Biel-Benken

Forcierter Machtkampf um den Hochwasserschutz am Birsig

Der Birsig in Biel-Benken ist derzeit überwuchert. Der Kanton möchte den Bach mit Mauern versehen.

Der Birsig in Biel-Benken ist derzeit überwuchert. Der Kanton möchte den Bach mit Mauern versehen.

Der Kanton will den Dorfkern von Biel-Benken vor Hochwasser schützen, indem er den Birsig mit Mauern verseht. Anwohner wollen Kanton und Gemeinde nun zwingen, den Hochwasserschutz zu überdenken und dem Projekt Alternativen entgegenzustellen.

Gegen das Projekt, mit dem der Kanton den Benkemer Dorfkern gegen Hochwasser schützen möchte, sind mindestens 80 Bewohner. So viele Mitglieder hat die IG Birsig, die das Projekt bekämpft. Für diese dürfte es nicht schwierig sein, den eigenen Antrag an der Gemeindeversammlung durchzubringen. Denn dort erscheinen in Biel-Benken üblicherweise höchstens einige Dutzend Stimmbürger. Die IG möchte mit dem Vorstoss den Gemeinderat zwingen, den Kanton dazu zu bringen, seinem aktuellen Projekt, das eine Mauer beidseits des Bachs vorsieht, Alternativen entgegenzustellen, etwa ein Rückhaltebecken oberhalb des Dorfs.

Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, als Anwohnerin selber betroffen, sagt: «Das aktuelle Projekt ist so massiv, es wird niemals durchkommen.» Auch im Landrat, der den Grossteil der Kosten genehmigen müsste, sind bereits kritische Stimmen laut geworden.Und mehrere Kritiker sind überzeugt, der Grüne Baudirektor Isaac Reber werde ein so betonlastiges Projekt nie zulassen. Umso weniger verstehen sie, warum der Kanton das Projekt mit Probebohrungen in den vergangenen Wochen vorangetrieben hat. «Schade um die Steuergelder», findet ein Anwohner.

Alle Alternativen aufzeigen und die beste auswählen

Die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) schreibt auf Anfrage, man stelle bei öffentlichen Planungs- und Bauvorhaben immer wieder Widerstand fest. «Wir können deshalb aber nicht einfach die Projektierungsarbeiten einstellen; auch der Sistierungsantrag für die kommende Gemeindeversammlung rechtfertigt ein solches Vorgehen nicht.» Die BUD verweist zudem darauf, dass der Auftrag für das aktuelle Projekt von der Gemeindeversammlung kam. Das war 2016, nachdem diesselbe Gemeindeversammlung 2014 eine Dammlösung verworfen hatte.

Das bestreitet der Präsident der IG Birsig, Christoph Jäggy, zwar nicht. Er möchte die damaligen Entscheide aber unter ein anderes Licht stellen. Damals sei nicht klar gewesen, dass die Erweiterung des Bachabflusses so grosse Mauern mit sich bringen werde, wie sie jetzt das Tiefbauamt vorsieht. «Wir kauften damals die Katze im Sack.»

Deshalb schlägt die IG jetzt der Gemeindeversammlung vor, alle Varianten nebeneinander zu stellen. «Und dann schauen wir, welche die beste ist.» Dabei gelte es, auch weitere Alternativen zu prüfen, etwa eine Bachabsenkung oder den individuellen Schutz gefährdeter Bauten. Gemeindepräsident Peter Burch schüttelt darüber den Kopf: «In einer idealen Welt würde das vielleicht so funktionieren.» Doch die Dammlösung sei damals eine Gelegenheit gewesen, die sei jetzt vorbei. Denn die Franzosen würden keine Flächen mehr für Überschwemmungen her geben, für den Kanton sei ein Damm jetzt wohl zu teuer. Und eine Vertiefung des Bachs hält er aus Naturschutzgründen nicht für genehmigungsfähig. Jäggy und seine IG setzen hingegen einige Hoffnungen in eine Vertiefung.

Ob die Gemeindeversammlung wie geplant am 17. Juni stattfindet, ist wegen Corona unklar. Doch falls der Souverän, wann auch immer, dem Anliegen der IG zustimmt, befürchtet Burch, dass die BUD den Hochwasserschutz in Biel-Benken fallen lässt. «Und dann passiert einfach mal nichts – bis zum nächsten Hochwasser.»

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