

Das exotischste Getränk ist neben mehreren Hopfen-Erzeugnissen Passoa Orange ohne Eis. McCrystal rieselt auf linke Handrücken, Schnupfsprüche werden gegen die Musik angeschrien, Unterhaltungen drehen sich ums Heuen, den Militärdienst, die Verwandtschaftsverhältnisse unter den Gästen, die Lehrabschlussprüfung und wer heute noch vier alte Schulfreunde nach Hause fahren kann.

Auch hier ist es überall zu warm, auch hier sind alle schweissgebadet, und trotzdem verabschieden wir uns alle mit innigen Umarmungen, denn dieser Sommer ist uns allen zu heiss.

*Die 19-jährige Eva Oberli ist Schülerin am Gymnasium in Muttenz und wohnt auf einem Bauernhof in Niederdorf.