Galaxys Liestal

Fitness-Kunden stehen plötzlich vor verschlossener Türe

Als die bz gestern vorbeischaute, hatte die Vermieterin den Zettel des Galaxys bereits mit einem eigenen überklebt und alle Firmenschilder abmontiert. Kenneth Nars

Als die bz gestern vorbeischaute, hatte die Vermieterin den Zettel des Galaxys bereits mit einem eigenen überklebt und alle Firmenschilder abmontiert. Kenneth Nars

Ob Kunden mit erst gerade verlängerten Fitness-Abos, Angestellte oder die Vermieterin: Die Galaxys AG hat sie alle übertölpelt. Knall auf Fall hat das Fitnesscenter auf dem Liestaler Schild-Areal seine Tore geschlossen.

Peter Meier* staunte nicht schlecht, als er am Wochenende ins Galaxys Fitnesscenter auf dem Liestaler Schild-Areal wollte, in dem er seit 18 Jahren Kunde ist. Die Türen waren verschlossen, nur ein Zettel hing: «Trotz intensiven Verhandlungen ist es der Galaxys AG nicht gelungen, einen weiterführenden Mietvertrag ab 1. Mai 2016 abzuschliessen. Der Entscheid wurde der Galaxys AG am 29. April 2016 mitgeteilt und wurde so nicht erwartet. Deshalb muss die Galaxys AG Ihnen leider mitteilen, dass das Galaxys ab 1. Mai 2016 nicht mehr weitergeführt werden kann.» (siehe Bild unten)

Der Zettel der Galaxys AG, der mittlerweile von der Vermieterin überklebt wurde.

Der Zettel der Galaxys AG, der mittlerweile von der Vermieterin überklebt wurde.

Und Meier war bei Weitem nicht der einzige Kunde, der davon nichts mitbekommen hatte. Er selbst schätzt, dass seither über hundert andere Leute nichts ahnend vorbeikamen – alle mit laufendem Fitness-Abo. Und das ist es letztlich, was Meier wütend macht: «Erst im Oktober 2015 habe ich mein Fitness-Abo für 1440 Franken und meine Frau ihres im Dezember für 1515 Franken um zwei weitere Jahre verlängert.» Als die bz gestern Montagnachmittag selbst einen Augenschein nahm, kamen alle paar Minuten weitere Kunden, die verblüfft vor der verschlossenen Türe Halt machten. Bei allen die erste Reaktion: «Wie bekomme ich mein Geld zurück?»

Kulanz der Schild AG ausgenutzt

Dies dürfte tatsächlich nicht ganz einfach werden, denn wie Recherchen der bz zeigen, steht hinter der Geschäftsaufgabe der Galaxys AG ein jahrelanges Trauerspiel, von dem offenbar weder Kunden noch Angestellte etwas mitbekamen. Das erstaunt, gibt es das Fitnessstudio auf dem Schild-Areal doch bereits seit über 20 Jahren. Gegründet wurde das Unternehmen Galaxys Fitness & Wellness AG mit Sitz in Liestal 1994 von den Gebrüdern Stephan und Reinhard Henz. Auch heute noch sind sie die einzigen Verwaltungsräte, einen Geschäftsführer gibt es laut Handelsregisterauszug nicht. Bereits 2014 meldeten sie den Konkurs einer gleichlautenden Firma mit Sitz in Oberwil an. Die bz versuchte gestern mehrfach, die Brüder zu erreichen – ohne Erfolg. Sie scheinen abgetaucht. Fast schon zynisch wirkt es da, dass die Galaxys-Website Besucher seit wenigen Tagen behelfsmässig auf die Startseite der Schweizerischen Bundesbahnen umleitet.

Doch das wahre Ausmass der Probleme der Gebrüder Henz wird erst bei einem Gespräch mit der Vermieterin des Liestaler Standorts, der Schild AG, klar: «Die Galaxys AG hat bei uns Mietzinsausstände im tiefen sechsstelligen Bereich», sagt Geschäftsführer Marc Löhle zur bz. Und das nicht erst seit gestern. Laut Löhle gab es schon seit Jahren Probleme mit der Zahlungsmoral der Mieterin. «Wir haben viel versucht und Wohlwollen gezeigt, auch weil die Galaxys AG schon so lange bei uns auf dem Areal ansässig ist.» Vehement widerspricht Löhle aber der Formulierung des Zettels am Eingang, wonach die Schild AG den Entscheid erst am 29. April mitgeteilt habe und er von der Galaxys AG «so nicht erwartet wurde». «Wir haben den unbefristeten Mietvertrag bereits per 30. April 2015 fristgerecht gekündigt. Doch aus Gutmütigkeit haben wir noch zweimal einen auf ein halbes Jahr befristeten Vertrag abgeschlossen – sogar zu einer reduzierten Miete.»

Vielen bleibt nur Weg vor Gericht

Leider habe sich an der Zahlungsmoral nichts geändert, weswegen sich die Schild AG entschieden habe, den befristeten Vertrag auslaufen zu lassen, wozu es auch keine Kündigung brauche. «Wir können schriftlich belegen, dass dies der Galaxys AG schon länger bekannt war», sagt Löhle. Hoffnung, dass die Schulden von den Gebrüdern Henz noch ordentlich beglichen werden, habe er keine mehr. «Es gab laufend neue Betreibungen gegen die Firma.»

Neben den Kunden, von denen einige nun wohl Strafanzeige einreichen werden, und der Vermieterin gibt es noch eine Handvoll Angestellte, die nun Knall auf Fall ohne Job dastehen. Meier spricht von zwei Festangestellten und mehreren Stundenlöhnern. Beim Baselbieter Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) bestätigt Martin Buess von der Rechtsberatung: «Erst heute Nachmittag hat eine besorgte Mutter für ihre bei Galaxys angestellte Tochter angerufen.» Per Brief habe die Firma bloss mitgeteilt, dass das Geschäft ab dem 1. Mai nicht mehr fortgeführt werde. «So geht das nicht», sagt Buess klar. Er rät, den Arbeitgeber per Einschreiben unmissverständlich auf die laut OR geltende Kündigungsfrist hinzuweisen. Gibt es dennoch keinen Lohn, bleibe auch hier nur ein Weg: «Dann muss man klagen.»

*Name geändert

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