Kirschen, Äpfel, Zwetschgen: In Binningen gibt es Obst nicht nur beim Detailhändler, sondern direkt vom Baum – und zwar für alle. Dies dank der Gemeinde, die den Obstgarten «Zwanzig Jucharten» mit 40 Hochstammbäumen angelegt hat. Die Früchte dürfen von der Bevölkerung gratis gepflückt werden.

«Die Bäume wurden mit der Bevölkerung gepflanzt», erklärt Daniel Egli, Ressortleiter Umwelt auf Anfrage. Die Aktion gehe auf Anträge im Einwohnerrat zur Förderung von Hochstammbäumen zurück. Die 34 verschiedenen Apfel-, Birnen-, Kirschen-, Quitten- und Zwetschgensorten wurden von Obstbaum-Experten des Vereins «Edelchrüsler» ausgewählt.

Rund 800 Meter Luftlinie entfernt bietet die Gemeinde sieben weitere Obstbäume an, bei denen die Bevölkerung zugreifen darf. «Diese wurden aber in einem unabhängigen Projekt gepflanzt», sagt Egli. Die Lehrlinge der Gemeindegärtnerei können auf der kleinen Wiese lernen, Bäume zu pflanzen, und den Baumschnitt üben.

Die Gemeinde weist online darauf hin, dass dieses Jahr wegen der Trockenheit mit einem kleineren Ertrag zu rechnen sei. «Letztes Jahr gab es viele Früchte. Ich habe von Leuten gehört, die ganze Harassen gefüllt haben», erzählt Egli.

Obst-Sharing dank Online-Plattformen

Das Projekt ist im Baselbiet einzigartig: «Im Rahmen des Jurapark-Projekts ist im Fricktal an einigen Bäumen angeschrieben, dass man deren Früchte pflücken darf», sagt Franco Weibel, Leiter Spezialkulturen beim Ebenrain Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung. «Im Baselbiet sind mir aber keine weiteren Projekte zum Selberpflücken an Hochstammbäumen bekannt.»

Die Bäume sind auch virtuell zu finden: Auf www.meinobstgarten.ch können Besitzer von Obstbäumen ihr Angebot online stellen, wenn sie keine Verwendung für ihre Früchte finden. Suchende können so Bäume in ihrer Nähe finden und dort Obst abholen. Die Binninger Bäume sind dort verlinkt.

Eine ähnliche Plattform bietet die deutsche Website www.mundraub.org, wo User die Koordinaten von herrenlosen Bäumen und Sträuchern angeben und andere so sehen, wo sie in ihrer Region Beeren oder Früchte pflücken können. Die Seite wird weit über die Landesgrenzen genutzt: Neben Bäumen und Sträuchern im Baselbiet lassen sich auch ein Maulbeerstrauch im Westen Tadschikistans und ein Walnussbaum in Nigeria finden.