Obstbäume

Flüchtlinge helfen beim Chirsigünne in der Region

Helfende Hände sind rar: «z’Rächtcho» und «Hochstamm Suisse» fanden eine Lösung, wie die Früchte geerntet werden können.

Früher taten sich Familie, Verwandte und Bekannte zusammen, um gemeinsam die Früchte der Hochstammbäume zu ernten. Heute jedoch bleiben die Kirschen immer häufiger an den Bäumen hängen – Pflückpersonal ist rar und teuer. Die Hochstamm-Obstbäume sind ein landwirtschaftliches Markenzeichen der Region. Einst trugen die dunkelroten Früchte massgeblich zum Einkommen der Landwirtschaftsbetriebe bei. Mittlerweile sind die Bäume aber kaum mehr rentabel zu betreiben. Zu gross ist der Aufwand.

Die Nachfrage nach den Früchten ist da – doch es gibt zuwenige Helfer. Auf der anderen Seite gibt es viele Geflüchtete, die um eine Beschäftigung froh wären. Der Verband «z’Rächtcho Nordwestschweiz» und Hochstamm Suisse machen sich dafür stark, Flüchtlinge zu integrieren. Für den Pilotversuch steht die Landwirtschaft im Vordergrund. Die Idee ist, dass Flüchtlinge den Bauern unter die Arme greifen und sich bei der Kirschenernte beteiligen. Aktuell sind laut dem Verband elf Flüchtlinge auf vier Bauernhöfen im Baselbiet im Einsatz.

Auf den ersten Blick ins Herz geschlossen

Die bz hat die Bauernfamilie Schweizer auf ihrem Hof in Buus besucht. Caroline und Erich Schweizer beschäftigen seit gut zwei Wochen vier Männer aus Afghanistan bei der Kirschenernte. Für Caroline Schweizer sind die helfenden Hände eine Bereicherung: «Wir haben uns gegenseitig ins Herz geschlossen, die Chemie hat sofort gestimmt. Die vier packten gleich mit an.» Mit der Zeit hätten die Helfer Vertrauen gefasst und angefangen, von sich und ihrer Flucht zu erzählen.

Auch die Kinder der Familie Schweizer kommen gut mit den Gästen aus. Tochter Nora freut sich über die Abwechslung auf dem Hof: «Es gefällt mir, eine neue Kultur und Sprache sowie neue Sitten kennen zu lernen. Wir lernen ihnen Schweizerdeutsch und sie bringen uns ein paar Wörter Afghanisch bei.»

Kirschen ernten und gleichzeitig Deutsch lernen

Murat Turan ist einer der vier Afghanen. Er kam vor vier Jahren in die Schweiz. Vor gut zwei Wochen hat Turan bei der Bauernfamilie angefangen, bei der Chirsiernte zu helfen. Für ihn sei es eine schöne Zeit auf dem Betrieb in Buus: «Mir gefällt die Arbeit hier auf dem Hof gut. Die Bauernfamilie ist sehr nett und freundlich. Ich und meine Kollegen fühlen uns bei der Familie wohl.»

Um Deutsch zu lernen, besuchte der Asylsuchende schon den Deutschunterricht. Es falle ihm leichter, in der Bauernfamilie die Sprache zu lernen als in der Schule: «Ich kann mir die Wörter besser merken, wenn ich einen direkten Bezug dazu habe.»

Das Pilotprojekt basiert auf dem Drei-Säulen-Integrationsprogramm. Die Geflüchteten sollen sozial und wirtschaftlich integriert werden. Und in einem weiteren Schritt auf eine Ausbildung vorbereitet werden.

Rolf Rossi, Baselbieter Asylkoordinator, begrüsst das Engagement der Zivilgesellschaft. Denn der Stellenwert der Integration steige.

Autor

Brooke Keller

Meistgesehen

Artboard 1