Und noch immer thront sie auf dem Baum, die hölzerne Plattform; stoisch, ohne dass Kinderfüsse sie je betreten konnten und noch weit entfernt davon, ein fertiges Baumhaus zu sein. Zwar wurde das Urteil des Bundesgerichts, das für das Baumhaus ausserhalb der Therwiler Bauzone die Bewilligungspflicht bestätigte, erst am Mittwoch schriftlich publiziert, gefällt wurde es aber bereits vor drei Wochen.

Gerne hätte die bz die Familie, die in Nachbarschaft der Baumhaus-Parzelle in einem der Häuser entlang des Känelrains wohnt, gefragt, ob sie nach dem einjährigen Gang durch alle Instanzen nun ein ordentliches Baugesuch beim Bauinspektorat Baselland einreicht – oder die 2,5 mal 3 Meter grosse Holzkonstruktion endgültig abbaut. Doch im Quartier wusste niemand, wer genau dahintersteckt, und die Behörden schweigen sich aus.

Familie hat noch immer kein Gesuch eingereicht

Dabei sorgt der Fall für viel Gesprächsstoff. Zwei Haltungen dominieren: Entweder es wird die überbordende Bürokratie kritisiert, die eine Bewilligung für ein Spielgerät vorsieht. Oder das Verhalten der Familie sorgt für Kopfschütteln, die es vorzog, Tausende Franken für Beschwerden beim Regierungsrat, dem Kantonsgericht und schliesslich Bundesgericht aufzuwenden, statt zuerst ein Baugesuchs-Formular an das Bauinspektorat abzuschicken. Stellvertretend der Therwiler Gemeindepräsident Reto Wolf: «Es ist doch hanebüchen, dass sich das Bundesgericht mit so etwas beschäftigen muss», kommentiert er auf Anfrage. Der Baselbieter Bauinspektor Andreas Weis hält seinerseits fest: «Der Bauherr bestand auf dem Marathon durch die Instanzen, nicht wir.»

Was dazukommt: Die Richter in Lausanne haben gar nicht entschieden, ob das Baumhaus nun gebaut werden darf oder nicht. Sie hielten nur fest, dass das Kantonsgericht kein verfassungsmässiges Recht verletzt hat, indem es ein Baugesuch verlangte.

Andreas Weis betont daher: «Erst wenn ein Baugesuch vorliegt, können wir auch materiell prüfen, ob das Vorhaben den Vorschriften des kantonalen Raumplanungs- und Baugesetzes entspricht.» Bloss lässt das bisherige Verhalten der Beschwerdeführer nicht darauf schliessen, dass sie dies nun plötzlich nachreichen. Doch ein Entscheid ist unausweichlich: «Wird die Konstruktion nicht zurückgebaut, müssen wir bald von Amtes wegen prüfen, ob sie gesetzes- und zonenkonform ist – alles auf Kosten der Bauherrschaft», kündigt Weis an.

Formular nur rudimentär auszufüllen genügt

Wie dieser Entscheid ausfallen wird, da könne er nicht vorgreifen. Weis weist aber wie schon das Kantonsgericht darauf hin, dass ausserhalb der Bauzone wesentlich restriktivere Vorschriften für die Errichtung von Bauten und Anlagen gelten. Konkret liegt die Parzelle 1494 in einer Reservezone ohne festgelegte Nutzung. Darauf wären, hielt das Kantonsgericht schon im Februar fest, auch nicht-forstliche Kleinbauten wie etwa Jagd-Hochsitze bewilligungspflichtig. Von einem Baumhaus spricht der Gesetzestext freilich nicht explizit.

«Wir haben auch schon Baumhäuser bewilligt», sagt Weis. Ausserhalb der Bauzone sei ihm aber gar kein Fall bekannt. Ob das Baumhaus innerhalb der Bauzone bewilligungsfrei gewesen wäre, sei keineswegs klar. Entscheidend sind die Dimensionen. «Eine Schaukel oder einen Sandkasten müssen wir natürlich nicht bewilligen.» In der Regel sind Kleinbauten bis zu einer Höhe von 1,2 Metern bewilligungsfrei, bis 2,5 Meter und einer Grundfläche von zwölf Quadratmetern von der Gemeinde und darüber vom Bauinspektorat zu bewilligen.

Angst vor dem Baugesuchs-Formular müsse man keine haben: «Für so etwas muss man nicht jede Zeile ausfüllen. Eine Skizze und die Masse der Konstruktion reichen für den Anfang», sagt Weis. Und fügt an: «Mich erstaunt, dass sich so viele Leute über die Bürokratie aufregen – ausser sie nützt ihren eigenen Interessen.»