Auto-Taxi

Gefährliche Landplage Elterntaxi: Spektakuläre Manöver, hilflose Gemeinden

«Spektakuläre Wendemanöver»: Elterntaxis stellen ein Sicherheitsrisiko dar.

«Spektakuläre Wendemanöver»: Elterntaxis stellen ein Sicherheitsrisiko dar.

Seit Jahren versuchen Gemeinden, das Phänomen der Eltern-Taxis einzudämmen. Offenbar haben sie mässigen Erfolg.

Marcial Darnuzer will dem Treiben nicht mehr tatenlos zuschauen. «Die Situation ist am Ausarten», schreibt der Prattler SP-Einwohnerrat. Schulhäuser und Kindergärten würden von Elterntaxis zugestellt, vor allem vor Schulbeginn am Morgen und nach Schulschluss am Mittag. «Oft wird unmittelbar vor oder sogar auf dem Fussgängerstreifen angehalten, um die eigenen Kinder aussteigen zu lassen. Spektakuläre Wendemanöver stellen für die Fussgänger und Schüler ebenfalls eine grosse Gefahr dar.»

Die Schilderungen stammen aus einem Postulat, das Darnuzer am Freitag im Ortsparlament eingereicht hat. Der Vorstoss fordert unter anderem mehr Polizeipräsenz, aber auch die Prüfung von zeitlich begrenzten Anhalteverboten.

Autos im Halteverbot oder auf dem Trottoir

Das Problem ist nicht neu. 2017 lancierten Reinach, Bottmingen und Oberwil die Aktion «Geben Sie Ihren Kindern mehr Raum». Dreissig Baselbieter Gemeinden machten mit. Ziel der Kampagne, in deren Rahmen auch Plakate aufgestellt und Flyer verteilt wurden: Die Verkehrsflut vor den Schulhäusern verringern. Auch Basel-Stadt zog nach. Im Mai führten Kantonspolizei und Kinderbüro eine Aktion gegen das Phänomen «Taxi Mama» durch.

In Reinach seien regelmässig Gemeindepolizisten rund um die Schulen unterwegs, sagt Daniel Liechti, Leiter der Abteilung Bevölkerungsdienste und Sicherheit. Ihre Aufgabe: mit Eltern das Gespräch suchen, aber auch Bussen verteilen. Das kommt laut Liechti öfter vor: «Es gibt zum Beispiel Eltern, die beim Fussgängerstreifen Fussgängern den Vortritt verweigern – etwa, weil sie ihrem gerade ausgestiegenen Kind hinterherschauen und nicht wirklich bei der Sache sind.»

Auch in Pratteln wurde man aktiv. Zusammen mit dem Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) erarbeiteten drei Schulen ein Mobilitätskonzept. Die Primar Erlimatt ist gar eine von lediglich zwei Schulen in der Region Basel, die bei der Aktion «Walk to School» mitmachte. Laut einer VCS-Studie wird in der Deutschschweiz jedes zehnte Kind zur Schule kutschiert.

Offenbar zeigt nur Repression Wirkung. So liess der Oberwiler Gemeindesprecher 2017 verlauten: «Solange die Gemeindepolizei vor dem Schulhaus aufpasst, nimmt der Verkehr ab. Sobald sie weg ist, kommen die Autos wieder zurück.»

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