Rünenberger Waldtage

Freiwillige vor: Beim Baum pflanzen schreien alle Schüler: «Ich!»

Die Waldtage 2019 in Rünenberg. Hier pflanzen Schüler gerade einen Baum.

Die Waldtage 2019 in Rünenberg. Hier pflanzen Schüler gerade einen Baum.

Die Waldtage 2019 in Rünenberg sind nicht nur für Kinder – die haben aber am meisten Spass.

«Das isch de bescht Schuelusflug ever!», sagt einer der Schüler der Klasse 6 a der Primarschule Lausen zu seiner Kameradin, die vor ihm über den schmalen, unebenen Waldpfad stolpert und begeistert bestätigt. Dabei sind die beiden noch keine zehn Minuten auf dem Parcours der achten Waldtage in Rünenberg, wo die Bevölkerung, vornehmlich aber Schulklassen am Donnerstag und Freitag, an 32 Posten den Wald als Lebens- und Wirtschaftsraum intensiv kennenlernen können. Vereine, Firmen, Bürgergemeinden und Forstverwaltung gehen intensiv an den vier Tagen bis morgen Sonntag auf einzelne Themen ein und legen neben dem Wissen viel Wert auf das eigene Erlebnis der Besucher.

«Man merkt deutlich, dass es Landkinder sind»

Als es später darum geht, einen jungen Baum zu pflanzen, strecken alle 15 Lausner Schüler die Hand in die Höhe und schreien: «Ich!» Edina macht den Anfang und muss schnell feststellen, wie anstrengend es ist, die Hacke in die Höhe zu heben und sie mit Schwung immer auf dieselbe Stelle des ausgetrockneten Waldbodens niedersausen zu lassen. Doch davon lassen sich die anderen in ihrem Eifer nicht abschrecken, sodass Serge Götschmann, Waldarbeiter der Bürgergemeinde Liestal, der diesen Posten betreut, nach zwei weiteren Schülern selbst Hand anlegen muss, damit andere Klassen auch noch Bäume pflanzen können. Klassenlehrer Thomas Bühler war schon öfter mit einer Klasse an den Waldtagen: Seine Schule plane jedes Jahr mit allen 4. bis 6. Klassen einen gemeinsamen Ausflug; die Klasse 6 a verewigt sich auf dem Schutzzaun des gepflanzten Bäumchens mit dem Schriftzug «6 a forever».

«Man merkt deutlich, dass es Landkinder sind», sagt Götschmann über seine eifrigen Zuhörer aus Lausen. In allen Baselbieter 5. und 6. Klassen an diesem Vormittag habe immer jemand gewusst, was eine Weisstanne sei: Das ist für den Fachmann, selbst Vater einer zehnjährigen Tochter, eine freudige Überraschung. «Stadtkinder», also Schüler aus Basel, hätten deutlich weniger Interesse am Wald gezeigt: «Man merkt extrem, wessen Eltern naturverbunden sind.»

Staunen beim Ameisenhügel

Das ist selbst für das kleine Olsberg keine Selbstverständlichkeit mehr: «Auch bei uns gibt es immer weniger Kinder, die den Wald kennen», sagt Chantal Etter, die sich mit ihren sieben Kindergartenkindern gerade die Ameisenhügel beim gemeinsamen Posten der Nutzervereinigung Wald beider Basel und des Baselbieter Natur- und Vogelschutzes ansieht: Dabei sei das Thema so wichtig. «Obwohl die Kinder noch nicht lesen können, gibt es ganz viel zu entdecken», sagt Etter. Peter Hostettler als einer der Postenbetreuer bestätigt, dass Kindergartenkinder weniger Berührungsängste mit den Insekten hätten als Schüler. Das wiederum trifft nicht auf die 5. Klasse der Primarschule Wahlen zu: Eine Blitzumfrage ergibt, dass die Mehrheit Ameisen für «cool» hält. Nur drei Schüler empfinden sie als «eklig» und werden deshalb sofort von ihren Klassenkameraden zur Rede gestellt.

Neben den mehr als 2000 Schülern aus über 100 Klassen sind auch immer wieder Gruppen von Erwachsenen auf dem Parcours durch den Rünenberger Wald unterwegs: Eine besonders lustige Truppe sind die 15 Arbeitskollegen vom Solothurner Kreisbauamt III in Dornach, welche die Waldtage zu ihrem Betriebsausflug machen. Biodiversität sei Teil ihrer Arbeit, meint einer. Ein anderer ergänzt, dass jene vor allem im strassennahen Waldbereich zu finden sei. Ein Grosselternpaar aus Arisdorf geht den Besuch der Waldtage mit ihrer dreijährigen Enkelin eher gemütlich an. Das Paar hat keine der vergangenen Waldtage verpasst; der Grossvater freut sich besonders über die vielen Schüler im Wald.

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