Liestal

Geben die Behörden grünes Licht? 25'000 dürsten heute nach Trinkwasser-Freigabe

Können Liestal und die umliegenden Gemeinden aufatmen?

Der Krisenstab entscheidet, ob in Liestal und fünf benachbarten Gemeinden das Wasser wieder getrunken werden darf.

Update 11.7.2019, 11.30 Uhr:

  • Mit einer Mitteilung zum Stand der Trinkwasserverunreigung ist erst im Laufe des Nachmittags zu rechnen.

Nicht das Wochenende, sondern der heutige Donnerstag könnte für die meisten Bewohnerinnen und Bewohner von Liestal, Lausen, Arisdorf, Seltisberg, Lupsingen und Nuglar-St. Pantaleon zum Höhepunkt der Woche werden.

Heute entscheidet der kantonale Krisenstab, ob das Trinkwasser seinen Namen wieder verdient und ohne Erkrankungsrisiko genossen werden darf. Das würde das aufwendige Abkoch-Regime, das seit letztem Freitag von Nöten ist, beenden.

Das ganze Szenario weist auf einen solchen Entwarnungsentscheid: Nach jetzigem Wissensstand erfolgte die Verunreinigung heute vor einer Woche. Am Freitag zeigten die Proben eine so hohe Anzahl Keime, dass sie nicht gezählt werden konnten. Die Wasserversorgung Liestal begann sofort mit der Chlorung in den Pumpwerken und Reservoirs.

Am Samstag war die Verschmutzung etwas tiefer, die Chlorung wurde nochmals erhöht. Am Sonntag sank die Verschmutzung markant, am Montag wurden keine Kolibakterien mehr in den Trinkwasserproben gefunden. Am Dienstag wurde die Chlorierung abgesetzt, die Proben zeigten nach wie vor keine Keime. Weil es aber etwas mehr als einen ganzen Tag braucht, bis sich das Chlor in den Leitungen abgebaut hat, zeigen erst die Probeentnahmen von gestern Abend, ob das Wasser auch ohne Chlor keimfrei bleibt.

Unterschiedliche Situation bei Nachbargemeinden

Doch auch mit einer allfälligen Entwarnung bleiben Fragen für die Wasserbezüger offen. So etwa, ob sie die Hahnen öffnen sollen, um den Chlorgeruch ganz zu beseitigen. Der Liestaler Wasserverantwortliche Benjamin Schmid verweist zuerst einmal darauf, dass die jetzt eingebrachten Mengen Chlor früher Standard gewesen seien. Verschwinde das Chlor aus dem Netz, sei auch dessen Geruch nicht mehr feststellbar. Und er ergänzt: «Es braucht eine gute Nase, um das Chlor in der eingebrachten Dosis zu riechen. Stellt jemand einen solchen Geruch fest, soll er die Hausleitungen gründlich spülen.»

Und Leute, die in den letzten Tagen in den Ferien waren? Schmid: «Grundsätzlich sollte man immer nach den Ferien die Leitungen gut spülen, da sich abgestandenes Wasser darin befindet.»

Bei den fünf Nachbargemeinden, die von der Liestaler Wasserverschmutzung betroffen sind, ist die Situation unterschiedlich. Laut Schmid wurden die Verbindungsleitungen zu Lausen und Seltisberg – und damit auch Lupsingen – geschlossen, nachdem die Kontamination festgestellt worden war. Nuglar-St. Pantaleon und Arisdorf würden weiter mit Liestaler Wasser beliefert.

Dieser Wasserverbund macht in normalen Zeiten Sinn. Denn er ist eine Art Versicherung, falls zum Beispiel bei Trockenheit eine Gemeinde zu wenig Wasser hat. Nuglar-St. Pantaleon etwa käme derzeit ohne Liestaler Wasser nicht über die Runden. Der Nachteil des Verbunds: Bei einer Ausnahmesituation wie der jetzigen sind alle betroffen.

Wann der kantonale Krisenstab heute entscheidet, ob das Trinkwasser wieder frei gegeben werden kann, will dessen Sprecher Rolf Wirz nicht verraten. Er sagt nur: «Wenn die Wasserproben vom Mittwochabend ausgewertet sind, machen wir einen Rapport. Dort wird entschieden, danach wird die Bevölkerung über die Medien, unsere Homepage , die Internetseiten der betroffenen Gemeinden, Facebook, Twitter und die Notfallapp ‹AlertSwiss› informiert.»

Wirz spricht Liestal ein Kompliment aus. Die Stadt habe vor einer Woche bei allen Baustellen, bei denen Trinkwasserleitungen betroffen waren, Proben entnommen. «Das war vorbildlich, das wird längst nicht überall gemacht.» Dank dieser Proben wurde die Quelle der Verschmutzung festgestellt. Welche Baustelle der Auslöser war, ist aber noch nicht bekannt.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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