Coronavirus

Für die Klosterbrüder gilt: Abstand halten

Schweiz am Sonntag: Interviewtermin Abt von Sury, Kloster Mariastein.

Abt Peter von Sury aus dem Kloster Mariastein gibt Tipps für sinnvollen Zeitvertreib: «Die Natur geniessen und Singen können helfen». (Archivbild)

Schweiz am Sonntag: Interviewtermin Abt von Sury, Kloster Mariastein.

Die Coronakrise hinterlässt auch in Mariastein ihre Spuren. Abt Peter von Sury hat Ratschläge, wie man die viele Zeit sinnvoll nutzen kann.

«Herr, gebiete Einhalt der Coronaseuche, der die Menschheit hilflos ausgeliefert scheint.» Die Fürbitten der Benediktiner im Kloster Mariastein klingen an diesen Tagen anders als sonst. Das Leben im Wallfahrtsort hat sich durch die Pandemie stark verändert. Die Besucherinnen und Besucher bleiben weitestgehend aus - die 16 Klosterbrüder vor Ort versuchen, so gut es geht, ihre Tagesstruktur beizubehalten.

Die Mariasteiner Benediktiner - das ist kein Geheimnis - haben ein hohes Durchschnittsalter, und es fehlt seit Jahren an Nachwuchs. «Aufgrund unserer Altersstruktur gehören wir zur Risikogruppe», erklärt Peter von Sury, Abt des Klosters Maria-stein. Besondere Massnahmen, die über die Anweisungen der Behörden hinausgehen, seien keine getroffen worden. Umso mehr gelte es aber für ihn und seine Mitbrüder, Abstand zu halten, gegen aussen und untereinander. «Wir haben doppelte Distanzen bei unseren Aktivitäten eingeführt.» Die grossen Räumlichkeiten erlaubten dies.

«Unsere Tagesstruktur mit gemeinsamen Gottesdiensten, Gebeten und Mahlzeiten ist sehr entlastend, da sie Kontinuität gibt.» Daran wolle man in der unsicheren Zeit unbedingt festhalten, erklärt der Abt. «Um uns an die Empfehlungen zu halten, braucht es von uns Mönchen, wie von allen derzeit, eine grosse Selbstdisziplin.» Die Benediktiner würden das Kloster Mariastein nur für Arztbesuche verlassen.

Kloster Mariastein musste Kurzarbeit beantragen

Der Kontakt mit Gästen, die ins Kloster kommen, ist ganz zum Erliegen gekommen. Öffentliche Gottesdienste finden seit dem Entscheid des Bundesrates, Veranstaltungen zu verbieten, auch hier oben keine mehr statt. Die Gnadenkapelle ist für Besucher geschlossen. Ein persönliches Gebet ist in der Klosterkirche hingegen noch immer möglich. Um mit den Gläubigen in Austausch zu bleiben, werde die Homepage des Klosters täglich aktualisiert. An Ostern soll ein Gottesdienst im Radio übertragen werden.

Die Zahl der Pilgerinnen und Pilgern ist in den vergangenen Tagen stark zurückgegangen. Diese Tatsache führt im Kloster Mariastein zu ganz irdischen Problemen: «Die Coronakrise bedeutet für uns auch eine finanzielle Belastung, da die Einnahmen aus dem Opferstock und dem geschlossenen Klosterladen ausbleiben», sagt Peter von Sury. Für gewisse Mitarbeiterinnen sei deshalb Kurzarbeit beantragt worden. Da die Benediktinerabtei autonom agiere, seien keine Hilfsleistungen von der katholischen Kirche zu erwarten.

Zwei Tipps vom Abt: Auf die Natur achten und Singen

Selbst wenn sich die Situation in Mariastein derzeit besonders gestaltet, macht es den Anschein, dass die Mönche es gewohnt sein sollten, viel Zeit mit sich selber zu verbringen. Der Abt meint dazu: «Das stimmt. Ich muss jedoch auch erwähnen, das viele von uns im Kloster zahlreiche Aufgaben haben.»

Tipps, damit einem Zuhause die Decke nicht auf den Kopf fällt, hat Peter von Sury einige: «Momentan ist Frühling. Das sollte man trotz allem versuchen, zu geniessen. Wir sind im Kloster Mariastein diesbezüglich privilegiert.» Auf die Natur achten, könne man auch in der Stadt. «Zudem tut mir Singen immer gut.»

Zum Schluss bringt der Abt noch eine Tätigkeit ins Spiel, die immer mehr in Vergessenheit gerät: «Ich schreibe häufig und bin froh, dass die Post noch funktioniert.» Es gäbe viele ältere Menschen, die sich derzeit sehr über einen Brief oder eine Karte freuen würden.

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