Egli-Zucht

Fische haben Vorrang: Birsfelder Hafenpläne sind zurück auf Feld eins

Hier, auf dem Gelände der früheren Jowa, will die Migros Fische mästen. Es handelt sich um einen attraktiven Abschnitt – der Areal-Entwickler Hans-Jörg Fankhauser sah an dieser Stelle eine Konzerthalle vor.

Hier, auf dem Gelände der früheren Jowa, will die Migros Fische mästen. Es handelt sich um einen attraktiven Abschnitt – der Areal-Entwickler Hans-Jörg Fankhauser sah an dieser Stelle eine Konzerthalle vor.

Im Birsfelder Hafen sollte ein neues Quartier entstehen. Jetzt wird gebaut – vorerst aber nur für Fische.

Ein neuer Bootshafen. Flanieren entlang der Ufer. Wohnen am Wasser, in Gebäuden in Mikado-Stapelbauweise. Für den Birsfelder Hafen gibt es hochtrabende Pläne. Doch das, was dort als nächstes entsteht, passt nicht so recht in die hübschen Visualisierungen der Architekten: eine Mastanlage für Fische.

Das Egli-Becken soll auf dem nordwestlichsten Zipfel des Hafens entstehen, auf dem Gelände der früheren Jowa-Grossbäckerei. Hier, an bester Lage, will die Micarna AG, eine Migros-Tochter, pro Jahr 85 Tonnen Eglifilets produzieren. Dafür muss noch ein Bassin ausgehoben werden.

Damit sich die Investition auch lohnt, haben die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) klammheimlich den Baurechtsvertrag bis 2040 verlängert. Vertragsnehmerin ist die Delica AG, ebenfalls ein Migros-Tochterbetrieb. Das neue hippe Hafenquartier wird also auf die lange Bank geschoben, für mindestens zwei Jahrzehnte – zur gleichen Zeit macht Basel mit der Entwicklung seiner Häfen vorwärts.

Die Gemeinde selber gibt sich gelassen. «Das Projekt ist kein wirkliches Hindernis für die Vision, auf dem Gebiet sowohl den modernsten Binnenhafen Europas wie auch attraktivste Wohn- und Freizeitnutzungen zu errichten», sagt Gemeindepräsident Christof Hiltmann. Man spreche bei den Zukunftsideen für den Hafen «von anderen Zeitdimensionen».

Die Besitzverhältnisse am Hafen Birsfelden

Die Besitzverhältnisse am Hafen Birsfelden

Nicht hafenaffin genutzt

Noch ganz anders tönte es in einer Absichtserklärung vom April, unterzeichnet von den Rheinhäfen, der Gemeinde und dem Kanton Baselland, dem grössten Grundeigentümer im Birsfelder Hafen. Im Papier ist festgehalten, dass das Jowa-Areal nicht mehr hafenaffin genutzt werde, es ist von einer «späterer Entlassung aus dem Hafenperimeter» die Rede. Die Gemeinde Birsfelden spricht von einem «Entwicklungsgebiet mit Wohnbaupotenzial».

Der Uferstreifen wäre eine Top-Lage. Der Reinacher Areal-Entwickler und Architekt Hans-Jörg Fankhauser präsentierte erst im Oktober in der bz seine Pläne für Birsfeldens Nordosten. Das Projekt «B-Port» sieht im Hafen nicht nur Wohnungen und Büros vor, sondern auch neue Kanäle und Becken. Auf dem Jowa-Areal plante Fankhauser eine Konzerthalle.

Das waren die Pläne von Hans-Jörg Fankhauser: 

Was Fankhauser präsentierte, stiess allgemein auf Wohlwollen. Christof Hiltmann liess sich von der bz zitieren, Fankhausers Vorhaben sei zwar ambitiös, «aber sicher keine Mission impossible». Entzückt reagierte auch der Baselbieter Standortförderer Thomas Kübler. Für ihn waren die Ideen «sehr spannend und interessant». Küblers Fazit: «Uns können visionäre Gedanken nur gut tun.»

Hat es die Gemeinde versäumt, bei den Schweizerischen Rheinhäfen zu intervenieren? Nein, sagt Hiltmann. Das kurz- bis mittelfristige Interesse gelte dem Raum westlich des Jowa-Gebäudes, wo sich heute Parkplätze befinden. «Diesen Raum wollen wir bei unserer Rheinraum-Entwicklung mit einbeziehen.»

Trotzdem ist auffällig, dass es wenige Kilometer rheinabwärts schneller voran geht. Auf der Klybeckinsel laufen entscheidende Pachtverträge 2029 aus. Der Hafen zieht sich aus diesem städtebaulich interessanten Ort zurück, Basel-Stadt kann einen neuen Stadtteil skizzieren.
Christoph Meury findet es stossend, dass die Rheinhäfen in Birsfelden ein gemächliches Tempo anschlagen.

Der frühere Leiter des Theaters Roxy beschäftigt sich schon lange mit der Entwicklung des Areals. Ihn stört, dass die Fischzucht-Anlage überhaupt bewilligt worden ist, denn diese sei nicht hafenaffin. «Eine Massentierhaltung, ob Fisch- oder Hühnerzucht, gehört meiner Meinung nach nicht in ein industriell genutztes Hafenareal.» Die Rheinhäfen würden subventionierten Boden der Massentierzucht überlassen – das sei zumindest fragwürdig.

«Ganz normaler Industriebetrieb»

Im kantonalen Gesetz zu den Rheinhäfen ist nicht näher definiert, welche Nutzungen in den Häfen Birsfelden und Muttenz erlaubt sind. Delica schreibt, sie habe «keine speziellen Hürden» überwinden müssen. Bei der Fischzucht handle es sich rein rechtlich um einen «ganz normalen Industriebetrieb».

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