Liestal

Für den Konzertmanager spielt die Musik hinter der Bühne

Eric Rütsche (links) versorgt die Bandmitglieder mit Getränken: Nur eine seiner zahlreichen Aufgaben.

Eric Rütsche (links) versorgt die Bandmitglieder mit Getränken: Nur eine seiner zahlreichen Aufgaben.

Eric Rütsche ist an einem Konzerttag im Kulturhotel Guggenheim der Mann für alles. Er macht mit beim Aufbauen der Bühne, engagiert Bands und Sponsoren, betreut die Musiker und behält die Finanzen im Auge. Gerne hält er auch mal einen Plausch.

Mit sechs übereinandergestapelten Tellern in den Händen steht Eric Rütsche beim Tisch, an dem die Mitglieder
von «Stiller Has» soeben ihr Abendessen beendet haben, und schwärmt mit ihnen von den guten alten Töffli-Zeiten. Das Abräumen kann warten. Es ist 18.40 Uhr und gemütlich unter dem Dach des Liestaler Kulturhotels Guggenheim.

Doch ist Geschäftsführer Rütsche an diesem Freitag bereits ein paar Mal ins Schwitzen gekommen, etwa frühmorgens beim Aufbau der Bühne im Konzertsaal, oder beim Schleppen der Getränkeharassen. Wir treffen ihn kurz vor 15 Uhr vor dem Haus, mit Abendkasse, Technik- und Cateringplänen. «An einem Konzerttag geht es gegen 15 Uhr los», erzählt er. Als Erstes erscheinen die Licht- und Tontechniker. Rütsche schneidet Reservationszettel für die angemeldeten Sponsoren zurecht. «Ihnen werden wir im Vorfeld einen Apéro servieren. Sie haben dann das Privileg, sitzen zu dürfen. Unten im Saal gibt es nur Stehplätze.»

«Nicht der nervöse Typ»

Auf Sponsoren ist das Guggenheim angewiesen. «Sie ermöglichen Werbung und machen Werbung für uns. Von der Stadt Liestal erhalten wir nun auch einen kleinen Betrag», sagt der Geschäftsführer. Es braucht einen vollen Saal – der fasst um die 250 Leute –, um zu rentieren. Sind es wie an diesem Abend «nur» um die 120 Personen, legt man drauf. Obwohl im Hintergrund Freiwillige mithelfen, etwa an der Bar.

«Viele Bands verlangen zu viel», merkt Rütsche kritisch an, «ich kann das als Musiker beurteilen.» Der Drummer konzentriert sich heute neben dem Betrieb aufs Unterrichten und ist auch Hausmann. Über das Musikprogramm entscheidet er alleine. In den drei Jahren hat sich das Guggenheim einen Namen gemacht und die Anfragen laufen automatisch rein. Rütsche wählt Acts, die ihm das Haus füllen und die er mag, wie Irrwisch oder Marc Sway. Der Tipp für Müslüm kam von einer seiner vier Töchter. Er checkt sein Handy, leicht beunruhigt. Die Sponsoren haben sich nicht mehr gemeldet. «Ich bin eigentlich nicht der nervöse Typ.»

Um 15.30 Uhr trifft Markus Fürst ein, der Drummer bei Stiller Has. Rütsche hilft ihm, die Instrumente aus dem Auto in den Saal zu tragen. Die beiden plaudern über das Unterrichten und einen ehemaligen Schüler von Fürst, der mit «Simply Red» auf Tour ist. Kaum hat Rütsche kurz vor 16 Uhr die Tische fertiggedeckt, taucht Schifer Schafer, Gitarrist von Stiller Has, auf und sagt, Endo Anaconda sei eingetroffen. Rütsche stürmt los, findet den Sänger im Café Mooi und führt ihn ins Hotelzimmer Eiche – denn Endo muss dringend. Dies gibt dem Gastgeber die Gelegenheit, je eine Flasche Wasser und Weisswein zu holen. «Das verlangt Endo vor einem Konzert. Er isst nichts, möchte aber nach einem Auftritt meist eine Suppe», verrät Rütsche.

Er eilt davon, auf der Suche nach einem Stuhl für Schafer: «Jetzt stehe ich unter Strom, weil im Moment so viel zusammenkommt.» Während er ein SMS eines Mitarbeiters beantwortet, meint er: «Für mich hat sich nicht nur ein Traum erfüllt, mein Traum wurde übertroffen.» Die grösste Herausforderung für ihn ist aber, dass es keine Ruhe und Konstanz im Gastro- und Musikbusiness gibt. «Ich mag keine Routine, doch ich bin extrem gefordert. Ich muss stets nach Neuem Ausschau halten, um unser innovatives Image zu bewahren. Und ich will die Leute überraschen.»

Läuft «wie geschmiert»

Es geht los mit dem Soundcheck, da auch Bassistin Salome Buser angekommen ist. Rütsche holt Schweisstücher und Mineral. Er notiert sich auch gleich, was die Band später essen will.

Für eine halbe Stunde verschwindet er nach Hause – er wohnt ja gleich gegenüber. Und kommt mit Schuhspannern für Endo zurück. Tontechniker Singoh Nketia bleibt vor Ort. «Ein Ort wie das Guggenheim ist bitter nötig», sagt er, der in Bands als Drummer und Perkussionist mitmacht. Den Konzertsaal findet er ausgezeichnet. «Wir und andere schätzen die Nähe zum Publikum. Und das gute Essen», meint er lächelnd. Beim Abendessen, das Rütsche serviert, wird über Flüchtlinge und Schneckenrennen geredet.

Kurz vor 19 Uhr regelt Rütsche – nun im schwarzen Guggenheimhemd – die letzten Details der Abendkasse und Gästeliste. Die Sponsoren erscheinen. «Alles läuft wie geschmiert», sagt Rütsche erleichtert, während er einen Drink hinter der Bar mixt.

Gegen 20.15 Uhr begrüsst er das Publikum und preist das Liestaler Kulturangebot. Rund 20 Minuten hört er Stiller Has zu, ganz hinten, ganz relaxt. Er hat ein gut gelauntes Publikum vor sich. Endo und Band geben sich entsprechend ihrem neuen Album alterswild.

In der Pause steht Rütsche hinter der Bar. Nach dem Konzert rechnet er mit Endo ab, räumt auf und lässt den Abend in den frühen Morgen hinein mit der Band ausklingen.

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