Rodersdorf

Gastrospezialist Martin Jenni kocht im hintersten Zipfel des Leimentals

Martin Jenni im einstigen Gasthof Engel.

Martin Jenni im einstigen Gasthof Engel.

Er ist einer der besten Beizenkenner der Schweiz. In Rodersdorf hat Journalist Martin Jenni eine spezielle Vereinigung ins Leben gerufen.

Am Ende entscheidet immer Martin Jenni. Nicht jede Person wird in die Vereinigung für kulinarische und geistige Nahrung aufgenommen. Der Buchautor und Journalist, der für verschiedene Printmedien schreibt, meint aber, es sei ganz einfach: «Unsere Mitglieder haben eine unkomplizierte Freude an der Ess- und Trinkkultur. Sie sind keine Snobs.»

Abgelehnt hat Jenni seit der Gründung der Vereinigung im November keine Bewerbenden. Seit einem halben Jahr wohnt der 61-Jährige in Rodersdorf. In der Gemeinde an der französischen Grenze lebt er in einem Haus, das mit zahlreichen Details an seine Vergangenheit als Dorfbeiz erinnert. Nach neun Jahren in einem einsamen Zollhaus im Jura zog es ihn ins Solothurnische Leimental.

«Pflege und Förderung der Ess- und Trinkkultur»

Im einstigen Gasthof Engel in Rodersdorf veranstaltet Martin Jenni regelmässig Anlässe. «Ich vermische dabei gerne Kulinarik und Kultur», sagt Martin Jenni. Zurzeit hat die Vereinigung 102 Mitglieder – die Grenze ist auf 150 Personen festgelegt. Die Mitglieder zahlen einen moderaten Jahresbeitrag, um an den Veranstaltungen teilnehmen zu können. Diese kosten, je nach Programm, zwischen 80 und 150 Franken pro Person.

Ein elitärer Club sei die Vereinigung für kulinarische und geistige Nahrung aber auf keinen Fall, sagt Martin Jenni. «Es kann jede und jeder Mitglied werden. Der Vermögensverwalter ist genauso vertreten wie die Grafikerin und der Schreiner.» Elementar bei der Lancierung des Projektes sei gewesen, in Zeiten der Digitalisierung und der sozialen Medien den persönlichen Kontakt zu stärken. Zum Sinn und Zweck heisst es in den Unter­lagen für Mitglieder: «Die lose Vereinigung widmet sich der Pflege und der Förderung der Ess- und Trinkkultur.»

Jenni mag die einfache und saisonale Küche

Aufgrund der Coronakrise sind die Veranstaltungen in Rodersdorf auf Eis gelegt. Werden sie wieder erlaubt, wird Jenni wie zuvor fast jeden Freitag einen Mittagstisch durchführen. «Ich mag die einfache, saisonale Küche. Zuletzt gab es Boeuf Bourguignon, Suppenfleisch und gefüllte Wachteln. Nun stehen leichte Gerichte wie Kaninchen, Forelle, Lamm, Spargel und viel Sommergemüse an.» Seine Rezepte bestünden aus Zutaten, die er regional einkaufe. «Ich bin kein ausgebildeter Koch, koche jedoch, seit ich 18 Jahre alt war.» In der Küche sei er stark von seinen vier Grosstanten, die Bäuerinnen waren, von seiner Oma und von zahlreichen Beizen-Besuchen in den vergangenen drei Jahrzehnten beeinflusst worden.

Bei den Anlässen in Rodersdorf stehen neben dem Essen und Trinken auch kulturelle Darbietungen im Zentrum. Erst kürzlich trug man zu Tambour- und englischen Akkordeonklängen die abgesagte Basler Fasnacht zu Grabe. Serviert wurden Hacktätschli und von Hand produzierte Fasnachtskiechli. Martin Jenni sagt: «Ich freue mich sehr, wenn es wieder weitergehen darf.»

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