Muggenbergtunnel

«Für den Kanton dringend nötig» – Baselland soll jetzt Vollgas geben

Die Einfahrt zum Muggenbergtunnel in Aesch steht bereit – seit 40 Jahren.

Es war ein kleiner Coup. Der Nationalrat nahm vergangene Woche den Muggenbergtunnel in den Ausbauschritt 2019 des Nationalstrassennetzes auf. Jetzt fordern Landräte, dass 2020 mit dem Bau begonnen wird.

Seit Wochen gibt der geplante Muggenbergtunnel im Gebiet Angenstein zu reden. Der Nationalrat hat vergangene Woche das Projekt in den Ausbauschritt 2019 des Nationalstrassennetzes aufgenommen. Die Ausgabenbremse für das Projekt wurde jedoch nicht gelöst – die Kosten seien noch unklar.

Die nationalrätliche Verkehrskommission beantragte, für das Projekt vorläufig kein Geld zu sprechen. Der Bundesrat soll beauftragt werden, dem Parlament einen Verpflichtungskredit zu unterbreiten, sobald es den Status eines «generellen Projekts» erreicht hat. So weit so gut. Doch wie geht es nun mit der Planung des Muggenbergtunnels weiter?

«Wir sind daran, ein generelles Projekt auszuarbeiten», erklärt Kantonsingenieur Drangu Sehu. Bereits letztes Jahr habe man damit begonnen. «Wir fühlen uns durch den Nationalratsbeschluss natürlich bestärkt.» Momentan sei man mit der Zusammenstellung eines Projektteams beschäftigt. Dieses soll aus rund einem Dutzend Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen wie Geologie oder Umwelt bestehen. «Das Rückgrat des Teams wird ein Tunnelbauer sein», sagt Sehu.

Das Problem, weshalb sich das Projekt hinauszögerte: Es sei unklar gewesen, wer für die Strasse überhaupt zuständig ist. 2020 geht sie vom Kanton an den Bund über. Solche Unklarheiten soll es nun nicht mehr geben. «Wir übernehmen das jetzt», betont Sehu. Geplant sei, das generelle Projekt in zwei Jahren abzuschliessen.

Eine baldige Umsetzung erhoffen sich auch Politiker: «Der Muggenbergtunnel ist für den Kanton dringend nötig», sagt der Grellinger CVP-Landrat Franz Meyer. Er sei die beste Lösung gegen das Stauproblem. «Die Notwendigkeit des Tunnels ist auch im Ständerat nicht bestritten. Ausserdem setzt sich Claude Janiak für Verkehrsprojekte ein, die nötig sind», sagt Meyer.

Als Präsident der Kommissionen für Verkehr und Fernmeldewesen will sich Ständerat Janiak noch nicht zum Projekt äussern. Dazu wolle er erst die Behandlung des Ausbauschritts in der Kommission vom 4. und 5. April abwarten und mit dem Kanton sprechen. Meyer erwartet nun, dass der Kanton alles daran setzt, bis 2020 ein Projekt vorzulegen. Eines, mit welchem der Bund dann sofort mit dem Bau beginnen kann. «Es kann nicht sein, dass die Strasse an den Bund übergeht und dieser bei Null anfangen muss», betont Meyer.

FDP-Landrat plant Vorstoss

Positiv steht auch Rolf Blatter, FDP-Landrat aus Pfeffingen und Mitglied der Bau- und Planungskommission (BPK), dem Tunnel gegenüber. «Ich habe schon 2018 einen Vorstoss für eine Autobahnverbindung Basel-Delémont eingereicht. Dazu ist der Muggenbergtunnel ein wichtiges Verbindungsstück», sagt er. Durch die Verschiebung des Transitverkehrs auf den Tunnel könnte das Gebiet vom lokalen Verkehr entlastet und das Unfallrisiko im Raum Angenstein gesenkt werden.

«Die Idee ist schon 40 Jahre alt. Wir haben aber noch immer kein Projekt», so Blatter. Dies soll sich nun ändern. Ob der Kanton die Projektierung so weit vorantreiben soll, dass er sie dem Bund 2020 übergeben kann, müsse nun geklärt werden. «Gut möglich, dass es dafür einen Vorstoss braucht», sagt Blatter. Er sei denn auch bereit, diesen selber einzureichen. «Aber zuerst treffen wir uns am Donnerstag in der BPK, um das weitere Vorgehen zu besprechen», betont er.

Dass es ausgerechnet ein Solothurner Nationalrat ist, der in Bundesbern den Anstoss für die weitere Planung gegeben hat, macht Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer, nichts aus. «Wir sind Christian Imark dankbar, dass er gehandelt hat. Hauptsache ist, dass das Projekt vorankommt, denn es dient den Unternehmen und der Bevölkerung in beiden Kantonen.» Deshalb habe sich auch die Wirtschaftskammer dafür eingesetzt.

Gerne erinnert er an den 5-Punkte-Plan gegen den Verkehrskollaps, den die Wirtschaftskammer bereits 2013 präsentiert hat. «Im aktuellen Sparmodus des Kantons Baselland sind wir mit unseren Ideen bisher angestanden.» Vom Kanton erwarte er nun, dass er sich voll hinter das Projekt stellt.

Nicht alle sind dafür

Klar gegen den Tunnel spricht sich SP-Landrat und BPK-Mitglied Jan Kirchmayr aus. «Die Verkehrsprobleme im Gebiet Angenstein gibt es hauptsächlich wegen der vielen Abzweiger, beispielsweise von Duggingen ins Laufental oder von Laufen nach Aesch», findet er.

Durch die Aufhebung solcher Abzweiger könne man das Verkehrsproblem auf günstigere Art lösen als mit dem Tunnel. «Auch frage ich mich: Was genau soll dort umfahren werden? Es ist ja hauptsächlich Gewerbegebiet.» Gehe es darum, etwas gegen das Projekt zu unternehmen, seien ihm momentan die Hände gebunden. «Wenn es aber zu Planungskosten für den Kanton kommt, käme schon ein Vorstoss infrage», sagt Kirchmayr.

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