Der Tod einer Fussgängerin auf der A2 bei Pratteln bleibt rätselhaft. Mehr als drei Tage nach dem Unfall ist noch immer nicht klar, weshalb die Frau die Autobahn betrat. Es gebe viele Möglichkeiten, sagt Adrian Gaugler, Sprecher der Baselbieter Polizei. Eine Erklärung geht so: Die 65-Jährige Britin erwischte nach dem Besuch der Autobahn-Raststätte Pratteln den falschen Ausgang. Auf dem Parkplatz suchte sie ihren abfahrbereiten Reisecar – vergeblich: der Car war zwar noch da, er stand aber auf der anderen Strassenseite. Als die Frau das Fahrzeug erblickte, kam sie auf die verhängnisvolle Idee, die sechsspurige Autobahn zu überqueren, statt nochmals den Fussgängerübergang zu benutzen. Dieser Entscheid kostete sie das Leben. Sie wurde von einem Personenwagen erfasst. Danach überrollten zwei weitere Autos den Körper.

Die Lenker hatten wohl keine Chance, noch zu bremsen oder auszuweichen. Es war bereits dunkel, als die Fussgängerin kurz nach 18.30 Uhr vor ihren Fahrzeugen auftauchte. Hinzu kam, dass es nieselte am vergangenen Samstagabend. Die Britin starb noch auf der Unfallstelle. Die Autobahn blieb mehrere Stunden komplett gesperrt.

Bericht vom 30. Dezember 2017: Frau verstirbt bei Autobahn-Überquerung

Gestern Abend kam es auf der A2 bei Pratteln zu einem tödlichen Unfall. Bei der Raststätte Autogrill überquerte eine Britin die Autobahn und verstarb.

Schützender Zaun fehlt

Das Opfer wurde auf der Fahrbahn in Richtung Basel erfasst, rund dreissig Meter nordöstlich der Fussgängerbrücke. An dieser Stelle endet ein Holzzaun, der den Parkplatz und die BP-Tankstelle von der Fahrbahn abschirmt. Die 65-Jährige hätte den Zaun nur mit Mühe übersteigen können, er ist etwa eineinhalb Meter hoch. Doch auch zwischen den Fahrspuren erwartete sie ein Hindernis: Im Mittelstreifen sind massive Betonelemente angebracht. Warum wollte die Frau die Strasse trotzdem überqueren? Polizeisprecher Gaugler: «Wir gehen von einer Kurzschlusshandlung aus.»

Die Britin handelte wohl unter Stress. Sie gehörte zu einer Reisegruppe, die von Paris in Richtung Zürich unterwegs war. Die Polizei sprach mit dem Reiseleiter. Er gab zu Protokoll, dass der Chauffeur in Pratteln eine halbstündige Pause einlegte, die um 18.30 Uhr enden sollte. Die Fahrgäste nutzten die Zeit, um einzukaufen, etwas zu sich zu nehmen oder auf die Toilette zu gehen. Als die Frau um 18.30 Uhr auf dem Parkplatz eintraf und ihren Irrtum bemerkte, befürchtete sie wohl, dass der Car ohne sie abfahren würde. Offenbar sah sie nur noch den direkten Weg zum Ziel.

Ein Unfall-Hotspot ist die Raststätte, die auch Windrose genannt wird, gemäss Polizei nicht, zumindest nicht für Fussgänger. Ein ähnlicher Fall sei ihm nicht bekannt, sagt Gaugler. Die Raststätte Pratteln wird von Autogrill betrieben. Beim Unternehmen waren auf Anfrage der bz keine Auskünfte zum Vorfall erhältlich. Stattdessen wurde auf die Polizei verwiesen.

Zu einem Vorfall mit einem Fussgänger auf der A2 kam es bereits im Februar 2013, rund eineinhalb Kilometer von der Windrose entfernt. Damals joggte ein 36-jähriger Türke durch den Schweizerhalle-Tunnel. Die Polizei entdeckte den Autobahn-Jogger später in einem Wald. Insgesamt legte der Mann unbeschadet fast zweieinhalb Kilometer auf der A2 zurück – an diesem Abschnitt ist sie eine der am stärksten befahrenen Autobahnen der Schweiz.