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Frühestens 2040: Wisenbergtunnel ist in der Endlos-Schlaufe

Wisenbergtunnel

Wisenbergtunnel

Nicht prioritär: Der dritte Juradurchstich wird allerfrühestens 2040 bereit sein. Der Ärger beim Geschäftsführer des Komitees Pro Wisenberg ist gross.

Langsam macht sich bei Dieter Schenk Ernüchterung breit. Er ist zur Erkenntnis gelangt: «Wenn der Wisenbergtunnel nicht zumindest als Projekt in die Finanzierungsvorlage zur Bahninfrastruktur aufgenommen wird, dann werde ich das alles nicht mehr miterleben.»

Die Zeichen stehen schlecht, dass der Geschäftsführer des Komitees Pro Wisenberg Lügen gestraft wird.

Denn: Die kürzlich veröffentlichte Vorlage hat den dritten Juradurchstich noch nicht auf dem Programm, ja kaum auf dem Radar. Das Bundesamt für Verkehr hat zwei Dringlichkeitsstufen festgelegt.

Die erste Dringlichkeit umfasst Projekte bis 2040/2050. Der Wisenbergtunnel gehört zur zweiten Dringlichkeit. Damit dürfte sicher sein: Der Juradurchstich wird allerfrühestens 2040 in Betrieb genommen.

Die Baselbieter Bau- und Umweltdirektorin Sabine Pegoraro kann ihre Enttäuschung nicht verbergen. «Wir halten den Wisenbergtunnel nach wie vor für absolut notwendig – und zwar vor 2040», sagt sie der bz.

Zwar sei das heutige Bahnangebot nicht gefährdet. Trotzdem zeigt sie sich «sehr besorgt, dass der Bund das Wachstum des Güterverkehrs unterschätzt.»

Zwischen Angriffslust und Missmut

Die Sprecherin des Bundesamt für Verkehr, Florence Pictet, hält dagegen. Die Prioritäten seien mit einer Kosten-Nutzen-Analyse erstellt worden.

«Der Wisenbergtunnel bringt viel, kostet aber mit 5,6 Milliarden Franken auch extrem viel und ist zurzeit nicht nötig», sagt sie. Stattdessen stünde für die nächsten Jahre die Erhöhung der Kapazität und die Beseitigung der Engpässe im Vordergrund.

«Der Ostkopf des Bahnhofs Basel etwa soll erweitert und ein Wendegleis im Gebiet Liestal/Gelterkinden gebaut werden. Damit können künftig drei statt zwei Regionalverkehrszüge pro Stunde fahren», verweist sie auf andere Projekte in der Region.

Bei den lokalen Politikern mischt sich derweil Missmut mit Angriffslust. Sabine Pegoraro betont, dass sie mit den Partnerkantonen der Nordwestschweiz für die Aufnahme des Wisenbergs in die erste Dringlichkeitsstufe kämpfen will.

«Resigniert» zeigt sich dahingegen Dieter Schenk. Die kürzlich abgehaltene Metropolitankonferenz habe ein falsches Signal gesendet.

Hier legten Vertretern unter anderem der Kantone Basel-Stadt, Baselland, Aargau, Solothurn und Jura, erklärte diese Woche fest, dass der Bahnanschluss an den EuroAirport und die Basler Osttangente die wichtigsten Forderungen sind.

«In der restlichen Schweiz sagt man sich nun wahrscheinlich: ‹Wenn man das schon in der Nordwestschweiz nicht auf der Prioritätenliste hat, dann wird das ihnen kaum besonders wichtig sein›.»

«Kein Verständnis» hat die Baselbieter Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer für das Argument der überbordend hohen Kosten – diese Probleme könnte man mittels Vorfinanzierung lösen. Aber eines sei gewiss: «Das Lobbying muss konsistenter werden.»

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