Nein, die Beschaffung einer neuen Arbeitskluft für die Sicherheitskräfte wurde natürlich schon lange vor der Wahl von Kathrin Schweizer in die Baselbieter Regierung in die Wege geleitet. Bereits seit 2015 kümmert sich eine kantonsübergreifende Arbeitsgemeinschaft um den Ersatz des mittlerweile 14 Jahre alten, heute gebräuchlichen Uniformmodells.

Gestern veröffentlichte der Regierungsrat die entsprechende Finanzierungsvorlage. Insgesamt 2,16 Millionen Franken soll der Landrat für die Beschaffung von 541 Uniform-Sets bewilligen. Stimmt das Parlament zu, kann Ende November 2020 mit der Umrüstung begonnen werden.
Alleingang von Basel-Stadt bei der Neubeschaffung

Die neue Uniform soll den Polizeien von Baselland und 15 weiteren Kantonen sowie der SBB-Transportpolizei und verschiedenen Gemeindepolizeien zu einem einheitlichen Erscheinungsbild verhelfen. Die gestrige Regierungsvorlage schreibt hierbei von einem «aussergewöhnlichen Leuchtturmprojekt» der interkantonalen Polizei-Kooperation.

Prominente Ausnahme unter den Deutschschweizer Kantonen ist ausgerechnet Basel-Stadt. Da er insbesondere bei der Feuerfestigkeit eigene Qualitätsanforderungen an eine Neuuniformierung stellt, hat der Stadtkanton den Alleingang gewählt. «Mit einer unabhängigen Beschaffung können wir schneller, flexibler und aufgrund unserer Bestellmengen auch nicht teurer agieren als im Verbund mit anderen Polizeien», verteidigte im Februar 2019 der Basler Polizeisprecher Toprak Yerguz in der bz diesen Entscheid.

Ennet der Birs haben die Baselbieter Gemeindepolizeien noch bis Ende August Zeit, sich an der neuen Uniformbeschaffung zu beteiligen. «Sie erhalten auf eigene Kosten die Gelegenheit, bei der Beschaffung mitzuwirken und können damit ebenfalls von den guten Konditionen profitieren», heisst es hierzu in der Regierungsvorlage. Eine entsprechende Informationsveranstaltung sei auf gute Resonanz gestossen, sagt auf Anfrage der Baselbieter Polizeisprecher Adrian Gaugler.

Mit 1,37 Millionen Franken den grössten Ausgabeposten werden die neuen Arbeitsuniformen darstellen. Laut Gaugler sind bei internen Tragtests die neuen, im Gegensatz zum heutigen Modell bundfaltenfreien Arbeitshosen auf besonders positives Echo der Korpsmitglieder gestossen. Es sei geradezu von einem «Quantensprung» die Rede gewesen. Die neuen Multifunktionsjacken gibt es für 240'000 und die Galauniformen für 50'000 Franken. Mit diesen Summen kann die Erstausrüstung in den ersten zwei Jahren bezahlt werden. Hinzu werden 130 000 Franken für Logistik und Lagerflächenmiete kommen.

Polizei-Caps stammen aus den Niederlanden

Bei der Uniformbeschaffung lassen sich die Polizeikorps mehrheitlich von Textilherstellern im Inland beliefern: Berücksichtigt würden fünf Lieferanten aus der Schweiz. Einzig die Polizei-Caps stammen aus den Niederlanden. Übrigens soll alter Überschuss fachgerecht entsorgt oder verwertet werden: Uniformteile mit «Polizei»-Beschriftung würden vernichtet, sodass sie nicht missbräuchlich verwendet werden können.

2006 hatte die Beschaffung der aktuellen Arbeitsuniform noch 945'000 Franken gekostet. Dass es nun mit 1,37 Millionen Franken viel teurer wird, erklärt die Regierung in ihrer Vorlage mit der grösseren Stückzahl, 541 Sets statt 449, und einem grösseren Lagerbestand. Dank der grösseren Stückzahlen, die aufgrund der Konkordats-Vereinbarung hergestellt werden können, werden die einzelnen Uniformteile jedoch wesentlich günstiger zu stehen kommen als die Komponenten der aktuellen Baselbieter Polizeiuniform.