Grundwasser

Gegenoffensive: Rohner wirft Kanton Falschaussagen vor

Kommunikation ist nicht die Stärke der Prattler Chemiefirma Rohner. Doch nun nimmt Geschäftsführer Daniel Pedrett erstmals ausführlich Stellung. Und nutzt dies für einen Gegenangriff: Es sei unmöglich, dass 15 Millionen Liter Abwasser versickert sind.

Der Konkurs der Rohner AG ist nicht mehr abzuwenden. Gestern publizierte die Firma die Medienmitteilung, über die die bz bereits berichtet hat, auch noch offiziell. Und endlich reagiert auch Geschäftsführer Daniel Pedrett auf Anfrage, wenn auch nur schriftlich.

Er bestätigt, dass die Bilanz deponiert wurde und das Konkursverfahren demnächst startet. «Wir bedauern diese Situation zutiefst, insbesondere für Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden, mit denen wir seit vielen Jahren zusammengearbeitet haben», schreibt er weiter.

Kein Sozialplan fürs Personal

Während die Prattler Chemiefirma in der Medienmitteilung die Schuld ausschliesslich bei den kritischen Medien und Politikern suchte, wegen denen sich Kunden und Investoren zurückgezogen hätten, hält Pedrett nun fest: «Selbstverständlich wurden auch von unserer Seite Fehler gemacht.» Allerdings fügt er an: «Bei den wesentlichen Gründen vermag ich keine zu sehen.» Das dürften die 143 verbleibenden Mitarbeiter – es waren einmal über 200 – etwas anders sehen.

Einige, mit denen die bz sprechen konnte, berichten, dass Pedrett sich seit Tagen nicht mehr auf dem Gelände habe blicken lassen. Es wird vermutet, er meide die Konfrontation mit der Belegschaft. Denn diese habe ihn zuletzt unter Druck gesetzt und sich beschwert, dass es so nicht weitergehen könne.

Zur Erinnerung: Das Personal wartet seit über drei Monaten auf seinen Lohn. Und nun schreibt Pedrett auf die Frage, ob es denn einen Sozialplan gebe, kurz und trocken: «Nein.» Den Mitarbeitern empfiehlt er, sich möglichst rasch bei der Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) zu melden. «Die Stimmung ist gravierend eingebrochen», erzählt ein Angestellter. Schon bevor der Betrieb durch die vom Kanton verfügte Sperrung des Rohner-Abwassersystems vor gut zwei Wochen stillgelegt wurde, «waren teilweise nur 20 Prozent der Schichten anwesend», schreibt Pedrett. Ohne neue Umsätze keine Lohnzahlung: diese Abwärtsspirale habe zur Insolvenz geführt.

Rohner führt eigene Messungen an

Pedrett empfindet es nach wie vor als Vorverurteilung, wenn der Kanton oder die Öffentlichkeit die Grundwasserverschmutzung, die im März im Bereich des Rohner-Areals festgestellt wurde, mit der Firma in Verbindung bringen. Gegen die Verfügung zur Ausserbetriebnahme des Abwassersystems habe Rohner mittlerweile Beschwerde eingereicht. Doch dem nicht genug: Nun geht Pedrett gegen den Kanton in die Offensive. Gegenüber der bz schreibt er: «Die Information des Kantons, wonach bei der Rohner rund 15 Millionen Liter Industrieabwasser versickert seien, ist falsch.» Der Geschäftsführer untermauert diese Feststellung mit zwei Berechnungen:

  • Die 15 Millionen Liter zwischen November und Februar entsprächen 6000 Litern pro Stunde. Sickertests hätten nachgewiesen, dass eine solche Menge nicht durch den die gebrochene Leitung umfassenden Energieleitungstunnel (ELT) aus Beton entweichen kann. «Unser ELT ist dicht», so Pedrett.
  • Die Rohner AG produziere gar nicht so viel Industrieabwasser. Die Differenz zwischen bezogener und abgeführter Abwassermenge sei in den fraglichen dreieinhalb Monaten kleiner als 15 Millionen Liter gewesen.

Beim Kanton Baselland reagiert man zurückhaltend auf den Angriff: «Der Fachbericht des Amts für Umweltschutz und Energie zu Handen der Staatsanwaltschaft wird vor den Sommerferien abgeschlossen. Die Schuldfrage wird von der Staatsanwaltschaft zu klären sein», sagt Katja Jutzi, Generalsekretärin der Bau- und Umweltschutzdirektion. Man nehme die Aussagen der Rohner AG zur Kenntnis. Etwas hält Jutzi aber fest: «Unsere kommunizierten Zahlen basieren auf Messungen. Die 15 Millionen Liter sind Mindestangaben.»

Übrigens: Die verbliebenen Mitarbeiter des Traditionsunternehmens treffen sich am Mittwoch zu einem Abschieds-Grillfest. Nicht eingeladen ist ihr Chef, Daniel Pedrett.

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