Frischer Wind

Florence Brenzikofer spaziert an die Grünen-Spitze

Florence Brenzikofer, Präsidentin der Baselbieter Grünen, rückt nach.

Florence Brenzikofer, Präsidentin der Baselbieter Grünen, rückt nach.

Florence Brenzikofer wird heute wohl konkurrenzlos zur Grünen-Präsidentin gewählt. Damit präsidierenvier Frauen Baselbieter Parteien. Die Politik, so hofft man, wird konsensorientierter werden.

In der Baselbieter Politik haben die Frauen zunehmend das Sagen. Marie-Therese Müller wurde am vergangenen Donnerstag zur Baselbieter BDP-Chefin ernannt. Christine Pezzetta ist Interimspräsidentin der FDP Baselland und haushohe Favoritin für das Präsidialamt, das in zwei Wochen an der Delegiertenversammlung vergeben wird. Und Florence Brenzikofer ist die einzige Kandidatin für das Grünen-Präsidium, das heute Abend neu besetzt wird; das Traktandum 6, die Wahl des Präsidenten, wird reine Formalität sein.

Die CVPlerin Sabrina Mohn, lange einziger weiblicher Parteichef, freuts. Sie gibt sich betont diplomatisch, wenn sie sagt: «Ich konnte mich auch bisher nicht über die Zusammenarbeit mit den anderen Parteipräsidenten beklagen.» Und trotzdem ist die 27-Jährige davon überzeugt, dass nun dem «verstaubten Image» der Baselbieter Politik ein frischer Anstrich verpasst wird. «Frauen politisieren unverkrampfter», findet sie und erhofft sich von ihren Kolleginnen Müller, Pezzetta und Brenzikofer einen Nachahmereffekt: «Junge Frauen brauchen Vorbilder, um sich in der Politik zu engagieren.» Darf sich nun Florence Brenzikofer als Teil einer neuen Bewegung sehen? Nicht, wenn es nach ihrem Vorgänger geht. Noch-Präsident bei den Grünen, Philipp Schoch, misst der Geschlechterfrage eine nicht allzu grosse Bedeutung bei. «Frau alleine ist noch kein Programm», sagt er und findet: «Die Persönlichkeit ist wichtiger.» Doch die stimme bei der heutigen Vizepräsidentin Brenzikofer. Sie sei denn auch «ziemlich ähnlich» wie er selbst, glaubt Schoch.

Integrativ statt pointiert

Die politische Gegnerschaft sieht es etwas anders. Schochs Auftreten sei bisweilen pointiert gewesen, ist man sich einig. Bei Brenzikofer hingegen steht der Konsens im Vordergrund. «Konsensorientiert» ist denn auch eines der ersten Attribute, das sich Brenzikofer selbst gibt. «Ich bin eine sehr integrative Person.» Die Oltingerin, die selber nicht im Landrat sitzt, verspricht, den Kontakt zu den wichtigen Politikern des Kantons zu suchen. Sie werde oft in Liestal anzutreffen sein, wenn der Landrat tagt.

Für die neue BDP-Präsidentin Marie-Therese Müller ist Brenzikofers Stärke ein Charakteristikum der Frauen. «Wir politisieren sachbezogener.» In den Machtkämpfen in ihrer eigenen Partei musste sie auch erfahren, dass Männer sich eher persönlich angreifen als Frauen: Vor Müller tobte ein giftiger Kampf um die parteiinterne Vorherrschaft – involviert waren da nur Männer. Klar ist auch für die interimistische FDP-Chefin, dass Frauen anders ticken als die Männer. «Ich merke das immer wieder in den verschiedenen Gremien, in denen ich arbeite. Ich will das nicht werten: Aber Frauen politisieren immer auch auf der sozialen Ebene», sagt Pezzetta. Männer dagegen könnten besser fokussieren.

Trotzdem ist die FDPlerin genau wie Amtskollege Martin Rüegg (SP) der Diskussion über den Frauenanteil in der Politik überdrüssig. Rüegg findet es schade, dass «das heutzutage immer noch ein Thema sein muss», um anzuhängen, dass die Frauen besonders im Baselbieter Parlament immer noch stark untervertreten seien. Pezzetta findet das Thema auch leidig. Als Liberale wehrt sie sich im Gegensatz zu Rüegg gegen die Quotenregelung, wie sie die Sozialdemokraten haben.

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