Es ist eine veritable Bombe, die der Aargauer Landammann Alex Hürzeler zum Schulbeginn platzen lässt: Der Kanton lässt gleich zwei neue Kantonsschul-Standorte prüfen, um auf die steigenden Schülerzahlen zu reagieren. Einen im Mittelland und einen im Fricktal. Bis Mitte 2019 soll dem Parlament ein Planungsbericht vorgelegt werden. Laut der Aargauer Medienpräsentation könnte ein Gymnasium Fricktal ab 2028 betriebsbereit sein.

Vor allem im Baselbiet würde dies einiges auslösen, besuchen heute doch rund 350 Fricktaler die Gymnasien und FMS in Baselland, nach Basel-Stadt gehen rund 150. Da der Grossteil sich auch noch auf einen Standort – aufs Gymnasium Muttenz – konzentriert, verwundert es nicht, dass die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind die Aargauer Ankündigung gleich zum Anlass für eine separate Fragerunde an der Pressekonferenz des ersten Schultages am Gymnasium Oberwil nahm.

Gym Muttenz wird nicht geschlossen

«Wir sind seit über einem Jahr bereits in Gesprächen mit dem Kanton Aargau», hält sie fest. Und genau so lang beschäftige sich der Kanton Baselland selbst «intensiv» mit Schulstandortfragen. Denn, so Gschwind, «die Fricktaler Schüler sind für uns ein entscheidender Faktor». Konkret verfasst eine Arbeitsgruppe der Gymnasial-Rektoren einen Bericht, der die Grundlage für die zukünftige Standortaufteilung im Baselbiet bilden soll. Bis Ende 2018 soll Gschwind ein erster Bericht vorliegen. «Die Arbeit der Arbeitsgruppe verläuft ergebnisoffen», betont Gschwind.

Was die Freisinnige aber auf Nachfrage der bz schon heute festhält: «Wir brauchen in Baselland sicher weiter fünf Gymnasiums-Standorte.» Auch wenn die Fricktaler Gymnasiasten heute 43 Prozent der Schüler am Gym Muttenz ausmachen und sich die Schülerzahl inklusive der FMS dort von 800 auf 500 reduzieren würde, würde der Standort Muttenz nicht geschlossen, versichert Gschwind. «Unser prognostiziertes Schülerwachstum würde den Abgang der Fricktaler auffangen.»

Ab 2023 braucht Baselland Provisorien

Während der Aargau mit einem Wachstum der Anzahl Mittelschüler bis 2040 um ganze 20 Prozent rechnet, soll es in Baselland bis 2030 immerhin zehn Prozent mehr Schüler geben – hier allerdings auf Erstklässler bezogen. Und Gschwind betonte heute, dass Baselland ab zirka 2023 bei den Schulstandorten in einen Engpass laufen wird – fünf Jahre bevor eine Kantonsschule im Fricktal bereit sein kann. Die Lösung? «Dann brauchen wir sicher Provisorien.»

Es stellt sich also wohl eher die Frage, ob Baselland und der Standort Muttenz nicht dringend auf die Entlastung durch den Bau eines Gymnasiums im Fricktal angewiesen sind. Gschwind dazu: «Wir haben im Aargau unsere Bedürfnisse nach mehr Platz in Muttenz deutlich angemeldet.» Sollte es am Ende doch nicht dazu kommen, so ist offen, wie Baselland zu mehr Schulraum auf Mittelstufe kommen könnte. «Für eine Aussage dazu ist es noch zu früh», sagt Gschwind. Was man nicht kann, ist dann einfach die Fricktaler dennoch wegzuschicken. "Der Staatsvertrag verpflichtet.»

Basel befürchtet Mobilitätsverlust

Ziemlich anders klingt es in Basel-Stadt. «In Baselland besteht sicher höherer Planungsdruck als bei uns», sagt Ulrich Maier zur bz. Der Leiter Mittelschulen im Basler Erziehungsdepartement glaubt nicht, dass der Weggang der rund 150 Fricktaler aus Basel zum Problem werden könnte. «Auch wir werden das mit dem eigenen Bevölkerungswachstum auffangen.»

Maier schlägt aber durchaus nachdenkliche Töne an: «Wenn die Fricktaler Schüler nicht mehr in Basel ans Gymnasium gehen, ist das ein ideeller Verlust für uns, weil die Durchmischung von städtisch und ländlich geprägten Schülern verloren geht.» Grundsätzlich halte er es nicht für erstrebenswert, wenn Schüler nur noch in ihrem Wohnkanton ans Gymnasium könnten. «Die Kantone gewinnen zwar innere Planungssicherheit, doch entspricht es nicht dem gesellschaftlichen Trend zu mehr Mobilität. Zuzüger müssten sich viel genauer überlegen, ob sie sich in Augst oder Kaiseraugst niederlassen.»

Im Gegensatz zu Baselland bekäme Basel auch keine Probleme, sollte das Aargauer Projekt scheitern: «Kommt es nicht, dann wird das für uns auch nicht zu einem Stolperstein, denn bei uns verteilen sich die Fricktaler auf sechs Standorte und nicht nur auf einen wie in Baselland. Dadurch sind wir viel flexibler», sagt Maier.