«Ich bin jetzt seit drei Jahren arbeitslos und habe über 200 Bewerbungen geschrieben. Wenn wir uns bereichert haben, warum bin ich dann jetzt beim Sozialamt?», fragte der 60-jährige ehemalige Verwaltungsrat genervt. Auch sein 59-jähriger Bruder, ehemaliger Verwaltungsratspräsident, wehrte sich in der Gerichtsverhandlung gegen die Vorwürfe. «Wir sind nie von einer Betriebsschliessung ausgegangen, da können Sie mich noch hundertmal fragen. Ich habe selber diverse Einsparungen realisiert, habe täglich 10, 12 oder auch 14 Stunden dafür gearbeitet», beteuerte er.

Die Kunden der Galaxys Fitness AG in Liestal erlebten die Geschichte allerdings etwas anders: Am 1. Mai 2016 hing an der verschlossenen Türe bloss ein Schild, wonach das Studio ab sofort geschlossen sei. Der Ärger war gross, zumal viele Leute kurz zuvor noch ein Jahres- oder gar Zweijahresabo gelöst und auch vorausbezahlt hatten.

Die Finanzprobleme der Firma begannen allerdings früher, mindestens ab dem Jahr 2012. Der 59-Jährige wetterte im Strafgericht in Muttenz am Montag lange über die miserable Verkehrsituation insbesondere rund um das Schild-Areal wegen der damaligen H2-Bauarbeiten. «Die Leute sind im Stau gestanden, es gab fast keine Parkplätze mehr. Im 2014 wurde das dann besser, aber die Frauen hatten abends auf dem dunklen Parkplatz einfach Angst», sagte er. So habe man Kunden verloren.

Angeklagt wegen Misswirtschaft

Die Brüder stehen allerdings nicht vor Gericht, weil die Galaxys AG Konkurs gegangen ist, sondern weil sie trotz überschuldeter Firma nicht den Konkursrichter benachrichtigt haben. Der Tatbestand heisst «Misswirtschaft», im konkreten Fall spricht die Staatsanwaltschaft von Konkursverschleppung. So bewegte sich das Eigenkapital der Firma in den Jahren 2012 und 2013 noch zwischen 6400 und 7700 Franken, ab 2014 war es bereits im sechsstelligen negativen Bereich.

Auch ein operativer Gewinn von 33'000 Franken im Jahr 2015 konnte daran nichts mehr ändern. Die Forderungen der Vermieterin türmten sich auf: Bereits im Jahr 2012 waren 61'000 Franken ausstehend, dies entsprach rund vier Monatsmieten. Ab 2015 gab es danach nur noch befristete Verträge mit 30 Prozent Rabatt, der letzte lief am 30. April 2016 aus.

Die zwei Männer beteuerten vor Gericht, die Vermieterin habe ihnen mündlich einen «Neubeginn» zugesagt, lediglich die aufgelaufenen Nebenkosten könne man ihnen nicht erlassen. Deshalb seien sie bis zuletzt davon ausgegangen, dass sie das Ruder herumreissen könnten.

Staatsanwältin Rahel Buschauer hat die zwei Männer zudem wegen gewerbsmässigem Betrug angeklagt: 25 Kunden haben ihre Abos nach November 2015 einbezahlt, als den Verwaltungsräten hätte klar sein müssen, dass sie die versprochene Leistung gar nicht mehr erbringen können. Belegt ist ein Schaden aufgrund der wertlosen Restlaufzeit von insgesamt knapp 22'000 Franken.

«Ich kann es nicht verstehen»

«Verstehen Sie den Vorwurf, dass sie Kunden getäuscht haben sollen?», fragte Gerichtspräsident Daniel Schmid die zwei Männer. «Ich verstehe den Vorwurf nicht», grummelte der 60-Jährige. «Wollen Sie es nicht verstehen?», hakte Schmid nach. «Ich kann es nicht verstehen», war die Antwort. Die Verteidiger liessen am Montag durchblicken, dass sämtliche Zivilforderungen der ehemaligen Kunden nicht anerkannt werden.

Zu holen ist sowieso nicht mehr viel; auch das Konkursverfahren über die Galaxys Fitness AG wurde bereits im September 2016 mangels Aktiven eingestellt. Die Vermieterin musste über 100'000 Franken abschreiben.

«Wir haben das alles sicher nicht mit Absicht gemacht. Es war Dummheit oder Blauäugigkeit», betonte der 59-jährige Angeklagte. Das Strafgericht fällt das Urteil Ende Woche.