Ernte

Frühe Früchtchen – die Kirschen sind schon reif

Die Sonne heizt den Baselbieter Früchten mächtig ein. In den Läden gibt es bereits regionale Kirschen – und auch anderes Obst kommt bis zu drei Wochen zu früh.

So früh wie noch nie kann man beispielsweise im Liestaler Milchhüsli Kirschen kaufen. «Sie sind drei Wochen früher reif als normal», sagt der Liestaler Landwirt, der das Milchhüsli mit den Früchten beliefert. Das habe es «glaubs» noch nie gegeben. Doch die Nachfrage ist offenbar da: Im Nu sind die zwanzig Kilos ausverkauft.

Im Unterschied zu den Kunden, die sich über die frühen Früchtchen freuen, ist der Obstbauer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, mit der Situation weniger glücklich. Das ungewöhnliche Niederschlagsdefizit macht ihm Sorgen: «Die Kirschen vertrocknen», erzählt er. «Wir können ihnen praktisch zuschauen, wie sie vom Baum fallen.»

Nur 30 Prozent der normalen Ernte

Er schätzt den diesjährigen Ertrag auf 30 Prozent einer normalen Ernte. Die Trockenheit sei noch viel schlimmer als im Jahr 2003 oder jene im 1993. Die Bewässerung würde sehr viel Geld verschlingen, meint er. Darum verzichtet er lieber darauf. Doch auch Regen wäre für seine Kirschen im Moment nicht gut: Die frühen Sorten sind sehr heikel, und Regentropfen würden die Früchte platzen lassen. Er steckt darum in einer klassischen Lose-Lose-Situation.

Weniger prekär beurteilt Hansruedi Wirz, der Präsident des Baselbieter Obstverbandes, die Lage. «Dramatisch ist sie nicht – nur ein bisschen beunruhigend.» Er verweist darauf, dass die Wärme den Bäumen auch gut tue und etwa Pilzerkrankungen eher verhindere. Der frühe Blüh- und Reifetermin bedeute jedoch, dass die Saison früher zu Ende sei: «Alles ist etwa um mindestens zwei Wochen nach vorn verschoben.» Ein Rekord sei dies aber nicht – im Frühling 2007, der ebenfalls sehr warm gewesen war, sind die Früchte sogar noch eine Woche früher gereift als heuer.

Draussen wächst das Futter nicht mehr

Doch der frühe Reifetermin stellt die Bauern auch vor Probleme. «Bei den Erdbeeren ist das schlecht», hält Thomas Wiesner vom Beeriland Bottmingen fest. Denn die Erntezeit falle so genau mit der billigen Importware zusammen und das würde auf die Preise drücken (siehe Text unten). Bezüglich Trockenheit bläst er ins gleiche Horn wie Wirz: Weil man die Pflanzen bewässern muss, steigt zwar der Aufwand – aber dafür gebe es weniger Pilzerkrankungen. Die Spargeln hätten vom diesjährigen Klima sogar profitiert: «Für sie ist es ein super Jahr.»

Prekär präsentiert sich die Lage aber bei den Futterpflanzen wie Gras und Mais. Wegen der Trockenheit haben die Pflanzen das Wachstum fast eingestellt; und Bewässern lassen sich solche Felder kaum. Die Folge: Die Futtermenge für die Nutztiere fällt massiv kleiner aus. «Es ist ein unangenehmes Gefühl, einen Stall voller Tiere zu haben, und draussen wächst das Futter nicht mehr», weiss Wirz. Einig sind sich darum alle Landwirte in einem Punkt, den sie fast mantramässig wiederholen: «Über kurz oder lang muss es einfach mal wieder richtig regnen», so der Tenor. Denn nach den Erdbeeren und Kirschen warten an den Bäumen bereits die Zwetschgen, Birnen und Äpfel. Um schön saftig zu werden, hätten sie auch gern noch etwas Wasser.

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