Schönenbuch

Für den Wald kann noch keine Entwarnung gegeben werden

Im Waldgebiet «Buech» im Rünenberger Bann liegt eine der 204 Walddauerbeobachtungsflächen.  ueli Frei

Im Waldgebiet «Buech» im Rünenberger Bann liegt eine der 204 Walddauerbeobachtungsflächen. ueli Frei

Die Versauerung und der Klimawandel setzen Bäumen zu. Ein Institut in Schönenbuch untersucht diese Phänomene. Klar ist: Der Wald leidet unter schleichenden, für den Laien kaum feststellbaren Veränderungen.

Anfang der 1980er-Jahre sorgte das Waldsterben für hitzige Debatten. Als Folgen wurden unter anderem der Katalysator eingeführt und das Heizöl entschwefelt. Die Diskussion hat sich beruhigt. Doch: Leider sei kein Grund zur Entwarnung gegeben, sagt Walter Flückiger vom Institut für angewandte Pflanzenbiologie (IAP) in Schönenbuch. Dies zeigen die Resultate der mittlerweile seit 27 Jahren laufenden wissenschaftlichen Langzeitstudie über die Gesundheit des Waldes.

Wurzeln als Indikatoren

Kronenzustand, Nährstoffstatus, Triebwachstum, Stammzuwachs, Artenvielfalt sowie die Bodenbeschaffenheit und der Zustand der Wurzeln dienen den Forschern als Indikatoren für die Waldgesundheit. Die Daten sammeln sie auf so genannten Walddauerbeobachtungsflächen.

Der Wald leidet unter schleichenden, für den Laien kaum feststellbaren Veränderungen. Durch die zunehmende Versauerung des Bodens gehen Nährstoffe verloren, der Regenwurm verschwindet, die Fruchtbarkeit und das Wachstum nehmen ab. Die Bäume sind anfälliger auf Parasiten und Sturmschäden. Die Belastung von pflanzenverfügbarem Stickstoff aus der Luft sei zwar seit gut zehn Jahren stabil, aber immer noch um das Zwei- bis Dreifache zu hoch.

Boden wird sauer

«Im Baselbiet haben wir noch recht gute Bodenverhältnisse», sagt Walter Flückiger. Westlich der Reuss stelle man jedoch auffallend saure Böden fest. Und: «Die Versauerung schreitet schnell voran», sagt der Forscher. Mit dem Schleppschlauchverfahren zum Ausbringen der Gülle können die Bauern viel dazu beitragen, um diese Tendenz zu bremsen. Saubere und pelletierte, im Wald ausgebracht Holzasche könnte zudem der Versauerung entgegenwirken. «In Schweden macht man das schon lange», erzählt Flückiger.

Leider sei das Schweizer Waldgesetz diesbezüglich etwas schwerfällig. Die Waldbesitzer, in den meisten Fällen die Bürgergemeinden, spüren wenig von der Arbeit der Forscher. Sie werden regelmässig über die Datenerhebungen informiert.

Zugriff auf Daten

Kreisförster und Revierförster dagegen haben direkten Zugriff auf die Daten. Auf die Bewirtschaftung haben die Walddauerbeobachtungsflächen keinen Einfluss, sagt Revierförster Johann Schneider vom Forstrevier Homburg. Von den gesammelten Informationen interessieren Schneider vor allem die Bodenversauerung und die Auswirkungen des Klimawandels. Denn Förster planen langfristig, oft über Jahrzehnte.

Informationen, wie sich der Boden und der Nährstoffgehalt entwickelt, sind daher für die Wahl der Baumarten bei Neupflanzungen wichtig. Nebst der Versauerung spielt die zunehmende Trockenheit eine grosse Rolle. «Die Buche ist kühle und nasse Sommer gewohnt», nennt Schneider als Beispiel. Erwärmt sich das Klima um die angekündigten vier Grad, wird sie mit der Zeit verschwinden.

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