Kulturinteressierte laden ihresgleichen zu einer Protestkundgebung vor dem Regierungsgebäude in Liestal ein. Nächsten Mittwoch um 15.15 Uhr findet die Demonstration «für den Erhalt der Kunst- und Kulturförderung» im Kanton Baselland statt. Zeit und Ort machen Sinn: Denn wenig später beginnt das Baselbieter Parlament mit der Budgetdebatte. Schon 2016 soll die Baselbieter Kultur 390 000 Franken weniger erhalten. Bis 2017 will der Kanton die Kulturausgaben um insgesamt 785 000 Franken kürzen.

Die Not hat die Kulturschaffenden zusammengeschweisst. SieBaselbieter  haben nun zusammen die Demonstration – samt einer Stimmimprovisation – organisiert und eine Resolution gegen die Sparmassnahmen verabschiedet. Seit heute ist zudem eine Informationsbroschüre im Umlauf, die zum ersten Mal detailliert auflistet, wo genau wie viel abgebaut werden soll – kulturelles.bl wollte die Zahlen bisher nicht transparent aufschlüsseln.

Was alles wegfällt

Denn zwar ist die Kulturvertragspauschale – die Subvention gemeinsam genutzter Basler Institutionen – vorerst gerettet, doch vielen Baselbieter Institutionen geht es bald an den Kragen. Die Broschüre dokumentiert ein wildes Runter und Rauf beim Kulturbudget: Eine 85-jährige Einrichtung wie der Kunstkredit – der Kanton kauft Werke regionaler Künstler – soll von 190 000 auf 50 000 Franken zusammengekürzt werden. Im Jahr darauf ist wieder etwas mehr, 100 000 Franken, dafür budgetiert. Neuestheater.ch bekommt erst ab 2017 die versprochenen 100 000 Franken. Beim Landkino wird halbiert und danach ganz gestrichen. Die szenischen Lesungen «Wintergäste» und das Kulturmagazin GPS werden aus dem Budget geschmissen – erstere sind von Privaten gerettet worden.

Atelier Mondial, das Künstler-Stipendien vergibt und den Austausch über die Grenzen hinweg fördert, soll 2017 120  000 weniger bekommen als heuer – noch 40 000 Franken. Das Musikfestival Rümlingen (100 000 Franken jährlich) wird ab 2018 auf den Swisslos-Fonds verwiesen. Gekürzt wird zudem bei der Werbeplattform art.tv.ch, bei den Beiträgen an Herstellungskosten, bei den Transport- und Reisekosten von Gastkünstlern und nicht zuletzt bei der Videobasis BL. Hier konnten Kulturschaffende sich beraten lassen und technische Geräte aller Art sehr günstig ausleihen.

Budgetpostulat will Sistierung

Demo, Resolution und Broschüre machen zwar auf das Problem aufmerksam, dürften die Situation allerdings kaum ändern. Alle Hoffnung der Künstler und Kulturaffinen richtet sich nun auf ein Budgetpostulat von SP-Landrat Jürg Degen. Er fordert die Aufhebung der Kultursparmassnahmen 2016. Die 390 000 Franken sollen also zurück ins Kulturbudget.

Ein «lächerlicher Betrag» im Vergleich zu den Millionen, die nun doch in die regionale Kultur auf Stadtboden flössen, sagt Degen. Er finde es ja gut, dass bei der Kulturvertragspauschale doch nicht gespart werde. Aber es sei nicht einsehbar, warum Baselland seine eigene kulturelle Entwicklung ausbremse, dies obschon der Kanton und seine Vertreter seit einigen Jahren eine eigene kulturelle Identität anstreben und bei jeder Gelegenheit betonen. Die vielen kleinen Beträge, aus denen sich diese 390 000 Franken zusammensetzen, sei für viele Baselbieter Institutionen überlebenswichtig.

«Bei minimaler Einsparung bewirkt der Abbau maximalen Schaden», sagt auch die Künstlerin Irene Maag, Sprecherin der protestierenden Kulturschaffenden. Die letzte, kleine Hoffnung, dass das Unheil abgewendet werde, sei nun der Landrat, sagt Maag, «und die stirbt zuletzt».