Gemeindewahlen 2020

Frauen legen im Baselbiet zu

Über dem Durchschnitt: Im Gemeinderat von Liestal liegt die Frauenquote bei 40 Prozent.

Über dem Durchschnitt: Im Gemeinderat von Liestal liegt die Frauenquote bei 40 Prozent.

In den Einwohnerräten wie auch in den Gemeinderäten stieg der Frauenanteil um fünf Prozent.

Die Diskussion um den Frauenanteil in Baselbieter Gemeinderäten begann mit einem Leserbrief im Wochenblatt. Margareta Bringold und Sandra Rieder, zwei Stimmberechtigte aus Wahlen, kritisierten die dortige Exekutive. Diese hatte für den einzigen ausscheidenden Gemeinderat einen männlichen Kandidaten ausgesucht. Mit der Begründung, es habe sich keine Frau finden lassen. Rieder und Bringolds Aufruf nach mehr Frauen in lokalen Exekutiven schaffte es bis in die nationalen Medien. Um eine stille Wahl zu verhindern, fanden Bringold und Rieder doch noch eine Kandidatin: Karin Schwab-Troxler. Sie wurde jedoch von den Bisherigen und deren Verbündeten klar übertrumpft (sie erhielt 150 Stimmen weniger als der neu antretende Daniel Kottman).

Der Gemeinderat Wahlen bleibt für die nächsten vier Jahre also ein reines Männergremium. In sechs anderen Gemeinden sind ebenfalls keine Frauen in der Exekutive vertreten: Arboldswil, Buckten, Burg i.L., Häfelfingen, Nusshof und Zeglingen. Allerdings hat sich die lokale Politiklandschaft des Kantons durchaus verweiblicht: Nach den Wahlen 2016 waren es noch elf Gemeinden, die bloss von Männern regiert wurden. Gemäss provisorischen Zahlen des Statistischen Amtes Baselland ist der Frauenanteil in Gemeinderäten von 28 Prozent auf fast 33 Prozent gestiegen. Damit liegt er nicht weit hinter demjenigen des Landrates (38,9 Prozent). Den Rekord geknackt hat Ramlinsburg: Die Gemeinde wird von einem reinen Frauengremium regiert, wobei einer der fünf Sitze nicht besetzt werden konnte.

Insgesamt werden 16 Gemeinden von einer Mehrzahl Frauen vertreten. Indessen stieg der Anteil der Frauen in den fünf Stadtparlamenten von Allschwil, Binningen, Liestal, Pratteln und Reinach von 29,8 auf 33,5 Prozent.

Vielfalt der Bevölkerung abbilden

Jana Wachtl von der kantonalen Fachstelle für Gleichstellung begrüsst einen «beachtlichen Schritt». Eine Zunahme um fünf Prozentpunkte sei mehr als zwischen den Landratswahlen von 2015 und 2019, wo der Frauenanteil um nur zwei Prozentpunkte gestiegen sei. «Da haben sicher die letztjährigen Wahlen und Diskussionen um Gleichberechtigung einen Einfluss gehabt.» Weiter bedauert Wachtl, dass es nach wie vor Gemeinden mit reinen Männerexekutiven gibt. Unter anderem sei es schade, dass sich das Engagement der Wahlener Frauen nicht ausbezahlt habe. «Ein Gemeinderat soll kein möglichst homogenes Team sein, sondern soll er die Vielfalt der Bevölkerung abbilden und verschiedene Perspektiven und Interessen einfliessen lassen.»

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