Schloss Wildenstein

Frostopfer: Muss um den alten Eichenhain gebangt werden?

Die Frostnächte Ende April haben ein prominentes Opfer gefordert: Der Eichenhain beim Schloss Wildenstein hat seine Blätter verloren. Treiben keine neuen mehr aus, würden die jahrhundertealten Bäume zugrunde gehen. Die Hoffnung liegt im Juni.

Mächtig thronen sie über Bubendorf, die Eichen beim Schloss Wildenstein. Einige sind über 500 Jahre alt, die Stämme meterdick, die knorrigen Äste bahnen sich scheinbar willkürlich einen Weg, greifen wie verdrehte Arme ins Leere. Jede Eiche steht für sich allein, unverwechselbar in ihrer Art, und doch entfalten sie erst zusammen als Eichenhain ihre volle Wirkung. Würde nicht die Sonne scheinen, die unheimliche Szenerie passte in jede Schauergeschichte.

Schaurig schön war der Eichenhain Wildenstein schon immer. Doch alles wirkt trister als sonst zu dieser Jahreszeit. Denn statt einer grünen Pracht hängen bloss braune Blätter von den Ästen. Vertrocknet. Erfroren. Der frühe Austrieb im warmen März hatte gegen die Frostnächte des Aprils keine Chance. «Es ist tragisch.

Wenn ich nach draussen gehe, ist alles braun, die Blätter verfallen wie Mehl in meinen Händen», erzählt Elisabeth Sprunger der bz. Für die Landwirtin, die zusammen mit Mann David ihrem Sohn Dominic und dessen Frau Rahel Sprunger auf dem Hof Wildenstein hilft, ist der Anblick trostlos. «Dass im Frühling alle Blätter der Eichen erfroren sind, haben wir noch nie erlebt. Und mein Mann ist immerhin hier geboren.»

Schwache Eichen gefährdet

Und nicht nur der berühmte Hain Witwald ist betroffen, auch die übrigen Eichen rund um den Hof und das Schloss hätten braune, also tote Blätter. Zudem seien einige Buchen betroffen, wohingegen die Linden weiter grün erstrahlen. Die Sprungers befürchten nun das Schlimmste: «Die Eichen bekamen schon die letzten trockenen Jahre über zu wenig Wasser. Wenn sie nun auch noch ohne Blätter schutzlos der Sommersonne ausgesetzt wären, könnte das zu viel für sie sein», so Elisabeth Sprunger.

Endet die jahrhundertelange Geschichte des Eichenhains Wildenstein also 2017? Für Sprunger wäre das eine Katastrophe: «Die Eichen sind ein Teil von uns, ein Stück Herzblut.» Ganz so dramatisch enden wird es wohl nicht, denn auch die Landwirtin weiss natürlich: Wenn Bäume 500 Jahre lang allem trotzen, mit dem die Natur – oder der Mensch – sie herausfordern, dann überstehen sie wohl auch die jüngsten Frühlings-Frostnächte, obwohl diese die härtesten der letzten Jahrzehnte waren.

Dem stimmt Beat Feigenwinter zu: «Der Frost hat den Eichen sicherlich zugesetzt, doch ich bin zuversichtlich, dass die meisten es überstehen», sagt der für das Gebiet zuständige Kreisforstingenieur des Amts für Wald beider Basel. Gleichwohl schmerze es ihn, solche Baumschäden zu sehen. Denn für einige Exemplare könnten sie tatsächlich zu viel gewesen sein. Dann nämlich, wenn die Eichen sowieso schon geschwächt seien. «Wir haben dort oben einige alte Eichen in schlechtem Zustand», sagt Feigenwinter, «für ein paar könnte es nun der letzte Gong sein.»

Für die älteren Schäden seien aber andere, langfristigere Probleme verantwortlich. Er nennt die Stickstoffablagerung in den Böden um Wildenstein, die die jahrzehntelang betriebene konventionelle Landwirtschaft mit der Austragung von Gülle verursacht habe. Erst mit der Umstellung des Hofs Wildenstein in einen Bio-Betrieb 1992 sei es besser geworden, doch die Rückstände blieben.

Hoffen auf die Johannistriebe

Dass die Sommersonne zum Problem wird, glaubt Feigenwinter hingegen nicht. «Natürlich bedeutet starke Sonneneinstrahlung für die Bäume Stress, aber gerade Eichen haben dank ihrer dicken Borke den perfekten Sonnenschutz.» Zudem könne gerade die Eiche besser mit Trockenheit umgehen als andere Baumarten.

Entscheidend ist nun, ob die Eichen nach dem Abwurf der erfrorenen Blätter nochmals frisch austreiben. Hier wird Feigenwinter deutlich: «Tun sie das nicht, sind sie tot.» Dies, da der gesamte Vegetationszyklus eines Baumes ohne seine Blätter nicht funktionieren könne. Aber auch hier hat die Eiche einen Vorteil: «Sie treibt meistens im Juni nochmals Blätter aus. Diese ‹Johannistriebe› könnten ihr jetzt das Leben retten.»

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