Allschwil

Fünfte Jahreszeit: Der Fluglärm hat auch die Fasnacht erfasst

Die Schwellheimer widmeten sich vielen lokalen Themen – von der AVP bis zum ausgebüxten Schaf.

Wie e Donnerwätter chunts über Schwellheim,
z mitts in dr Nacht, so gar nit gheim.
Es isch das, wo im Dorf keine wett,
dr nägschti fiesi Düse-Jet.

So reimten die 68er-Chepf in Fliegerhosen und -hauben. Das Dauerthema an der Allschwiler Fasnacht, der Fluglärm über dem Dorf, war heuer ganz offiziell zum Plakettensujet «Allschwil macht mobil» erhoben worden. Die Plakette zeigt Fasnachtsfiguren, die mit einem überdimensionierten Schmetterlingsnetz ein Flugzeug einfangen. Laut Adrian Butz, Obmann der Wildviertel-Clique, welche die Fasnacht in Allschwil organisiert, passte der Dauerbrenner noch nie so gut wie in diesem Jahr, wo doch Ende November rund 7000 Unterschriften von Allschwilern und Binningern gegen den Fluglärm dem Regierungsrat übergeben worden sind.

Und welche andere Fasnacht kann schon von sich behaupten, dass ihr das Sujet buchstäblich vom Himmel fällt? Denn auch heuer dröhnten die Flugzeugmotoren während des über zweieinhalb Stunden dauernden Umzugs wieder regelmässig über die Köpfe der 1600 Aktiven und 20'000 bis 30'000 Zuschauern.

Unter all diesen Umständen waren es allerdings doch erstaunlich wenige der 89 Gruppen, die vom Dorfplatz über die Binningerstrasse, Gartenstrasse und Baslerstrasse zogen, die sich des Fluglärms annahmen – vielleicht gerade, weil er jährlich Thema ist. Die Quellemer wollten den Fluglärm einfach anderswo:

Denn starte d Flieger, wie s eigentlich miesst sii,
übers Elsass, gnueg wit ewägg, an Allschwil verbii.

Die 68er-Chepf hingegen sahen das Thema durchaus selbstkritisch:

Über d Flieger schimpfe und motze,
und denn mit Selfies uf de Baleare protze.
Ferie dehei, die liege dr färn,
denn nimmen in Kauf, dä dräckig Lärm.

89 Gruppen – laut Butz hat der Allschwiler Umzug langsam die Kapazitätsgrenze erreicht: «Aber es gibt immer ein Leiterwägeli oder eine Familie, die noch mitläuft.» Und das solle auch so sein, auch wenn sich der Umzug nach rund einer Stunde staute. «Das sehen wir ganz entspannt.»

Viele Guggenmusiken waren aus der Nachbarschaft gekommen, aus Basel, Birsfelden und sogar Kaiseraugst, weitere Wagen und Buebezigli aus Binningen, Reinach und ebenfalls Basel. Ganz lokal ging es aber bei den Allschwiler Cliquen zu und her: Verkehr ist in Schwellheim nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden immer Thema. Das Jugendland zeigte sich mit Blick auf die vielen Baustellen überzeugt:

Wältmeischter-Niveau hänn vyli Schwellemer Kinder
in der Kategorie Schuelwäg-Hürdesprinter!

Die Dorflüüs sagten klar, was sie von der neuen Allschwiler Volkspartei (AVP) halten, die sich nach einem Streit von der örtlichen SVP abgespaltet hatte:

Wär Allschwil als böimigi Gmäind will schütze,
cha die Art vo Politigg nit unterstütze.
Wär trotzdäm d AVP wäält in däm Land,
Het sicher käi politische Verstand.

Die Partei schäme sich nicht ihrer antisemitischen Verschwörungstheorien und stimme aus reiner Rache gegen den Einwohnerratspräsidenten der SVP. Die Im-Brüel-Waggis kamen beim selben Thema zum Schluss:

D AVP isch halt e Fluech,
so unnötig wie Schönebuch.

Wesentlich erheiternder war das Schaf, das im Mai in Hegenheim ausbüxte und es bis in die Spitzwaldstrasse in Allschwil an der Grenze zu Basel geschafft hatte, bevor die Polizei es einfangen konnte. «Le mouton et le flic» titelte denn auch die Schärbe-Clique und führt aus:

Doo dr Böbbi, derte s Schoof,
wär zieht schnäller, wär isch no im Schloof?
S Duell isch ungliich und schnäll entschiide,
em Schoof isch e Niiderlag beschiide.

Die Dorfrunzlä mischten den Bericht des Schafs in der Ich-Form mit Gesellschaftskritik:

Gjaggt vom Kneier segglä ich als Schoof,
diräggt zum Schuelhuus Gartähof!
Dört diän denn grad mini Augä weh,
wenn ich die überfülltä Schuelklasse gseh!

Viel Selbstironie bewiesen nochmals die Im-Brüel-Waggis, die unter dem Titel «Schiessbude FC Allschwil!» das Cupspiel gegen den FC Sion, das 1:10 verloren ging, ganz locker nahmen und sogar noch feixten, wie sehr sich Sion-Präsident Christian Constantin über den Allschwiler Ehrentreffer geärgert habe.

Auch wenn der Gemeinderat dieses Jahr kein direktes Ziel der fasnächtlichen Kritik war, will Organisator Butz die ganze Classe politique in Allschwil unter den Zuschauern entdeckt haben: «Sie hat sich sicher im einen oder anderen Sujet wiedererkannt», schmunzelt er. Butz’ eigene Gruppe, die Wildviertel-Clique, rügte den Gemeinderat indirekt für seinen mauen Einsatz bei der Renovierung der 300 Jahre alte christkatholischen Dorfkirche und kündigte an: «Mir gän nüt – mir spände.» Das Geld für Orangen und Mimosen werde man dieses Jahr für die Kirche ausgeben.

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