Füllinsdorf

Füllinsdorf will Tempo 30 im Quartier einführen

Ja zu Tempo 30

Ja zu Tempo 30

Nach einer emotionalen Debatte spricht die Gemeindeversammlung einen Kredit zur Umsetzung von Tempo 30 auf Quartierstrassen. Befürworter und Gegner halten sich mehr als 60 Minuten ihre Argumente entgegen.

In der bis auf den letzten Platz gefüllten Turnhalle des Dorfschulhauses beschloss die Füllinsdörfer Einwohnergemeindeversammlung Tempo 30 auf ihren Quartierstrassen. Die Rededuelle wurden mit Vehemenz geführt. Zu teuer bis unsinnig sei der beantragte Kredit von 110000 Franken für die Umsetzung, bemängelte das Lager der Gegner. Alt Gemeindepräsident Walter Kern (FDP): «Die Finanzlage lässt diese Alibiübung nicht zu. Es entstehen zudem Folgekosten für Überwachung und Unterhalt.» Gemeinderat und Parteikollege Beat Keller hielt dem entgegen: «Wir machen das Minimum. Zu Beginn stand noch ein Betrag von 400000 Franken im Raum.»

Von den 215 Stimmberechtigten sprachen sich schliesslich 126 für langsameren Verkehr aus, 34 für den Status quo. Sie folgten damit auch dem Vorschlag der Gemeindekommission. Doch nicht allen wollten die Pro-Argumente einleuchten. Fritz Wenger sagte, er befahre die Arisdörferstrasse viermal täglich. Ein steiler Schulweg. Er habe selbst getestet, was geschehe, wenn er nur mit 30 km/h die Strasse hinunter fahre: «Die Schüler haben mich mit dem Velo überholt, das macht das Ganze noch gefährlicher.»

Finanzieller Aufwand ist «lächerlich»

In der Arisdörferstrasse will die Gemeinde ein aufgemaltes Trottoir erstellen, das Fussgängern zu mehr Sicherheit verhelfen soll. Wenn der Linienbus ein Fahrzeug kreuzen müsse, werde er bestimmt auf das Trottoir ausweichen, warnte Kern, man wiege sich in «Pseudosicherheit». Die «Pseudosicherheit» war «starker Tobak» für Dominique Beurret, Präsident der Arbeitsgruppe «Pro Tempo 30» und der Füllinsdörfer FDP: «Fährt ein Auto mit 50 km/h einen Menschen an, entspricht das einem Sturz aus dem 4. Stock, mit 30 km/h noch einem aus dem 1. Stock.»

Trotzdem, Jürg Schellenberg, Mitglied der Gemeindekommission, wollte keinen Sinn im 110000 Franken teuren Kreditantrag des Gemeinderats sehen: «Es wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.» Ein Ja unterstelle, der mündige Bürger könne «nicht mit einem Auto umgehen». Steven Schenk, Mitglied der Arbeitsgruppe, konterte: «Wo bitte ist denn das Problem, wenn Sie sowieso nicht schneller als 30 km/h fahren?» Walter Kern griff zurück auf gesammelte Daten. «Die heutige Situation kann bereits als ruhig und sicher bezeichnet werden.»

Er listete die Unfallstatistik mehrerer Strassen auf und folgerte: «Keiner dieser wenigen Unfälle hätte durch Tempo 30 vermieden werden können.» Schliesslich durften die Befürworter dennoch anstossen. Sie teilten offenbar die Meinung von Dominique Beurret zum finanziellen Aufwand: «Fast lächerlich zu dem, was wir dadurch zurückbekommen.»

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