«Schweiz zuerst»

Fremdenfeindliche Parolen an Liestaler Outdoor-Kunstwerk

Unbekannte behängen ein Kunstwerk in Liestal mit einem patriotischen Spruchband. Im Kontext zum Standort scheint die Botschaft klar.

Kunst zum Anschauen, zum Anfassen – und offenbar auch zum Zweckentfremden. Ein Jahr lang stehen 18 Kunstwerke entlang des Schönthal-Tunnels zwischen Liestal, Frenkendorf und Füllinsdorf. Eines der gezeigten Objekte ist der «Baselbieter Triumphbogen», ein Tor, gebaut aus drei Metallcontainern. Der Bogen soll den Siegeszug der Globalisierung darstellen.

Unbekannte benutzten die Behälter jedoch als Projektionsfläche für ihre Propaganda. Um den 1. August herum wurde am oberen Behälter der Schriftzug «Schweiz zuerst» aufgehängt.

Es war bereits das dritte Mal, dass das Metalltor für politische Botschaften zweckentfremdet wurde. Dabei war die Vernissage zur Freilichtausstellung «Visionen 19», zu welcher der Triumphbogen gehört, doch erst am 11. Mai.

Schweizerkreuze und zwei gespiegelte Runen

Die Organisatoren entfernten das Schriftband nach kurzer Zeit. Doch beim Künstler Daniel Gaemperle sitzt der Frust tief. «Die Gründe, warum immer wieder mein Werk für solche rechtspopulistischen Sprüche ausgewählt wird, kenne ich nicht», schreibt der Kunstmaler, der in Kleinlützel wohnt, auf Anfrage der bz. Er empfinde die Instrumentalisierung seiner Arbeit als «sehr störend, übergriffig und etwas infantil».

Den Schriftzug publik gemacht hat ein Mitglied der Facebook-Gruppe «Liestal vernetzt». Auf einem weiteren Foto ist eine Mauer zu sehen, auf der zwei Schweizerkreuze und zwei gespiegelte Runen angebracht worden sind. Bei den Runen handelt sich wohl um das Zeichen Raidho. Es steht für Feuer, Luft und Thor, Gott des Donners. Die Schweizerkreuze und Runen dürften schon etwas älter sein. Man kann sie auf Fotos der «Visionen 19»-Vernissage erkennen.

105 Flaggen symbolisieren friedliches Miteinander

Die Baselbieter Polizei teilt auf Anfrage mit, es sei keine Anzeige wegen Sachbeschädigung oder anderen Vorfällen im Zusammenhang mit dem Kunstwerk eingegangen.

Die unbekannte Täterschaft störte sich wohl weniger am «Triumphbogen» und seiner Botschaft. Doch nicht weit vom Bogen steht ein Werk, das kleingeistige Gemüter durchaus provozieren könnte. Es heisst «Flagge zeigen» und geht auf die gemischte Bewohnerschaft des Fraumatt-Quartiers ein. Im Norden Liestals liegt der Ausländeranteil bei 52 Prozent.

An einem der drei Fraumatt-Hochhäuser wurden 105 Flaggen von Ländern und internationalen Organisationen angebracht. Künstler Christoph Flückiger will so sichtbar machen, dass im Fraumatt multikulturelles Zusammenleben Realität ist. Diese Intention entspricht ganz dem Geist von «Visionen 19»: Die Ausstellung will Denkanstösse zur Bewältigung von künftigen Aufgaben liefern, eine davon: Migration. Nebst den Flaggen sind auch Schriftzüge zu sehen: «all together», «alle zusammen» und «mir», russisch für Frieden.

Christoph Flückiger kann zu seiner Installation keine Auskunft mehr erteilen. Der Birsfelder starb 2018. Die Flaggen an den Balkonen angebracht hat Kitty Schaertlin, Mitinhaberin des Unternehmens, das für «Visionen 19» verantwortlich zeichnet. Sie sagt: «Für uns als Organisatoren ist es mühsam und stossend, dass die Kunstwerke für politische Propaganda herhalten müssen.»

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