ÖV-Wüste

Ganz viel los aber kein Tram – Kanton will keinen öV-Ausbau zum Dreispitz

Das Arfa-Areal (Baugrube in der Bildmitte) ist der wahrscheinlichste Uni-Standort. Auf der benachbarten Reinacherstrasse gibt es aber keinen öV.

Das Arfa-Areal (Baugrube in der Bildmitte) ist der wahrscheinlichste Uni-Standort. Auf der benachbarten Reinacherstrasse gibt es aber keinen öV.

Die Baselbieter Regierung plant auf dem Dreispitzareal nur einen zaghaften Ausbau des öffentlichen Verkehrs: Wie aus einem Bericht auf einen Vorstoss im Landrat hervorgeht, ist um das wichtige Entwicklungsgebiet an der Grenze zur Stadt in den kommenden 20 Jahren kein Ausbau des Tramnetzes geplant.

Das Dreispitzareal zählt zu den grössten Entwicklungsgebieten im Baselbiet. Doch der öffentliche Verkehr soll hier in den kommenden Jahren nur marginal ausgebaut werden. Dies geht aus dem gestern publizierten Bericht der Baselbieter Regierung zu einem Vorstoss von alt GLP-Landrat Daniel Altermatt hervor. Gemäss Tramnetzstudie 2040 ist im Dreispitz in den kommenden zwei Jahrzehnten kein Ausbau des schienengebundenen öV geplant. Das Tram Dreispitz, das dereinst auf einer Länge von einem Kilometer auf der Reinacherstrasse zwischen Leimgrubenweg und MFP-Kreisel verkehren soll, ist nur in einem Projektspeicher für die Zeit ab 2040 enthalten. Immerhin wird laut Regierung auf der Reinacherstrasse die Einrichtung einer Buslinie geprüft, die als Vorläuferin für ein Tram dienen könnte.

Dennoch: Das passt nicht zu den ambitionierten Plänen für einen Campus der Universität Basel im Dreispitz. Ja, der mögliche Aussenposten wird von der Regierung mit keinem Wort erwähnt. Altermatt ist enttäuscht: «Das ist eine Nicht-Antwort. Ich finde es seltsam, dass die Regierung auf die spezielle und von ihr selbst gepushte Ausgangslage nicht eingeht, die sich durch einen Uni-Standort für das öV-Angebot ergibt.» Generell hänge die weitere Entwicklung des Areals von einer verbesserten Erschliessung ab, sagt Altermatt. Ist die Nicht-Erwähnung ein Versehen? Oder vielmehr Taktik, weil über den exakten Standort für die Wirtschaftswissenschaftliche und Juristische Fakultät hinter den Kulissen noch immer verhandelt wird?

Geplanter Bus ist keine Alternative

Tatsächlich spielt es für das künftige öV-Angebot an der Grenze von Stadt und Land eine erhebliche Rolle, ob der Uni-Standort in Nähe des bestehenden Campus der Künste zu stehen kommt – oder etwa auf dem brachliegenden ehemaligen Arfa-Areal am südwestlichen Zipfel des Dreispitz. Derzeit scheint letztere Variante die wahrscheinlichste; das Arfa-Areal ist das einzige, das zu haben und nicht mit teuren Baurechten belegt ist. Doch in diesem Fall wäre der Uni-Standort Dreispitz mit öV massiv unterversorgt. Heute gibt es auf einem relativ langen Abschnitt der Reinacherstrasse überhaupt kein Angebot. «Und für den geplanten Bus wäre die Nachfrage schnell zu gross. Dann müsste rasch ein Tram her», sagt Altermatt, der im Münchensteiner Gemeinderat sitzt und dort für den Tiefbau zuständig ist.

Die Verantwortlichen hätten allerdings einen Uni-Standort in unmittelbarer Nachbarschaft zu den bestehenden Hochschulen lieber. In diesem Fall wäre ein massiver öV-Ausbau nicht zwingend. Im Osten ist das Dreispitzareal durch die BLT-Tramlinie 11 bereits gut erschlossen; und es erfährt zudem durch die geplante neue Haltestelle der Tramlinie 10 bei den Merian-Gärten sowie eine beschlossene Fussgängerpasserelle eine weitere Aufwertung. Die auffallend zurückhaltende Planung neuer öV-Angebote im Dreispitz lässt sich also vor allem mit den Hoffnungen auf einen Uni-Standort im Osten des Dreispitz erklären.

Isaac Reber: Ganzes Areal sei bereits gut erschlossen

Die bz hat Baudirektor Isaac Reber (Grüne) einen Fragekatalog zugesandt – und eine kurze Antwort erhalten: Die Bau- und Umweltschutzdirektion plane weiterhin, dass der Dreispitz ein Uni-Standort sein könne. Dies in einem Zeitfenster bis 2028. «Überdies ist das Dreispitzareal als Ganzes bereits sehr gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen», findet Isaac Reber. Das ganze Areal gut erschlossen? Daniel Altermatt sieht das anders: Nur im Norden und Osten des Areals gebe es öffentlichen Verkehr, schreibt er im Vorstoss, in dem er ein Konzept zur besseren Erschliessung fordert.

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