Laufentalserie

Für ihn liegt das Laufental noch in Bern

In seinem Garten weht die Berner Flagge, beim Sport unterstützt er die Berner Teams, das Baselbieterlied singt er bis heute nicht. Trotzdem blieb der Berntreue Fritz Kirchhofer im Baselbiet.

Wenn Fritz Kirchhofer könnte, würde er um sein Haus herum Grenzsteine legen. Das Laufentaler Dorf Brislach, wo er wohnt, gehört seit 25 Jahren zum Baselbiet. Das Herz des Pensionärs schlägt aber auch heute noch für den Kanton Bern.

Im Garten des 74-Jährigen flattert die Fahne der Vereinigung Berntreuer Laufentaler im Wind. Draussen auf der Eckbank steht eine Flasche Wein aus dem Bernbiet und eine Kuhglocke mit dem Berner Bären drauf. Betritt man das gemütliche Einfamilienhaus, fällt der Blick schnell auf den Stammbaum der Kirchhofers im Gang. Oben prangt das Wappen von Trachselwald, dem Emmentaler Heimatort. «Ich darf doch zu meiner Herkunft stehen», sagt Fritz Kirchhofer.

Selbst ein Vierteljahrhundert nach dem Kantonswechsel des Laufentals bekennt er sich offen zum Kanton Bern. Die schrägen Blicke und die Sprüche, die er manchmal erntet, könne er problemlos wegstecken.

Die Feindseligkeiten waren ihm ein Graus

Die Verbundenheit mit dem Heimatkanton wurde dem ehemaligen Schul- und Hauswart in die Wiege gelegt. «Mein Vater war ein stolzer Berner, und wir hatten eine enge Beziehung zum Emmental», erzählt Kirchhofer, der in Brislach aufgewachsen ist. Als im Bezirk Laufen ein Kantonswechsel in den Bereich des Möglichen rückte, schloss er sich der Aktion Bernisches Laufental an, die sich für den Verbleib bei Bern einsetzte.

Die Feindseligkeiten, die lange Zeit zwischen Berntreuen und Probaselbietern herrschten, blieben ihm jedoch ein Graus. «Ich war für den Frieden und für Fairness.» Er habe sich einzig dazu bereit erklärt, Plakate und Sticker der Berntreuen aufzuhängen, sofern diejenigen der Probaselbieter dabei nicht überklebt wurden.

«Dass durch die Streitereien um die Kantonszugehörigkeit des Laufentals Vereine auseinanderbrachen und Freundschaften kaputt gingen, fand ich schlimm», erzählt Fritz Kirchhofer. Das Argument der Probaselbieter, die Lebenswelt der Laufentaler befinde sich im Raum Basel und nicht im Bernbiet, habe durchaus etwas für sich gehabt. «Aber uns ging es als finanzstarker Bezirk im Kanton Bern gut.»

Ein Umzug ins Bernbiet kam nicht in Frage

Selbstverständlich sprach er sich bei den Abstimmungen jeweils dafür aus, bei Bern zu bleiben. Am Abstimmungssonntag im November 1989 habe er es in Brislach nicht ausgehalten und sei in den Jura gefahren, um zu wandern. Als er zurückkam, stand das Ergebnis fest: Das Laufental wechselt zum Kanton Basel-Landschaft.

Tagesschau vom 12. November 1989 – Abstimmungsergebnis

Der äusserst knappe Entscheid der Laufentalerinnen und Laufentaler schlug dem Brislacher aufs Gemüt. «Das ging sogar so weit, dass wir vier Jahre lang kein Quartierfest mehr veranstalteten», erinnert er sich. «Als wir uns wieder gesammelt hatten, reanimierten wir das Fest.» Das Leben müsse schliesslich weitergehen, und seinen Heimatort im Emmental könne ihm niemand wegnehmen. «Das war ein Trost.»

Ein Umzug ins Bernbiet, wie ihn einige andere Berntreue vollzogen, sei für ihn nicht infrage gekommen. «Ich bin in Brislach zu Hause – ich will nicht weg.» Obwohl an seinem Auto eine BL-Nummer hängt und er die Steuererklärung nach Liestal schickt, sind die engen Bande zum Kanton Bern geblieben. Mehrmals monatlich organisiert er Veranstaltungen der Berner Jass- und Wanderfreunde, die seit Berner Zeiten existieren.

Der SC Bern hat immer noch viele Fans aus dem Laufental

Hier stehe die Geselligkeit im Vordergrund. Über Politik werde selten gesprochen, sagt Kirchhofer. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in den vergangenen Jahren immer weniger geworden. «Uns plagen leider Nachwuchssorgen. Frisches Blut würde uns guttun.»

Hingegen mit Genugtuung nimmt Fritz Kirchhofer die aktuellen Höhenflüge der Fussballer der Berner Young Boys zur Kenntnis. «Ich drücke von Kindesbeinen an allen Berner Sportvereinen die Daumen, was einige im Laufental nie verstehen konnten», erzählt er. Die Fans des kriselnden FC Basel täten ihm momentan ein wenig leid. Er und sein Sohn fiebern auch mit den Eishockeyanern des SC Bern mit. Noch immer weiss der Profiklub aus der Bundesstadt eine stattliche Anhängerzahl im Laufental hinter sich.

Nach dem Beitritt zum Baselbiet meldeten sich die Laufentaler Proberner vor allem dann zu Wort, wenn der Kanton Baselland im Bezirk Laufen Abbaumassnahmen umsetzte. So versuchte die Vereinigung Berntreuer Laufentaler als eine ihrer letzten Handlungen erfolglos, gerichtlich gegen die Schliessung der Gynäkologie am Spital Laufen vorzugehen. Im Dezember 2015 löste sich die Vereinigung an der Generalversammlung auf.

Das Baselbieterlied singt er nicht mit

Kirchhofer verfolgte die Veränderungen der letzten Jahre mit Interesse, engagierte sich aber nicht. Lakonisch meint er: «Wer weiss schon, wie es dem Laufental im Bernbiet ergangen wäre. Ich denke nicht, dass es im Baselbiet schlechter ist als im Kanton Bern.» Früher sei so viel Aufhebens um den Kantonswechsel gemacht worden – heute sei das kein Thema mehr. Die jungen Laufentaler interessierten sich nicht für die Vergangenheit.

Auch wenn sich Fritz Kirchhofer wünschte, noch immer im Bernbiet zu leben, hat er sich mit seinem Schicksal abgefunden. Nur eine Sache schafft er selbst nach einem Vierteljahrhundert im neuen Kanton nicht: «Wenn irgendwo das Baselbieterlied erklingt, bringe ich es einfach nicht über das Herz, mitzusingen.»

Die Laufentaler Bewegung singt das Baselbieter Lied

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