Am 15. Mai verstarb Fritz Graf in seinem neunzigsten Lebensjahr. Fritz Graf war von 1983 bis 1997 Mitglied des Landrates. Wir waren zunächst Parlamentskollegen und später während meiner Zeit als Vorsteher der Erziehungs- und Kulturdirektion präsidierte er die landrätliche Bildungs- und Kulturkommission. Er war Mitglied der SVP. Die Zusammenarbeit mit ihm gehört zu den schönen Erinnerungen an diese Zeit. Es sind Erinnerungen an einen redlichen, fröhlichen und geradlinigen zeitweiligen Weggefährten. Dass uns parteipolitisch ein Buchstabe unterschied, spielte für uns keine Rolle.

Fritz, der zeitlebens in Sissach unter der Fluh wohnte, war ein weltoffener Mensch. Die Kommissionsarbeit leitete er umsichtig. Wenn politische Ränkespiele drohten, sprach er ein klares Wort. Umwege waren nicht sein Ding. Der Bildung galt sein reges Interesse. Zahlreiche Themen standen zur Beratung an. Die Weiterentwicklung der Römerstadt Augusta Raurica, Grundsatzentscheide im Vorfeld der Revision des Bildungsgesetzes, die Weiterentwicklung der Ingenieurschule beider Basel zur Fachhochschule. Ein Meilenstein war der Universitätsvertrag von 1995. Mit Herzblut und Überzeugungskraft setzte sich Fritz Graf für dieses partnerschaftliche Geschäft ein. Gemeinsam zogen wir durchs Baselbiet, um für die Zustimmung bei der Volksabstimmung zu werben. Sein Einsatz revidierte das städtische Bild eines Bauern aus dem Oberbaselbiet beachtlich.

«Seid nicht traurig. Erzählt lieber von mir», so lauten die Anfangsworte auf der Todesanzeige. Dieser Aufforderung folge ich mit drei kurzen Erinnerungen. Fritz äusserte den Wunsch, einmal eine Vorlesung an der Universität besuchen zu können. Als Kurzeit-Kommilitonen besuchten wir eine Vorlesung bei Jan Milic Lochmann über eines der zehn Gebote. An den Jahresfeiern der Universität in der Martinskirche nahm Fritz Graf regelmässig teil.

Nach einer Kommissionssitzung in Laufen schlug Fritz eine kleine Versöhnungsaktion vor. Wir besuchten eine bekannte Konditorei, deren Besitzerin eine überzeugte «Pro-Bernerin» war. Das Friedensangebot stiess auf keine Begeisterung. Wir bezahlten Kaffee und Erdbeertörtchen selber.

Deutlich mehr Freude riefen in der Weihnachtszeit seine Besuche bei mir in Liestal hervor. Angereist auf seiner Vespa überbrachte Fritz eine Flasche Kirsch, sorgfältig eingepackt in Zeitungspapier.

Es bleibt die dankbare Erinnerung an einen bodenständigen und aufgeschlossenen Menschen. Der Familie gilt die herzliche Anteilnahme.

   

Peter Schmid, Alt Regierungsrat, Muttenz