Oberdorf

Game macht Schüler zu «Finanzhelden»

Bildungsdirektorin Monica Gschwind (M.) unter lauter Finanzhelden.

Bildungsdirektorin Monica Gschwind (M.) unter lauter Finanzhelden.

Das Videospiel «Finance Mission Heroes» vermittelt Baselbieter Sekschülern spielerisch Finanzkompetenz.

Hochkonzentriert sitzen die Oberdörfer Schülerinnen und Schüler vor den Computern. Mit ihren Spielfiguren, den «Financial Heroes», versuchen sie den Roboter «Violetta», der ihr Klassenkassenkonto lahmgelegt hat, zu überlisten. Der Spass dabei ist offensichtlich. Doch das Spiel ist mehr als blosses Gaudi und Unterhaltung. Es geht ums Erlernen von Finanzkompetenz. Denn um gegen Violetta erfolgreich zu sein, müssen die Finanzhelden auch geschickt budgetieren und ihre Ausgaben und Einnahmen planen. Nach jeder erfolgreichen Mission erhalten sie eine finanzielle Abrechnung vorgelegt. Damit vermittelt der Verein «Finance Mission» schweizweit Finanzkompetenz an den Schulen. Seit diesem Schuljahr steht das Spiel inklusive didaktischen Begleitmaterialien auch den Baselbieter Sekundarschulen in den achten und neunten Klassen aller drei Niveaus als Lehrmittel im Fach Wirtschaft, Arbeit, Haushalt zur Verfügung.

Das Erlernen von Finanzkompetenz ist bereits Teil des Baselbieter Lehrplans. Der Einsatz von «Finance Mission Heroes» sei aber freiwillig, «ein ergänzendes Lehrmittel», betont Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP). Es sei notwendig, dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht Finanzwissen und -kompetenzen erwerben. «Die Verschuldung junger Erwachsener nimmt zu. Das ist ein ernsthaftes Problem.» Schüler mit tieferem Bildungsniveau seien davon häufiger betroffen, genauso Mädchen gegenüber Buben. Spielerisch lernen die Schüler verschiedene Einflüsse auf ihr Konsumverhalten kennen und spüren direkt, was ihr eigenes Verhalten für sie selber zur Folge hat. Beat W. Zemp, Präsident des Vereins «Finance Mission» und bis vor kurzem Präsident des Lehrervereins Schweiz, ist von der positiven Wirkung des Spiels überzeugt. «Finanzkompetenz ist ein sehr trockenes Thema. Da ist es wichtig, dass man es beim Vermitteln mit Spass verbindet und so das Interesse der Schülerinnen und Schüler weckt.»

Verlockungen, Geld auszugeben, sind für Jugendliche gross

«Finance Mission Heroes» wird bereits schweizweit an vielen Schulen angewendet. Auch der Kanton Basel-Stadt hat das Spiel als mögliches Lehrmittel aufgenommen. Für Kathrine Balsiger, Mitglied der Fachkommission Wirtschaft, Arbeit, Haushalt des Lehrervereins Schweiz und Dozentin, stehen die Schulen beim Thema Finanzkompetenz in der Verantwortung.

«Längst nicht alle, vor allem jene mit einem tiefen Bildungsniveau, kommen in Berührung mit einer Finanzberatung. Deshalb muss das Thema in die Schulen.» Die finanziellen Herausforderungen für Jugendliche und junge Erwachsene nehmen laufend zu, ist auch John Häfelfinger, CEO der Basellandschaftlichen Kantonalbank, überzeugt. Als Beispiel nennt er das Smartphone, das es zwar für einen Franken zu kaufen gibt, damit aber ein Vertrag über zwei Jahre verbunden ist. «Dazu kommen Apps, die man kaufen muss und die nur gegen Geld erweitert werden können.»

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